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[Indie-Lounge] „Schreiben ist für mich ein Vollzeitjob“ – Marcus Hünnebeck im Interview

1 Okt 2014

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
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Heute begrüßen wir Marcus Hünnebeck alias Jo C. Parker alias Marc Beck als Gast in der Indie-Lounge. Marcus lebt als freier Autor im Rheinland und hat sich neben Genres wie Thriller und Humor auf Kinder- und Jugendbücher spezialisiert. Eine sehr bunte und spannende Mischung, die schon über 100.000 Leser gefunden hat. Vielfältig sind auch die Wege, auf denen er schon seit 2001 seine Bücher veröffentlicht. Via Amazons Plattform KDP hat es etwa der Thriller „Wenn jede Minute zählt“ ganz oben auf Platz Eins in die Kindle Charts geschafft, sein neuer Roman „Kainsmal“ erscheint beim Imprint Amazon Publishing.


„Zwei Thriller pro Jahr dürfen meine Fans erwarten“


Marcus, du schreibst außer unter dem Namen Marcus Hünnebeck auch unter Marc Beck und Jo C. Parker. Kannst du das für unsere Leser mal aufschlüsseln?

Angefangen hat meine Schreibkarriere, als es noch gar keine E-Books gab. Bei kleineren Verlagen erschienen insgesamt drei Thriller unter meinem richtigen Namen. Aufgrund des ausgebliebenen Erfolges (die Verkaufszahlen lagen jeweils unter 2000 Stück) wandte ich mich (inspiriert von meinem Sohn) dem Kinderbuchgenre zu. Da in meinen Thrillern mehr oder weniger viel Blut fließt, wollte ich vermeiden, dass ein Kind, dem eines meiner Kinderbücher gefallen hat, zufällig auf meine Erwachsenenliteratur stößt und einen Schock fürs Leben bekommt. Deswegen nutze ich für die Kinderbuchliteratur den Namen „Marc Beck“ (die ersten vier Buchstaben meines Vornamens kombiniert mit den letzten vier Buchstaben des Nachnamens). Dieser hat auch den Vorteil, dass er kürzer ist. Ich veranstalte regelmäßig Schulbuchlesungen und Kinder lieben es, Autogramme zu bekommen. Wenn am Ende einer Lesung hundert Schüler oder mehr auf ein Autogramm warten, ist man sehr froh über einen kurzen Namen. Das Pseudonym „Jo C. Parker“ wählte ich, als ich beschloss, ein Experiment zu wagen und ein Humorbuch zu veröffentlichen, welches ich namentlich von meinen Thrillern abgrenzen wollte.

Wie schaffst du es, unter drei Namen zu schreiben und dabei genug Bücher zu produzieren, dass die Fans eines „Namens“ nicht zu lange auf Nachschub warten müssen?

Zu Beginn meiner Selfpublisher-Karriere habe ich davon profitiert, dass die Rechte an meinen alten Thrillern mittlerweile an mich zurückgefallen sind. So musste ich die drei Romane lediglich überarbeiten, was natürlich weniger Zeitaufwand benötigt als ein neues Buch zu schreiben. In erster Linie produziere ich Nachschub fürs Thriller-Genre, in dem ich ja auch am erfolgreichsten bin. Darauf verwende ich die meiste Energie, denn zwei Thriller jährlich sollen meine Fans schon erwarten dürfen. Zusätzlich habe ich das „Kindle-Singles“-Format für mich entdeckt und veröffentliche voraussichtlich Ende Oktober eine Geschichte, in der die Kommissarinnen aus „Die Rache des Stalkers“ vorkommen. Falls das beim Leser ankommt, würde ich gerne regelmäßig diese Art von Geschichten schreiben.

Bei meinem Jugendbuch „Dämonenzirkus“ wage ich demnächst eine Wiederveröffentlichung, nachdem die Rechte an mich zurückgefallen sind. Von den Verkaufszahlen bei Chichili war ich enttäuscht und nun bin ich gespannt, ob ich das alleine besser hinbekomme. Falls ja, habe ich mir über eine eventuelle Fortsetzung bereits Gedanken gemacht und würde sie nächstes Jahr schreiben.

Das Genre „Humorbuch“ (aus Männerperspektive) kam nicht so richtig an. Ich habe noch einen weiteren Roman komplett fertig und einen zu einem Drittel. Beide werde ich im Laufe der Zeit veröffentlichen und hoffe, dass ich damit auch irgendwann den Nerv der Leser treffe.


„Auch beim Kinderbuch geht der Trend zum E-Book“


Welches dieser drei Genres ist für dich am einfachsten?

Das Humorgenre. Insofern finde ich es besonders bedauerlich, dass es bei den Lesern anscheinend nicht so hoch im Kurs steht.

E-Books für Kinder und Jugendliche, geht das überhaupt? Wird da nicht doch eher noch „geblättert“?

Wenn ich in Schulen bei Lesungen frage, wie viele der Grundschulkinder bereits einen E-Book-Reader besitzen, hat sich die Anzahl der Meldungen im Verlauf der letzten zwei Jahre deutlich erhöht. Ich denke, in fünf Jahren werden Kinder wie selbstverständlich E-Books lesen.

Mit deinem Thriller „Verräterisches Profil“ bist du weit oben in den Charts gelandet. Helfen da die Bücher aus den anderen Genres mit? Oder wie schafft man es nach so weit oben?

