Home » Indie-Lounge

[Indie-Lounge] „Der deutsche Markt ist eindeutig leichter zu erobern“ – Cathy McAllister im Interview

4 Sep 2013 0 Kommentare

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
Volker Ferkau Nika Lubitsch Hanni Münzer Michael Meisheit Cathy McAllister Matthias Matting Sarah Saxx Poppy J. Anderson Monika-Dennerlein


Heute zu Gast in der Indie-Lounge: Cathy McAllister. Cathy lebt in England, schreibt aber auf Deutsch. Bücher veröffentlicht sie auf klassischem Weg schon seit 2005, und ist schon seit den Anfängen des Amazon-Selfpublishings dabei. Nach Titeln für renommierte Verlage wie Ullstein und C.Bertelsmann arbeitet Cathy mittlerweile als unabhängige Autorin. Ihre bevorzugten Genres sind Historical, Romantasy (auch als Young Adult) und SciFi-Romance. Zu den aktuellsten Titeln gehören Kidnapping Keela (Reihe „Lords of Arr’Carthian“), Naios Begierde (Reihe Hüter der Elemente) und Die verbannte Braut.


„Ich lese auf englisch und schreibe auf deutsch“

Klaus Seibel: Cathy, du hast inzwischen schon fünfzehn Romane als Indie-Autorin herausgebracht und strebst jetzt die magischen 100.000 Downloads an, allein für dieses Jahr. Du lebst in England und hast in englischer UND in deutscher Sprache Erfolg. In welcher Sprache schreibst du eigentlich? Und übersetzt du dann selbst in die andere Sprache?

Cathy McAllister: Ich lese zwar mittlerweile fast ausschließlich in Englisch, schreibe allerdings in Deutsch. Das Übersetzen von Deutsch nach Englisch übernimmt eine professionelle Übersetzerin.

Wie würdest du die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem englischen/amerikanischen Markt beschreiben?

Der deutsche Markt ist eindeutig leichter zu erobern. Es gibt im englischsprachigen Raum einfach zu viel Konkurrenz und zwar sehr gute.

Manche deutschsprachigen Selfpublisher möchten auch im englischsprachigen Markt Fuß fassen, aber das ist schwierig. Was hältst du für wesentlich, damit das gelingt?

Ich selbst unternehme diesbezüglich im Moment nicht so große Anstrengungen. Ich habe ein hohes Schreibpensum und nicht so viel Zeit, um mich mit dem Thema eingehend zu beschäftigen. Ich habe es noch immer im Auge, aber erst Mal etwas beiseite geschoben.


„Schreiben ist mehr als ein ’schönes Hobby'“

Wie viel Zeit investierst du etwa pro Woche in Schreiben, in Marketing, Pflege deines Netzwerks?

Schreiben und Überarbeiten tue ich montags bis freitags jeweils sechs Stunden pro Tag. Dann kommen für Marketing, Facebook, Recherche und dergleichen noch mal gut zehn Stunden pro Woche zusammen. Manchmal auch mehr, wenn ich viel zu recherchieren habe. Also mindestens vierzig Stunden die Woche.

Was motiviert dich zum Schreiben?

Mein Kopf steckt so voller Ideen, die alle rauswollen, dass ich keine Motivation brauche.

Folgst du mit deiner Tätigkeit als Autorin einem großen Plan? Ist es „nur“ ein schönes Hobby? Hast du ein Ziel oder einen Traum?

Es hat sich schon längst zu mehr entwickelt, als nur ein „schönes Hobby“. Es ist mein Beruf. Wie ich schon sagte, arbeite ich rund vierzig Stunden die Woche, was einem Volljob entspricht. Nur dass ich weit mehr verdiene, als in einem Bürojob oder Ähnliches. Wenn ich irgendwann auch den US-Markt knacken würde, wäre das natürlich toll.


„Ich rate dazu, die Nähe der Leser zu suchen“

Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Eigentlich nicht viel. Nur dass wir jetzt so viel Einkommen haben, dass wir bequemer leben können. Als Person bin ich nach wie vor die Alte geblieben. Ich lese selbst viel und bin sehr gern in der freien Natur. Wir planen, uns ein Haus auf der Isle of Skye zu kaufen, wo ich hoffentlich noch mehr Ruhe zum Schreiben haben werde ;)

Gibt es ein Geheimnis für deinen Erfolg? Wie schafft man es, in die Top 100 oder sogar in die Top 10 zu kommen?

