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[Indie-Lounge] „Die ideale Form des Schriftstellerdaseins“ – Nika Lubitsch im Interview

6 Jun 2013

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Selfpublishing entwickelt sich rasant. Unabhängige Autoren erobern mit ihren Büchern regelmäßig Bestseller-Plätze. Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. Heute besucht uns eine der erfolgreichsten Autorinnen, seit es das Selfpublishing bei Amazon gibt: Nika Lubitsch. Die 60-jährige Berlinerin schreibt schon, seit sie einen Geha-Füller halten kann. Neben rotzfrechen Sachbüchern (unter ihrem richtigen Namen) sind es vor allem Krimis, die ihre Leser begeistern.


Über 100 Tage Platz 1 in der Amazon-Bestsellerliste



Klaus Seibel: Nika, fast 200.000 Downloads, Lizenzen und verkaufte Filmrechte sind ein traumhafter Erfolg und das ohne Verlag. Auch dein zweiter Krimi „Das 5. Gebot“
hat es bis auf #1 geschafft. Wir freuen uns, dass du uns in der Indie-Lounge besuchst und uns einen kleinen Einblick in dein erfolgreiches Autorenleben gewährst. Wie kommst du auf deine Ideen, die deine Leser so mitreißen?

Nika Lubitsch: Die Puzzelsteine sammle ich irgendwie auf. In meiner näheren Umgebung. Bei „Der 7. Tag“waren es zum Beispiel eine befreundete Notarin, die mit dem Geld ihrer Mandanten abgehauen ist und ein Geschäftsfreund, der eine Riesenpleite mit Immobilien hingelegt hat. Beim „5. Gebot“ waren es die Denkweise und Diktion meines Vaters und die Familie, bei der ich in England vor vielen Jahren als Au-pair-Mädchen gelebt habe. Dazu ein Ausflug ins Hochland von Guyana.

Schreibst du eher intuitiv oder nach einem klaren Konzept?

Beides. Beim „7. Tag“ hatte ich nur einen Prolog (ich glaube für eine Schreibübung in meiner Schreibgruppe) und absolut keinen Plot. Ich habe einfach drauf los geschrieben und irgendwann haben meine Protagonisten die Regie und die Handlung an sich gerissen. Beim „5. Tag“ hatte ich ein klares Konzept, das musste auch sein, denn die Geschichte ist viel, viel komplizierter als „Der 7. Tag“.

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Das ist auf jeden Fall ein Full-Time-Job. In den letzten Monaten bin ich nicht mal mehr zum Schreiben gekommen, denn es gab entsetzlich viel zu tun: Korrekturen, Beauftragung von Kollegen für diverse Jobs, Interviews etc. Ich habe eine CD selbst besprochen und produziert, zwei Taschenbücher herausgebracht, eine englische Übersetzung anfertigen lassen, einen Filmvertrag ausgehandelt, Lizenzen erteilt….

Ein Filmvertrag für sein Buch ist wohl der Traum jeden Autors – und für gewöhnlich unerreichbar. Wie hast du es geschafft?

Ein Autorenkollege hat „Der 7. Tag“ gelesen, war begeistert und meinte, das müsste unbedingt verfilmt werden. Er würde ein paar Leute vom Film kennen und fragte mich, ob er mich vertreten dürfte. Sechs Wochen später hat Oliver Berben den Vertrag unterschrieben. Später bekam ich dann noch mehr Angebote von Filmproduktionen. Ich bin also nicht zum Film gegangen, sondern der Film ist zu mir gekommen.


„Ich habe immer davon geträumt, Schriftstellerin zu sein“



Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autor einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Ich habe immer davon geträumt, irgendwann als Schriftstellerin leben zu können. Ich hatte da so ein Bild im Kopf: Südfrankreich, Schreibtisch hinter weißen, wehenden Gardinen, ich als alte Frau zwischen Meterhohen Bücherregalen…. Nur hatte mich die Wirklichkeit eingeholt. Ich habe ja schon früher Krimis geschrieben, meinen ersten Krimi habe ich mit 24 geschrieben, einen Krimi im Rockstar-Milieu, Titel: „Backstage“. Den bekam ich von allen Verlagen zurück, einer schrieb: „Anbei Backs-Tage zurück. Wir verlegen keine Kochbücher.“ Da wurde mir klar, ich muss anders Karriere machen. Ich habe dann noch einen Roman angefangen, der hieß „Die Amazonen“. Den Plot habe ich mir später im Kino angucken können. Nora Ephron (die ich sehr verehrt habe) hat etwa zur gleichen Zeit „Der Club der Teufelinnen“ als Drehbuch geschrieben. Ich habe dann anderweitig Karriere gemacht und erst mit Ende 40 wieder angefangen zu schreiben. Aber auch diesmal wollte niemand meinen Krimi „Der 7. Tag“ haben. Also habe ich Sachbücher geschrieben und die haben auch auf Anhieb Verlage gefunden.

Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Der Erfolg hat nichts verändert, ich hatte ja vorher bereits in anderen Berufen sehr viel Erfolg. Dass ich plötzlich mit dem, was ich am liebsten mache, Geld verdiene, das ist schon eine ungeheure Befriedigung, da ist sozusagen mein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Mit 60 Jahren. Was für ein unglaubliches Glück! Wenn ich darüber nachdenke, muss ich heulen.

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen?

