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[Indie-Lounge] „Recherche ist für mich das A & O“ – Poppy J. Anderson im Interview

2 Dez 2013

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Heute zu Gast in der Indie-Lounge: Poppy J. Anderson. Poppy schreibt, seit sie im Alter von vierzehn Jahren zu Weihnachten eine Schreibmaschine geschenkt bekommen hat. In diesem Dezember erscheint nun schon das sechste E-Book von ihr. „Verbotene Küsse in der Halbzeit“ erreichte Rang #1 auf Amazon, kurz darauf kletterte „Beim zweiten Mal küsst es sich besser“ auch dorthin. Zeitweise waren sogar vier E-Books von Poppy gleichzeitig in den TOP 100 und verkauften sich über 80.000 mal. Das zeigt: Ihre modernen Liebesromane scheinen einen Nerv der Leser zu treffen.


“ Wer meine Bücher liest, soll Spaß daran haben“


Klaus Seibel: Poppy, du bist mit vier E-Books gleichzeitig in die TOP 100 bei Amazon gekommen, ein herausragender Erfolg. Da möchte man natürlich wissen, wie schafft man sowas. Neben der Aufgabe, ein gutes Buch zu schreiben, ist es für Selfpublisher eine große Herausforderung, Leser auf sich aufmerksam zu machen. Wie hast du das gemacht?

Poppy J. Anderson: Anfangs bin ich völlig blauäugig an das Veröffentlichen meines Debütromans herangegangen und hatte nicht einmal ein Facebook-Profil. Auch habe ich kein Marketing betrieben, sondern mir gedacht, dass ich mich, falls sich das Buch vielleicht einmal fünfzigmal verkaufen sollte, wie eine Autorin fühlen könnte. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nie damit gerechnet, durch das Schreiben Geld verdienen zu können. Ich wollte einfach, dass andere Menschen mein Buch lesen und Spaß daran haben. Die ersten Verkäufe waren absolut überraschend, genauso wie die ersten Mails von Leserinnen, die mir Komplimente machten. Erst nach und nach habe ich via Twitter und Facebook einen Freundes- bzw. Fankreis aufgebaut. Wie es genau dazu kam, dass die Bücher verkauft wurden und Leser/innen darauf aufmerksam wurden, kann ich leider gar nicht beantworten.

Du hast ein Pseudonym gewählt, was das Marketing eigentlich schwerer macht, denn man kann nicht auf einem gewachsenen Freundeskreis aufbauen. Warum hast du ein Pseudonym gewählt und warum Poppy J. Anderson?

Erst einmal wissen nicht viele meiner Freunde und Bekannte von meinem Autorenleben, da ich die Veröffentlichung meines ersten Romans in aller Stille und Heimlichkeit vollzogen habe. Selbst meiner Mutter erzählte ich erst nach einem Monat davon. Meine Romane spielen in den USA, einfach weil ich eine enge Verbindung – auch familiär bedingt – zu den Staaten habe. Ein deutscher Autorenname kam mir daher ein wenig unglaubwürdig vor. Meine amerikanische Verwandtschaft gab mir als Kind den Spitznamen „Poppy“, da ich total vernarrt in Mohnkuchen war. Das J. steht für den Namen meines Patenkindes und der Nachname „Anderson“ fiel mir ein, da ich ein großer Fan von Johanna Lindsey bin, die eine absolut zauberhafte Familie mit dem Nachnamen Anderson in ihren Romanen erschuf.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Das ist schwer zu sagen. Das Schreiben kann man nicht mit einem normalen Bürojob vergleichen. Eigentlich bin ich ständig in Gedanken bei meinem neusten Romanprojekt und sitze teilweise nachts noch am PC, um irgendetwas zu erledigen. Auch wenn die Schreibphase bei mir tatsächlich nur ein paar Wochen pro Roman beträgt, da ich ein exzessiver Schreiber bin, gehen mir doch tagtäglich Ideen zu den Büchern durch den Kopf. Tatsächlich verbringe ich mittlerweile sehr viel Zeit in Netzwerken, um meine Seiten dort auf dem neusten Stand zu halten.


„Ohne das Schreiben würde mir ein großer Teil meines Lebens fehlen.“


Was motiviert dich zum Schreiben?

Ohne das Schreiben würde mir ein großer Teil meines Lebens fehlen. Natürlich schaue ich gerne Filme, jedoch erschaffe ich lieber aktiv Geschichten, in denen ich meine aktuellen Gefühle verarbeiten kann. Es ist einfach großartig, sich in unterschiedliche Charaktere hineinzuversetzen und sie miteinander agieren zu lassen. Selbst wenn ich kein einziges Buch veröffentlicht hätte, würde ich niemals mit dem Schreiben aufhören wollen.

Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autorin einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Tatsächlich habe ich mir früher immer gewünscht, später einmal Schriftstellerin zu sein, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen konnte, als mich tagtäglich mit meinen Geschichten zu befassen. Damals kam mir dieser Wunsch stets utopisch vor. Mittlerweile fühle ich mich wie eine Autorin und würde mir wünschen, meine Bücher auch einmal in einem Buchhandel zu entdecken. Ich glaube, dass dies momentan mein größtes Ziel ist.

Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

In meinem Leben hat sich nicht viel verändert, jedoch bin ich völlig überwältigt von den vielen wunderbaren Reaktionen auf meine Romane. So etwas hätte ich mir nie zu träumen gewagt. Ansonsten verbringe ich sehr viel mehr Zeit am Schreibtisch als früher und weiß gar nicht mehr, was es für TV-Sendungen gibt, aber ich schätze, dass dies kein großer Verlust für mich ist.


