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[Indie-Lounge] „Auf meine Leser kann ich mich verlassen“ – Mark Franley im Interview

30 Apr 2014

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Heute zu Gast: Mark Franley. Harry Potter ist Schuld daran, dass er schreibt, aber der Zweiundvierzigjährige aus Mittelfranken verfasst keine Zauberbücher, sondern bewegt sich im Bereich Thriller und Horror. Seit er vor etwa zwei Jahren ernsthaft mit dem Schreiben begonnen hat, sind zwei Horrorkurzgeschichten und vier Psycho-Thriller (zuletzt: „Nachtkalt“) entstanden, die es alle in die Top 10 bei Amazon geschafft haben, einmal sogar auf Platz 1. Ein Publikations-Erfolg, der Mark sehr überrascht hat, der aber ein tolles Gefühl schafft – und die Perspektive bietet, das Schreiben zum Hauptberuf zu machen.


„Jeder Mensch hat eine dunkle Seite“


Mark, warum ist Harry Potter Schuld, dass du schreibst?
Er hat mich verzaubert (lach). Aber im Ernst … Mich hat es damals beeindruckt, welchen Erfolg eine vorher völlig unbekannte Autorin erreicht hat, und da ich selbst immer auf der Suche nach einer kreativen Tätigkeit war, habe ich einfach versucht, selbst einmal eine Geschichte zu schreiben.
In den Jahren zuvor versuchte ich mich in der Malerei, stellte Holzschmuck her und landete, von Harry Potter inspiriert, beim Schreiben. Jetzt fühle ich mich angekommen und werde nervös, wenn ich keine Zeit habe, um mich an den Laptop zu setzten.

Dein bevorzugtes Genre sind Thriller. Was gefällt dir daran so gut?
Ich glaube, dass jeder Mensch auch eine dunkle Seite in sich trägt und dass es manchmal sogar seine Berechtigung hat, diese zu zeigen. Als Thrillerautor kann ich meine Protagonisten all das ausleben lassen, was man sich in der Realität besser nur denkt. Und natürlich macht es Spaß, Einfluss auf die Gefühle der Leser zu nehmen, sie mit leiden, lachen und lieben zu lassen.

Wie kommst du auf deine Ideen für deine Bücher?

Die Grundideen liefert unsere Gesellschaft. Eigentlich würde eine Ausgabe der Abendnachrichten genug Stoff für mehrere Bücher bieten. Was ich überhaupt nicht leiden kann sind Ungerechtigkeiten, daher suche ich mir meist Themen, in denen auch der Täter eine gewisse Berechtigung für seine Tat hat.


„Facebook ist für mich der wichtigste Werbe-Kanal“


Du hast hervorragende Amazon-Plazierungen erreicht. Wie machst du Werbung für deine Bücher? Was sind deine wichtigsten Kanäle?

Inzwischen sorgt meine Facebookseite bei neuen Büchern für einen guten Start. Auf meine Leser, die mir dort folgen, kann ich mich wirklich verlassen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Eure Unterstützung. Was natürlich auch Nachfrage bringt, sind die sehr aussagekräftigen Rezensionen einiger bekannter Bloggerinnen, die kein Blatt vor den Mund nehmen und auch einmal konstruktive Kritik üben. Zusätzlich kaufe ich auch noch Werbeplätze bei den einschlägigen E-Book Magazinen, aber das wichtigste Werbemittel ist wohl die Mundpropaganda, und die kann man sich nur erarbeiten.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

In Stunden kann ich das nicht sagen. Das Verhältnis ist ungefähr 80 Prozent Schreiben, 15 Prozent Netzwerk und 5 Prozent Marketing. Wobei das alles nicht starr ist, denn rund um die Veröffentlichung eines neuen Buches tritt das Schreiben natürlich erst einmal in den Hintergrund.

Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autor einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Ganz klar … ich möchte das Schreiben früher oder später hauptberuflich machen, und dieses Ziel habe ich fest im Blick.

Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Ich habe jetzt die Perspektive, irgendwann meinen Traumberuf ausüben zu können und nur noch das machen zu können, was ich wirklich möchte.


„Ich habe nie Ratgeber oder Kurse genutzt“


Für einen Erfolg spielen viele Faktoren eine Rolle. Welche zwei oder drei Faktoren siehst du als die wichtigsten an, die deinen Erfolg getragen haben?

Ganz vorne steht natürlich, dass die Leser meine Ausdrucksweise gut finden, und es kommt, glaube ich, ganz gut an, dass ich keine „Längen“ in meinen Büchern habe. Mein persönliche wichtigster Erfolgsfaktor war es, die ganz normalen Startschwierigkeiten zu ignorieren und immer weiterzumachen.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Und immer daran denken, dass nur der Leser Recht hat. Wer mit seinen Lesern einen Streit bezüglich seiner Geschichte anfängt, hat irgendetwas nicht verstanden.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Ich habe nie einen Kurs besucht und noch keinen Ratgeber in Händen gehalten. Wie mir gesagt wurdes ist jedes neue Buch ein wenig besser. Es wohl wie bei allem, nur die Übung macht den Meister.

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Gut daran ist natürlich die besagte Unabhängigkeit. Ich kann schreiben, was ich will, und es veröffentlichen, wann ich will. Mir redet niemand hinein, und abgesehen von meinen Lesern steht keiner da und sagt: „Du musst fertig werden“.
Am Anfang war es ein Problem, meine Bücher noch einmal professionell überarbeiten zu lassen, da das wirklich viel Geld kostet. Dieses Problem hat sich inzwischen dank guter Verläufe erübrigt, und die Investition lohnt sich in jedem Fall.
Was mich stört, ist eigentlich nur, dass meine Bücher nicht bei den Buchhändlern liegen, aber wer weiß schon, wie Buchläden in zehn Jahren aussehen. Vielleicht erfolgt auch hier noch eine Öffnung für uns Selfpublisher.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Dazu fällt mir gerade nichts ein, ich bin zufrieden, so wie es ist.


„Die Vermarktung im Ausland ist verlockend“


Wenn jetzt ein großer Verlag käme, könnte der dich verführen, dein Self-Publisher-Dasein aufzugeben? Und was müsste er dafür tun?

Einmal abgesehen von der Million-Dollar-Frage könnte mich nur eine Vermarktung meiner Bücher im Ausland locken. Da ich aber gerade selbst dabei bin, meine Bücher übersetzen zu lassen, müsste sich ein Verlag beeilen :-)

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen.

Da meine Thriller schon so etwas wie eine Reihe sind, auch wenn man sie gut einzeln lesen kann, würde ich mit „Heuchler“ beginnen. Ich schreibe heute vielleicht etwas besser, aber für neue Leser ist sicher auch Kommissar Köstners Entwicklung ganz interessant.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Zwei meiner Hauptprotagonisten leben noch, und die Köstner-Reihe verdient einen würdigen Abschluss ;-)

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Dass ich es auch nach zwei Jahren noch immer unglaublich finde, wohin Ihr mich gebracht habt, und dass ihr mir als verlagsunabhängigem Autor überhaupt eine Chance gegeben habt. Ich weiß, unser Ruf ist nicht immer der Beste, daher zählt das für mich umso mehr.
Sagt und schreibt mir bitte auch weiterhin Eure Meinung zu meinen Geschichten, denn alles was mich weiterbringt, ist konstruktive Kritik, und natürlich freue ich mich immer über einen kleinen Plausch mit Euch.

Mark, einen ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Ich wünsche dir weiterhin viele gute Ideen, die deine Leser zum Mitleiden und –lieben bringen.

Wer mehr über Mark und seine Bücher erfahren möchte, kann ihn gerne auf seiner Homepage www.mark-franley.de besuchen.