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[Indie-Lounge] “Ein guter Autor sollte nicht nur schreiben, sondern auch viel lesen” – Béla Bolten im Interview

7 Jan 2015 1 Kommentar

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Heute zu Gast in der Indie-Lounge: Béla Bolten. Der erfolgreiche Krimi- und Thrillerautor aus Konstanz am Bodensee schrieb schon 1988 sein erstes Sachbuch, und das mit beeindruckendem Ergebnis: Die Geschichte der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt wurde in die Bibliothek der Gedenkstätte Yad Vashem aufgenommen. Seit 2012 veröffentlicht Béla neben Sachbüchern auch Krimis, die es alle in die Top 10 der Amazon Charts „Krimi und Thriller“ geschafft haben. Neben dieser Tätigkeit arbeitet er unter seinem bürgerlichen Namen Matthias Brömmelhaus als Ghostwriter und Personal Historian.

Klaus Seibel: Béla, du wolltest Strandkorbvermieter auf Baltrum werden – und jetzt bist du Autor. Wie kommt sowas?

Béla Bolten: Der Berufswunsch Strandkorbvermieter entstand während der Familienurlaube an der Nordsee in den sechziger Jahren. Das waren starke Typen, die den größten Teil des Tages faul in der Sonne dösten und abends mit hübschen Mädels in schnittigen Autos über die Strandpromenade cruisten. Für welchen pubertierenden Jungen ist das kein Traum?
Für den Beruf des Autors entscheidet man sich nicht so einfach, da wächst man hinein. Ich habe mich lange überhaupt nicht getraut, mich als Autor vorzustellen, vom Schriftsteller gar nicht erst zu reden. Auf meiner Visitenkarte steht letzteres erst seit kurzer Zeit.

Du bist jetzt nicht nur Autor, sondern sehr erfolgreicher Autor. Alle deine Kriminalromane haben es in die TOP 10 der Amazon Bestsellerliste „Krimis und Thriller“ geschafft. Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, soweit oben in die Charts zu kommen? Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten. Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Irgendein kluger Mensch hat mal gesagt, dass jeder Erfolg auf drei Säulen fußt: Man braucht Talent, muss hart dafür arbeiten und ohne eine gehörige Portion Glück geht es auch nicht.
Ich bin sicher, dass es genau so ist, was aber heißt: Man kann nur einen einzigen Faktor beeinflussen, denn das Talent wird einem ohne Zutun in die Wiege gelegt und das Glück kann man nicht erzwingen. Bleibt die Arbeit. Alle professionell schreibenden Kolleginnen und Kollegen, die ich kenne, arbeiten im Schnitt 60 und mehr Stunden in der Woche. Für den Erfolg muss man sich schinden. Das klingt nicht besonders attraktiv, ich weiß, aber es ist die Wahrheit.


“Natürlich ist es ein Wagnis, ins Ungewisse zu springen”


Du hast im Alter von 45 Jahren deinen Beruf an den Nagel gehängt und bist hauptberuflich Schriftsteller geworden. War das ein großes Wagnis? Warst du aufgeregt?

Natürlich ist es ein Wagnis, einfach ins Ungewisse zu springen ohne Netz und doppelten Boden. Ich hatte das Gefühl, mein Berufsleben noch einmal grundsätzlich verändern zu müssen. Mit Mitte vierzig ist man gerade noch jung genug für einen radikalen Wechsel – vorausgesetzt, das persönliche Umfeld spielt mit. Zum Glück war das bei mir der Fall und es ging relativ schnell bergauf. Trotzdem ist es eine große Umstellung, auf einmal freiberuflich tätig zu sein und nicht mehr zu wissen, ob in einem Monat genug Geld hereinkommt, um die Miete zu bezahlen.

Bis zur Rente dauerte es da noch 20 Jahre. Hattest du keine Sorge, dass dir in dieser Zeit deine Ideen ausgehen? Wie kommst du auf deine Ideen? Was machst du, wenn du mal keine hast?

Selbstständig gemacht habe ich mich ja vor allem als Ghostwriter, da müssen andere Leute die Ideen haben, man selbst steuert im Prinzip nur das Schreibhandwerk bei. Aber auch jetzt, wo ich hauptsächlich vom Krimischreiben lebe, habe ich keine Angst, dass mir eines Tages die Geschichten ausgehen könnten. Im Gegenteil: Ich bin ziemlich sicher, dass mein Leben nicht reichen wird, alles niederzuschreiben, was als nebulöse Idee in meinem Hirn herumwabert oder als Ein-Satz-Plot auf eine Festplatte gebannt ist. Als Krimiautor braucht man nur mit offenen Augen durch die Welt zu laufen, die Stoffe liegen tatsächlich auf der Straße.