“ Ich rate jedem Autor zu unabhängigen Testlesern.“


Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Recherche ist für mich das A und O. Da ich mich selbst als Kontrollfreak beschreiben würde, recherchiere ich alle möglichen Informationen zu meinen Romanen. Beispielsweise würde ich niemals schreiben, dass mein Footballteam im Mai oder Hochsommer ein reguläres Spiel bestreitet, da zu diesem Zeitpunkt keine Saison ist. Zwar bin ich Germanistin, jedoch ist man bei den eigenen Texten ab und zu ein wenig blind. Glücklicherweise habe ich in meinem engen Freundeskreis andere Germanisten und Literaturwissenschaftler, die von meinen Romanen wissen und die Texte lektorieren.

Wie hast du es gelernt, Romane zu schreiben? Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Leider gab es während meines Studiums keinen Kurs, in dem man im Schreiben geschult wurde. Vermutlich war es bei mir tatsächlich ein „learning-by-doing“-Prozess, da ich mit vierzehn Jahren zu schreiben anfing. Auch das Lesen scheint zu helfen, den Wortschatz auszubauen. Ein Patentrezept kenne ich jedoch nicht.

Was ist dein wichtigster Rat für jemanden, der anfangen möchte, zu schreiben und selbst zu veröffentlichen?

Er sollte Spaß daran haben. Wenn jemand auf Biegen und Brechen ein Buch schreiben will, obwohl er sich darin nicht wohl fühlt, wird es auch dem Leser auffallen. Ansonsten würde ich jedem raten, sich einen unabhängigen Testleser zu besorgen, da Familienmitglieder und Freunde nicht die besten Ratgeber sind, schließlich können sie nicht objektiv genug sein. Ganz wichtig ist es auch, einfach am Ball zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Ich finde gut, dass mir niemand in meine Arbeit hineinreden kann. Bei meinen Handlungen kann ich selbst entscheiden, wie ich etwas aufbaue oder beschreibe. Ein Verlag könnte beispielsweise von mir verlangen, bestimmte Passagen, an denen mein Herz hängt, zu streichen oder umzuschreiben. Andererseits ist man in seinen Überlegungen oft allein und muss dementsprechend auch allein über wichtige Entscheidungen nachdenken.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Es gibt einen einzigen Punkt, der mich am Selfpublisher-Dasein wirklich stört: sehr oft wird man in der Branche belächelt, wenn nicht sogar herabgesetzt. Selfpublisher haben es in vielen Bereichen sehr schwer, akzeptiert zu werden. Beispielsweise wird man auf gewissen Seiten nicht aufgeführt, wenn man keinen Verlag hinter sich stehen hat. Das ist sehr schade, zumal es die Leser/innen anscheinend anders sehen.


„Verlagsvertrag wäre für mich ein absoluter Ritterschlag“


Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken?

Ein Verlagsvertrag wäre für mich ein absoluter Ritterschlag. Zwar macht es mir großen Spaß, meine Bücher in Eigenregie zu planen, zu schreiben und herauszubringen, dennoch fände ich die Zusammenarbeit mit einem Verlag sehr reizvoll. Außerdem ist die bereits angesprochene Verbreitung eines Buches, die ein Verlag leisten kann, ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Jedes meiner Bücher ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, daher können sie unabhängig voneinander gelesen werden. Dennoch kommen vorherige Protagonisten auch in späteren Büchern wieder vor, weshalb ich eine spezielle Reihenfolge vorschlagen würde: 1) „Verliebt in der Nachspielzeit“ 2) „Touchdown fürs Glück“ 3) „Make Love und spiel Football“ 4) „Verbotene Küsse in der Halbzeit“. Vor anderthalb Wochen ist ein Kurzroman von mir erschienen, der nur sehr wenig mit dieser Reihe zu tun hat und tatsächlich unabhängig gelesen werden kann. Für absolute Neueinsteiger würde ich daher diese kleine Lektüre empfehlen: „Beim zweiten Mal küsst es sich besser“.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Am 7. Dezember erscheint der mittlerweile fünfte Roman aus der „New York Titans“-Reihe mit dem Titel „Knallharte Schale – zuckersüßer Kerl“, der das Liebesleben des Footballspielers Dupree Williams beleuchten wird. Dupree ist kein typischer Liebesroman-Protagonist, da er ein schüchterner und leider etwas unerfahrener „Junge“ ist, der durch sein ungewöhnliches Äußeres auffällt. Da er sich als der Liebling meiner Leserschaft entpuppt hat, konnte ich gar nicht anders, als ihm eine Freundin zu suchen. Für das Jahr 2014 sind selbstverständlich weitere Romane in Planung. Zudem sollen die Bücher ins Englische übersetzt werden.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Meine Leser/innen sind einfach wunderbar, daher möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen für die tolle Unterstützung im letzten Jahr bedanken. Als Autor wird man häufig von Zweifeln geplagt, ob dieses oder jenes wirklich passt. Die wundervollen Rückmeldungen bestätigen mich immer wieder in meiner Arbeit. Dass meine Figuren dermaßen toll aufgenommen wurden, bedeutet mir sehr viel. Wenn die Leser/innen über meine Figuren sprechen, ist es für mich, als wären sie tatsächlich zum Leben erweckt worden. So kitschig es auch klingen mag, aber ich habe nicht nur das Gefühl, in den Titans „Freunde“ gefunden zu haben, sondern auch in meinen Leser/innen.

Ganz herzlichen Dank für deine Antworten, Poppy. Man spürt dir ab, dass du großen Spaß am Schreiben hast – und ich wünsche dir, dass das noch lange so bleibt.


Wer mehr über Poppy und ihre Bücher erfahren möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage www.poppyjanderson.de besuchen, und ganz besonders freut sie sich über Rückmeldungen.