Dass man dafür eine mitreißende Geschichte braucht, ein gutes Cover und einen sauberen Text, wissen die meisten.

Welche Faktoren darüber hinaus sind deiner Meinung nach für deinen Erfolg wichtig gewesen?

Glück, Glück und nochmal Glück. Das richtige Buch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Ernst, wenn ich es wüsste, könnte ich viel Geld für so einen Tipp verlangen.


„Tu’s einfach, trau‘ dich, dein Plot ist gut“


Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Tu’s einfach. Viele Autoren träumen ihr Leben lang vom großen Wurf, fangen hunderte von Romanen an und finden nichts gut genug. Ich kenne Autoren, hochbegabte Autoren, die gestorben sind, ohne ein einziges Buch zu Ende geschrieben zu haben. Tu’s einfach, trau‘ dich, dein Plot ist gut!

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Inzwischen natürlich mit meiner Lektorin und mit zwei Korrektorinnen. Und mit einem Coverdesigner. Beim 7. Tag war ja alles noch selbstgestrickt. Und mit Testlesern. Für „Das 5. Gebot“ hatte ich 33 Testleser. Die haben mir wirklich sehr geholfen.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Ich habe jahrelang in einer Internet-Schreibgruppe mitgemacht, die es leider nicht mehr gibt. Aus dieser Gruppe sind einige sehr erfolgreiche Autorinnen hervorgegangen. Wir haben uns selbst gegenseitig die Flötentöne beigebracht. Und ich habe jeden verdammten Schreibratgeber gefressen, den ich in die Hände gekriegt habe. Sol Stein war meine Bibel, Internet-Kurse in Dramatik, ich habe nichts ausgelassen, um mein Handwerk zu erlernen. Allerdings: „Der 7. Tag“ ist vorher entstanden, nach diesem intensiven Lernen hätte ich mich wahrscheinlich nicht mehr getraut, einen Roman mit dieser ungewöhnlichen Struktur zu schreiben.

Du bist unabhängiger Selfpublisher. Was findest du besonders gut dabei? Was stört dich?

Was ich gut finde: Meine Bücher sind mein Produkt. Sie sehen so aus, wie ich mir das vorstelle. Jedesmal, wenn ich eines meiner Bücher aus der Druckerei bekomme, dann jubiliere ich vor Freude. Die liegen wirklich sehr sexy in der Hand und auf dem Cover steht auch kein Quatsch. Und wenn ich ein Buch schreibe, weiß ich, dass es veröffentlicht wird und es wird sehr bald veröffentlicht, denn Verlage haben viel zu langen Vorlauf. Wobei ich einen Deal mit einem traditionellen Verlag gemacht habe, in dem ich selbst veröffentlichen darf. Der bringt meine E-Books als Taschenbücher heraus. Und die sind sehr sehr schnell. Stören? Mich stört nichts. Ich war mein ganzes Leben lang selbstständig. Deshalb ist das wahrscheinlich die für mich ideale Form des Schriftstellerdaseins.

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?
Wann wird endlich das Klonen erlaubt?


„Ich habe nichts gegen Verlage. Aber bessere Qualität? Nö.“


Ein Verlag nimmt einem Autor viel Arbeit ab, verspricht bessere Qualität und eine größere Verbreitung. Könnte dich ein Verlag locken und womit (außer mit vielen Millionen&#x263A?
Ich habe überhaupt nichts gegen Verlage. Aber bessere Qualität? Nö, da lache ich drüber, meine selbstverlegten Bücher haben mehr Qualität als alles, was von mir in einem der großen Verlage erschienen ist. Ich habe einigen Verlagen in verschiedenen Ländern Lizenzen gegeben, sowohl für Print als auch für E-Books. Leider wollte mich in Deutschland bis heute kein großer Krimiverlag verlegen. Das hätte mich durchaus gereizt, allerdings hätte ich darauf bestanden, meine E-Book-Rechte zu behalten. Da dem nicht so war, habe ich mit mvg einen Deal gemacht, meine Krimis erscheinen jetzt als Taschenbuch unter ihrem Dach und ich bin absolut glücklich mit diesem Verlag.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

„Der 7. Tag“

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Als ich anfing, Krimis zu lesen, liebte ich es, bei Nero Wolfe, Archie Goodwin und Fritz zu Besuch zu sein, in den Krimis von Rex Stout. Die waren für mich wie alte Freunde, ich kannte jeden Winkel ihres Hauses . So etwas will ich auch schreiben: Bücher, in denen meine Leser ein Stück zu Hause finden, Figuren schaffen, die alte Freunde werden. Ich bin sicher, dass meine Leser das abolut hinreißende Personal vom „Kudamm 216“ lieben werden. „Kudamm 216“ ist zur Zeit der Arbeitstitel meiner neuen Serie.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?
DANKE!

Das war kurz und bündig. Dann möchte ich dir jetzt auch „Danke“ sagen für deine Antworten, Nika, und dir natürlich weiterhin viel Erfolg wünschen.

Wer mehr über Nika Lubitsch und ihre Bücher wissen möchte, findet es auf ihrem Blog. Und auf jeden Fall warten wir auf ihren Krimi, der im Moment noch „Kudamm 216“ heißt. Ich habe ja auch schon einen Berlin-Krimi geschrieben und bin hochgespannt, wie Nika das anpacken wird.

Abb./Coverbilder: Nika Lubitsch (c)