Das ist nicht immer leicht zu sagen. Manchmal denke ich, dass ein bestimmtes Buch gut ankommen würde und es bleibt hinter meinen Erwartungen zurück und andere wiederum laufen viel besser, als erwartet. Der Funke beim Leser muss irgendwie überspringen. Deswegen wird wohl der Klappentext ein sehr wichtiges Kriterium sein. Er muss den Leser ansprechen. Man sollte einfach schreiben, was einem Spaß macht, denn ich denke, der Leser merkt sehr wohl, wenn ein Autor nicht hinter seiner Geschichte steht. Ich könnte zum Beispiel sagen: Shades of Grey ist so erfolgreich, so etwas schreibe ich jetzt auch. Doch das würde sicher floppen, denn das ist nicht, was ich schreiben möchte. Ich schreibe, was ich selbst auch gerne lese.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Wenn ein Autor sich ständig zum Schreiben zwingen muss, sollte er sich überlegen, ob er das Richtige tut. Wenn man erfolgreich sein will, muss man lieben, was man tut. Und ich rate dazu, die Nähe der Leser zu suchen. Die Leser von heute schätzen einen Autor, der mit ihnen ganz natürlich auf Facebook plaudert. Auch sollte man nicht darauf schauen, was andere Kollegen machen. Ich kann nicht schreiben, wie Kollege X oder Kollegin Y. Jeder muss sein eigenes Ding finden und wenn andere erfolgreicher sind, sollte man darüber stehen. Ich hab schon erlebt, wie Neid negativ auf einen Autor zurückgefallen ist. Das ist es nicht wert.

Qualität ist ein großes Thema bei E-Books. Wie sicherst du die Qualität deiner Bücher?

Ich habe eine Lektorin und zusätzlich noch Testleserinnen. Auch beim Cover und beim Layout achte ich darauf, dass es gut aussieht.

Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden? ( Ratgeber, Kurse, Vorbilder, Internetforen, …)

Erfahrung und Übung. Und es hilft auch, wenn man selbst viel liest.

Was findest du besonders gut am Selfpublishing-Dasein? Was stört dich?

Ich kenne ja nun beide Seiten recht gut. Ich habe einige Jahre als Verlagsautor geschrieben, dann als reiner Indie und nun bin ich ein sogenannter „Hybridautor“. Als Indie habe ich in einem Monat so viel Einnahmen, wie zuvor in einem halben Jahr. Das liegt natürlich auch daran, dass die prozentuale Beteiligung eines Verlagsautors ziemlich kümmerlich ist, verglichen mit den 70% bei Amazon. Auch kann ich mehr Bücher produzieren, als im Verlag. Was mich stört? Eigentlich wenig. Vielleicht die Einstellung einiger, dass alle Indies nur „Hobbyschreiber“ wären. Das gibt es natürlich auch, doch viele betreiben das wirklich sehr ernsthaft und auch gewissenhaft.


„Nur für Verlage zu arbeiten kann ich mir nicht mehr vorstellen'“

Was könnte dir die Arbeit als Selfpublisher erleichtern?

Da fällt mir im Moment gar nichts zu ein. Ich finde es schon alles recht einfach. Das Veröffentlichen auf KDP ist sehr einfach und auch auf Create Space. Wenn es etwas geben würde, dass mir helfen würde, meine Bücher auch in die Buchhandlungen zu bringen, wäre schön, aber alle bisherigen Möglichkeiten, die es so gibt, sagen mir nicht so zu. Vielleicht kommen da irgendwann noch bessere Anbieter. Es hat sich ja in den letzten Jahren schon so viel entwickelt und ich denke, da ist noch lange kein Stopp.

Du kennst auch die Seite als Verlagsautorin. Könnte dich ein Verlag wieder locken, ganz für ihn zu schreiben?

Ich schreibe ja für Impress, das ist ein Label vom Carlsen Verlag, doch das mache ich nur nebenbei. Ganz, also ausschließlich, für einen Verlag zu arbeiten, kann ich mir nicht mehr vorstellen.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Das kommt auf seine Interessen an. Meine Genres sind ja sehr vielfältig. Ich habe Historicals, Romantasy und SciFi-Romance im Angebot. Er sollte am Besten die Leseproben lesen und dann entscheiden.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Im Moment schreibe ich an „Charming Charlie“, das ist der dritte Band meiner SciFi-Romance Serie „Lords of Arr’Carthian“

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Zuerst möchte ich natürlich allen meinen Lesern danken für ihre Treue und Unterstützung. Und im Sinne aller meiner Autorenkollegen kann ich nur immer wieder sagen: Unterstützt eure Lieblingsautoren, indem ihr sie weiterempfehlt und Rezensionen schreibt. Jeder ernsthafte Autor freut sich über Feedback, auch wenn es mal negativ ist. Nur fair sollte es natürlich sein, ohne persönliche Angriffe.

Cathy, ich danke dir herzlich für deine Antworten und wünsche dir weiterhin viele gute Ideen und dass du auch den amerikanischen Markt eroberst.

Wer mehr über Cathy McAllister und ihre Bücher erfahren möchte findet sie im Web auf Facebook oder in ihrerFan Lounge vom Carlsen Verlag.

Comments are closed.