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[Indie-Lounge] “Ein gutes Buch zu schreiben ist wichtigster Erfolgsfaktor” – Catherine Shepherd im Interview

31 Jan 2014 Klaus Seibel 2 Kommentare

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
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Heute begrüßen wir Catherine Shepherd. Man kennt sie längst nicht nur am Niederrhein: Ihre Romane werden in so bekannten Zeitungen und Zeitschriften wie „Bild am Sonntag“ und „Für Sie“ empfohlen. Im Kindle-Store sind sie allgegenwärtig: Catherines erstes Buch „Der Puzzlemörder von Zons“ steht schon fast ein Jahr in den TOP 100 bei Amazon, war zeitweise auf Platz Eins und wird inzwischen gefolgt von ihren beiden nächsten Krimis, von denen „Kalter Zwilling“ auch schon den Rang #1 erklommen hat. Das sind beeindruckende Erfolge, die deutlich machen, dass ihre Bücher keine Eintagsfliegen sind.


“In Zons fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt”


Klaus Seibel: Catherine, deine Krimis spielen in Zons, einer Ortschaft am Niederrhein mit kaum mehr als 5.000 Einwohnern. Warum gerade in diesem kleinen Ort?

Catherine Shepherd: Ich lebe seit einigen Jahren mit meinem Mann in Zons und war sofort fasziniert von diesem Ort. Wenn ich durch die gut erhaltenen mittelalterlichen Gässchen laufe, fallen mir tausende Geschichten ein. Man fühlt sich sofort in eine andere Zeit zurückversetzt und kann die Magie und manchmal auch die Dunkelheit des Mittelalters spüren. Diese Ideen werden dann später in meinen Büchern weiterentwickelt.

Es ist eher selten, dass Regionalkrimis solche Riesenerfolge feiern. Was ist das Besondere an deinen Büchern?

Das stimmt. Ich war am Anfang selbst davon überrascht, wie viele Menschen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz sich für die Bücher interessieren. Nicht nur bei Amazon, auch bei uns zu Hause gehen täglich Buchbestellungen aus allen Ecken der deutschsprachigen Region ein. Ich denke aber auch, dass Zons etwas ganz besonderes ist. Hier ist die Vergangenheit so lebendig und ich höre von vielen meiner Leser, dass sie diese Atmosphäre sehr intensiv beim Lesen spüren können und hautnah in die Geschichte eingesogen werden.

Wie bist du auf die Idee gekommen, historisch und modern zu verquicken?

Ich liebe sowohl moderne Thriller als auch historische Romane. Im Grunde schreibe ich meine Bücher so, wie ich sie selbst am liebsten lesen möchte. Deshalb habe ich die Zeitebenen „einfach“ miteinander verbunden.


“Nach dem ersten Erfolg fängt man an zu planen”


Wie machst du Werbung für deine Bücher? Was sind deine wichtigsten Kanäle?

Bei der Werbung unterstützt mich mein Ehemann. Ich nehme für neue Bücher regelmäßig Kontakt zu verschiedenen Buchblogs auf und biete mein Buch vorab als Rezensionsexemplar an. Meine wichtigsten Kanäle sind meine Homepage/Blog, Facebook, Twitter und mein eigener Verlag. Ansonsten bin ich in Zons vor Ort sehr präsent und gebe Lesungen, Autogrammstunden oder bin auf dem berühmten Matthäusmarkt, der jährlich im September in Zons stattfindet, dabei. Ab Frühjahr 2014 werde ich auch Krimiführungen in Zons an den „Schauplätzen des Grauens“ durchführen.

Du bist in so bekannten Zeitschriften wie „Für Sie“, „Bild am Sonntag“ und anderen empfohlen worden. Wie schafft man sowas?

Mein Mann kümmert sich regelmäßig um die Pressarbeit und wir freuen uns natürlich sehr, wenn überregionale Zeitungen auf unsere Pressemitteilungen reagieren und über uns berichten.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich schreibe nicht jeden Tag. Insbesondere zwischen meinen Büchern gönne ich mir immer eine mehrwöchige Schaffenspause. Aber wenn ich schreibe, dann kann schon mal das komplette Wochenende oder der Urlaub dafür verbraucht werden.

Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autor einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Als ich den „Puzzlemörder von Zons“ fertig gestellt hatte, fühlte sich der Launch bei Kindle Direct Publishing eher wie ein Experiment an. Ich hätte nie gedacht, dass das Buch auf Nr. 1 aller E-Books landen würde. Damals gab es also noch keinen Plan. Natürlich beginnt man zu träumen und zu planen, wenn man einmal so hochkatapultiert wurde. Der Erfolg der beiden anderen Bücher hat mich dann auch bestärkt, in die Zukunft zu denken. Natürlich wäre es schön, wenn meine Bücher sowohl national und international bekannter werden.


“Im Lauf des Schreibens wird man professioneller”


Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Im Laufe des Schreibens wird man nahezu automatisch professioneller. Während der Puzzlemörder von Zons noch eher nebenbei als Hobby lief, versuche ich meine Schaffensphase mittlerweile besser zu planen und schreibe z.B. früh morgens, bevor ich zur Arbeit fahre. In dieser Phase sind meine Tage schon ziemlich belegt, was mein Leben sicherlich sehr verändert hat. Da mir das Schreiben aber soviel Spaß bereitet, sind diese Belastungen leicht zu ertragen. Viel schlimmer sind da die Schreibblockaden: eine ganz neue und unangenehme Erfahrung…
Ganz tolle neue Erlebnisse in meinem Leben sind auch die Kontakte zu den vielen Menschen, die sich mit mir über meine Bücher und das Schreiben unterhalten.

Für einen Erfolg spielen viele Faktoren eine Rolle. Welche zwei oder drei Faktoren siehst du als die wichtigsten an, die deinen Erfolg getragen haben?

Der wichtigste Faktor ist, ein gutes Buch zu schreiben. Dies geht aus meiner Sicht nur durch detaillierte und sorgfältige Recherche, insbesondere wenn es um die historischen Teile meiner Bücher geht. Der Kontakt zu „echten“ und treuen Lesern ist für mich ebenfalls ein erfolgsrelevanter Faktor.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Man sollte nie aufgeben und dranbleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Außerdem hat es mir in meinen Schreibphasen sehr geholfen, täglich zu schreiben, auch wenn es nicht viel ist. Man braucht als Autor eine Routine.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Ich schreibe tatsächlich aus dem Bauch heraus und verbessere meinen Schreibstil immer und immer wieder, bis ich damit zufrieden bin. Man steigert sich mit jedem Buch. Bei meinem dritten Roman „Kalter Zwilling“ habe ich auch noch einmal einen deutlichen Sprung durch die Hilfe einer professionellen Lektorin gemacht.


“Inzwischen gibt es auch sehr viele Print-Bestellungen”


Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Ich finde es super, dass es heute möglich ist, ein Buch ohne Verlag so erfolgreich zu veröffentlichen. Ohne KDP wären meine Bücher wahrscheinlich nie erschienen. Die Geschichten der vielen begabten Autoren, die über Jahrzehnte einen Verlag suchen und meistens keinen finden, hatten mich in der Vergangenheit immer vom Schreiben abgehalten. Allerdings überhäufen mich zur Zeit die Buchbestellungen für die Print-Ausgaben meiner Bücher, sodass ich schon dankbar wäre, wenn ein Verlag mir die Versandtätigkeit abnehmen und mein Buch in den Buchläden verbreiten könnte.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Ein einfaches und bezahlbares Bestell- und Versandsystem für den Buchhandel.

Deine Bücher findet man gedruckt auch in zahlreichen Buchhandlungen. Wie gelingt dir das?