Du betreibst einen Autobiografieservice. Was darf man sich darunter vorstellen?

Viele Menschen haben den Traum, ihre Lebensgeschichte für Kinder, Enkel, Freunde und Weggefährten zu dokumentieren. Oft fehlt ihnen das Talent oder die Zeit, ihre Biografie selbst zu verfassen. Dann komme ich ins Spiel und erfülle diesen Traum mach dem Motto „Sie erzählen – Ich schreibe“.


“Das Schreiben lernt man am besten durch Praxis”


Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Von der Gesamtarbeitszeit – siehe oben – etwa 80 Prozent für das Schreiben (einschließlich Recherche, Figurenentwicklung, Plotten usw.), zehn Prozent Marketing und zehn Prozent Netzwerkpflege)

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Ganz klar zwei Dinge: Lesen und Schreiben. Ich wundere mich immer wieder über Aussagen wie „seit ich schreibe fehlt mir die Zeit zum Lesen“. Viel zu lesen ist meines Erachtens für einen Autor unabdingbar – und zwar die Bücher der Besten des Genres, in dem man selber unterwegs ist. Von den ganz Großen lernt man am meisten, so frustrierend es oft auch sein mag, wenn man sich eingestehen muss, wie viel einem noch fehlt und dass man vielleicht nie ein wirklich Großer seiner Zunft wird.
Das Handwerk des Schreibens lernt man am besten durch Praxis. Learning by doing ist in unserem Beruf durch nichts zu ersetzen, vorausgesetzt man holt sich ein kritisches Urteil über die eigenen Texte ein. Da hatte ich es leicht, weil ich am Anfang nur als Auftragsschreiber tätig war und bei jedem Text ein Feedback durch die Auftraggeber bekam.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Siehe oben: Lesen und Schreiben. Sich mit Texten detailliert auseinanderzusetzen, fremden wie eigenen, unterscheidet den professionellen Autor vom Hobbyisten.

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Ich liebe die Freiheit, die ich heute habe. Ich entscheide, welchen Stoff ich mir vornehme. Ich entscheide über die Form, in der ich diesen Stoff erzähle. Ich entscheide, ob und wann ich einen Text veröffentliche. Ich wähle mir für Grafik, Layout, Lektorat usw. die Dienstleister aus, von denen ich überzeugt bin. Wenn ein Buch floppt, bin ich ganz alleine dafür verantwortlich, es gibt niemanden, auf den ich die Schuld schieben kann. Wenn ein Buch ein Erfolg wird, ist es nur mein Erfolg. Das ist wunderbar, was soll mich daran stören?

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Ich träume von einem Assistenten, der mir die lästige Büroarbeit und das Marketing abnimmt. Vielleicht sollte ich mir endlich jemanden suchen?!


“Mein nächstes Projekt ist ein Psychothriller”


Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken und womit (außer mit vielen Millionen ;-)?

Wenn mir ein renommierter Publikumsverlag einen Vertrag für Print-Only anbieten würde, ich also die E-Bookrechte behalten darf, wäre das sehr verlockend, denn ein Erfolg im klassischen Buchhandel ist für Selfpublisher unerreichbar. Hierzu braucht es immer noch den klassischen Verlagsvertrieb und daran wird sich auch mittelfristig nichts ändern. Und man sage nicht, solche Verlagsangebote gäbe es nicht, ich kenne einige Kolleginnen und Kollegen, die derartige Verträge abgeschlossen haben.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Ich würde ihm “Leahs Vermächtnis“empfehlen, den ersten Fall für die Konstanzer Ermittler Bettina Berg und Alexander Thal.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Als nächstes erscheint ein Psychothriller, in dem es um eine Krimischriftstellerin geht, die sich plötzlich selbst inmitten eines Gespinstes aus falschen Fährten, dubiosen Anschuldigungen und Morddrohungen sieht. Dabei fällt es ihr immer schwerer, zwischen Fiktion und Realität zu unterschieden.
Alle Berg und Thal Fans müssen sich aber keine Sorgen machen: Der nächste Fall wartet schon auf die beiden Kommissare vom Bodensee

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?
Es gibt nichts Schöneres, als für euch zu schreiben! Jede E-Mail, in der sich ein Leserin oder ein Leser als begeisterter Fan meiner Bücher bezeichnet, versüßt mir den Tag. Und jede Kritik hilft mir, besser zu werden. Dafür habt Ihr ein herzliches Dankeschön verdient!
Béla, dir jetzt auch einen herzlichen Dank für deine Antworten. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und immer eine gute Idee für eine neue, spannende Geschichte im Kopf.

Wer mehr über Béla Bolten und seine Bücher erfahren möchte, kann ihn gerne auf seiner Homepage besuchen.

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