Der Erfolg der Thriller sorgt eher dafür, dass auch mal ein Buch aus einem der anderen Genres gekauft wird. Ansonsten gehört eine Mischung aus Professionalität und Glück zum Erfolg dazu. Das Cover ist meiner Meinung nach von großer Bedeutung, außerdem muss die Leseprobe möglichst fehlerfrei sein. Im übrigen Text dürfen dann auch nicht mehr zu viele Fehler enthalten sein, da es sonst negative Rezensionen hagelt. Darüber hinaus hat mir Werbung auf xtme.de und anderen Seiten wie ebookninja.de sehr geholfen. Doch über eins muss man sich im Klaren sein: Ohne Glück läuft gerade am Anfang, wenn man das erste Buch veröffentlicht, gar nichts.

Was tust du, um deine Bücher bekannt zu machen?
Ich schalte Werbung, poste auf meiner Facebookseite und schreibe auch die Leser an, die mir E-Mails zu vorherigen Büchern geschickt haben, um sie zu informieren, dass es Lesenachschub gibt. Zusätzlich veranstalte ich gern Leserunden (beispielsweise auf Lovelybooks), was vor allem zu Rezensionen führt.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Das ist ein Vollzeitjob. Manchmal beginne ich morgens mit dem Schreiben und höre erst abends wieder auf. Im Regelfall mache ich morgens jedoch ein wenig Sport (zum Ausgleich für die sitzende Tätigkeit), beginne mittags mit dem Schreiben (und Netzwerken) und schalte abends den Computer aus. Und das an mindestens fünf Tagen in der Woche. Manchmal auch an sieben.


„Kritik hilft dabei, sich zu verbessern“


Du bist freier Autor. Trotzdem die Frage: Kann man vom Schreiben leben? Oder genauer: Kann man vom Bücherschreiben leben, oder ist das für dich mehr ein Drahtseilakt?
Momentan funktioniert es. Und ich hoffe natürlich, dass es so bleibt.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:
Niemals aufgeben, immer am Ball bleiben. Es gibt furchtbar viele frustrierende Erlebnisse, wenn man versucht, als Autor Fuß zu fassen, doch wenn es läuft, ist es einer der besten Jobs.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?
Die Routine des regelmäßigen Schreibens. Außerdem ist es extrem wichtig, kritische Testleser zu haben, die einem ehrlich die Meinung sagen. Lob ist zwar toll, aber Kritik hilft einem, sich zu verbessern.

Was empfindest du als die größte Herausforderung für einen Selfpublisher?
In der Top 10 bei Amazon zu landen ;-) Hat man das geschafft, ist ein sehr guter Grundstein gelegt.

Wenn du selbst liest, zu welchen Büchern greifst du?
Meine beiden Lieblingsautoren sind Stephen King und Jeffery Deaver. Ich versuche allerdings immer, abwechselnd zwei Spannungsbücher und ein Humorbuch zu lesen. Bei den Humorbüchern lache ich sehr laut über Matthias Sachau. Dank meines Kindles finde ich auch immer häufiger Perlen unter den Selfpublishern. Geliebt habe ich zum Beispiel „Im falschen Film“ von Vanessa Mansini / Michael Meisheit.


„Mein nächstes Projekt ist ein Kurzkrimi“


Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?
Das kommt auf die Vorlieben des Lesers an. Thriller (gerne etwas brutaler): Verräterisches Profil. Thriller (lieber nicht so brutal): Wenn jede Minute zählt. Sollte ein Leser am Ende eines Buches einfach nur gute Laune haben wollen, dann empfehle ich allerdings „595 Stunden Nachspielzeit“. Und ich bin mir bewusst, dass ich jetzt fast alle meiner Selfpublishertitel aufgeführt habe, aber so konnte ich wenigstens etwas differenzierter antworten ;-)

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Der erwähnte Kurzkrimi. Besonders interessant für alle Leser, die „Die Rache des Stalkers“ kennen oder kennenlernen wollen. Zu „Kainsmal“ (meinem Amazon Publishing-Titel) wird wohl im Frühjahr eine Fortsetzung erscheinen. Und im September 2015 kommt ein Thriller bei einem klassischen Publikumsverlag heraus. Den Titel darf ich noch nicht verraten, doch erscheinen wird das Buch bei Egmont-LYX.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?
Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bisherigen Lesern bedanken. Ihr seid toll und habt dazu beigetragen, dass ich meinen Traum leben kann. Danke! Danke! Danke! Aber gerade den Lesern, die mich noch nicht kennen, möchte ich meinen Titel „595 Stunden Nachspielzeit“ ans Herz legen. Wenn ich die bisherigen Rezensionen bei Amazon richtig deute, ist das ein Titel, der schon vielen Leuten humorvolle Stunden bereitet und den einen oder anderen zum Nachdenken gebracht hat. Insofern würde ich mich über weitere Leser und Feedback freuen. Außerdem wären „Gefällt-mir“-Klicks auf meiner Facebook-Seite fantastisch! Grundsätzlich informiere ich dort nämlich zuerst über Neuigkeiten.

Markus, ganz herzlichen Dank für deine interessanten Antworten. Ich bin sicher, dass viele Kollegen davon profitieren werden und noch mehr Leser Lust auf deine Bücher bekommen. Jetzt wünsche ich dir weiter viel Erfolg beim Schreiben – und drücke deinem Humorbuch mal ganz besonders die Daumen.

Wer mehr über Marcus Hünnebeck erfahren möchte, kann ihn gerne auf seinen Homepages besuchen: huennebeck.eu/ und marcbeck.eu/, oder auf Facebook.