Eigentlich wollte ich meine Bücher nur als E-Book veröffentlichen, aber die Nachfrage meiner Leser und von Interessierten aus der Region war plötzlich so groß, dass ich einen eigenen Verlag gegründet habe, um so die Bücher drucken zu können. Die ISBN kann ein Verlag wesentlich günstiger beziehen als eine Privatperson, und auch der Schutz der Privatsphäre ist viel besser möglich. Mittlerweile bekommen wir sogar selbst Manuskripte für unseren Verlag zugesandt, was mich schon ein bisschen stolz macht.

Wenn jetzt ein großer Verlag käme, könnte der dich verführen, dein Self-Publisher-Dasein aufzugeben? Und was müsste er dafür tun?

Für den Vertrieb der gedruckten Bücher wäre ich sicher an einer Zusammenarbeit interessiert. Die Vermarktung meiner E-Books würde ich ungern einem großen Verlag überlassen, jedenfalls dann, wenn ich dort nur ein „kleines Licht“ bin. In der Vergangenheit gab es einige Beispiele von erfolgreichen Self-Publishern, die nach Übernahme durch einen renommierten Verlag mehr oder minder von der Bildfläche verschwunden sind. Das fände ich sehr schade.


“Mit dem vierten Band habe ich schon begonnen”


Wenn dich ein neuer Leser kennenlernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Das ist eine schwierige Frage. Meine Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, obwohl die Hauptfiguren dieselben sind. Aber wenn der Leser meine persönliche Entwicklung nachvollziehen möchte, sollte er mit dem „Puzzlemörder von Zons“ anfangen.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Die ersten Zeilen meines vierten Buches habe ich bereits begonnen. Ich denke, Mitte 2014 sollte ich es fertiggeschrieben haben. Etwas kann ich schon verraten: Diesmal dreht sich alles um Halluzinationen einer jungen Frau, die nicht mehr weiß, was wahr und unwahr ist.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Ich möchte mich bei allen meinen Lesern für ihre Treue und das wunderbare Feedback zu meinen Büchern bedanken. Ich lese jede einzelne Rezension, jede Email, jeden Facebook-Kommentar und alle anderen Nachrichten, und es freut mich sehr, wenn ich meinen Lesern eine spannende Zeit bereiten kann. Und bitte, besucht doch mal die kleine Stadt Zons am Rhein. Es lohnt sich!

Catherine, ganz herzlichen Dank für deine Antworten. Du hast diesen kleinen Ort am Rhein mit tollen Geschichten gefüllt, und wir sind gespannt, was dort alles passiert ist, was wir bisher noch nicht wissen. Wir wünschen dir viele gute Ideen und weiterhin schöne Erfolge.

Wer mehr über Catherine wissen möchte, kann sie gerne auf ihrer Homepage besuchen, oder auf Facebook, Twitter, oder wo sie sich sonst noch tummelt. Catherine freut sich über jede Rückmeldung.

2 Kommentare »

  • Wenke Bönisch schrieb:

    Ein informatives Interview, vor allem wegen der Töne zwischen den Zeilen. Die Autorin weist daraufhin, wieviel Arbeit in der Vermarktung steckt, wie – gilt nicht nur für SPler, sondern auch für Verlage – sehr man da hinterher sein muß. Realistisch sehe ich ihre Einschätzung bzgl. Vor- und Nachteile an einer Verlagsanbindung.

  • Mark Dirst schrieb:

    Hallo!

    Cooles Interview. Ich wurde großer Fan von Catherine’s Werken sofort von Anfang an. Was sie für mich heraushebt, ist wie Catherine solche packenden und lebendigen Geschichten in so wenigen Seiten schafft. Das selbst ist Zeichen einer guten Autorin, aber es ist auch besonders wichtig für uns Fans, die nicht inländig wohnen und wollen immer noch solche tollen Bücher haben!

    Das heißt, Catherine’s Begabung solche packenden Geschichten in weniger Seiten schreiben zu können, erlaubt dass die Deutschsprecher von uns im Ausland sich ihre Bücher leisten können. 2 solide Gründe ein Fan von ihr zu werden!

    Weiterhin!

    Mark Dirst
    USA