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[Indie-Lounge] „Schaffe ein gutes Produkt, & hoffe dass es funktioniert“ – Annie Stone im Interview

31 Mrz 2015 0 Kommentare

Indie-Lounge lädt die besten Indie-Autoren ein. Erfolgreiche, bekannte und besondere Self-Publisher erzählen von sich, geben Tipps für Autorenkollegen und machen Lust auf ihre Bücher. (Kontaktadresse für Vorschläge & Anregungen: klaus.seibel[at]indie-lounge.net)
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Annie-Stone-Indie-Lounge-Interview-ArtikelHeute zu Gast in der Indie-Lounge: Annie Stone. Die studierte Politikwissenschaftlerin hat vor ihrer ersten Veröffentlichung nicht im Traum daran gedacht, dass jemand ihre Geschichte lesen würde. Dann hat sie der Erfolg ihrer Serie „She flies with her own wings“ regelrecht umgehauen. Vier Wochen nach Veröffentlichung ihres ersten Buchs hat sie kurzerhand ihre bisherige Karriere und den Job an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Sehr mutig – doch 150.000 verkaufte E-Books, Rang Eins in Amazons Kindle Shop und eine besondere Platzierung beim Lovelybooks Award 2014 zeigen, dass die Entscheidung so falsch nicht war.


„Als ich fünf war, entstand meine erste Geschichte“


Klaus Seibel: Annie, dein allererstes Buch ist schon entstanden, bevor du schreiben konntest. Wie ist das möglich?

Annie Stone: Lesen und Schreiben sind die beiden Leidenschaften, die mir mein Vater mitgegeben hat. Schon von klein auf wurden meine Schwester und ich unterstützt, unserer Fantasie freien Lauf zu lassen. Als ich fünf war, habe ich eine Geschichte erfunden, die meine Mutter für mich auf dem Computer abgetippt und ausgedruckt hat. Sie hat sie dann als kleines Buch binden lassen mit freien Seiten, auf denen ich noch Zeichnungen hinzugefügt habe. Die Geschichte hieß Alex & Alexandra, es ging um einen Seefahrer, der nach Hause kam und dort auf seine zukünftige Frau trifft. Das hätte schon immer mein Hinweis sein sollen, welche Art Geschichten ich schreiben kann.

Inzwischen hast du sehr viel veröffentlicht, allein sieben Bücher im letzten Jahr. Wie schaffst du das?

Die ersten fünf Bücher hatte ich schon fertig, bevor ich das erste veröffentlicht habe. Ich war ängstlich, ob ich überhaupt was veröffentlichen soll, daher habe ich erst mal geschrieben und geschrieben. Ich glaube, das war auch eine ganz gute Taktik, denn so konnte ich meine vierteilige Reihe in kurzen Abständen veröffentlichen und im Gespräch bleiben.

Gleichzeitig hast du noch einen Blogroman „Kiss the frog to get the prince“. Was darf man sich darunter vorstellen?

Das ist so eine Art Fortsetzungsroman, wie es sie früher in der Zeitung gab. Ich schreibe einmal in der Woche eine „Episode“ und poste sie auf meinem Blog. Jeden Donnerstag um 20 Uhr gibt es den neusten Teil. Ich schreibe zwischen 1000 und 2000 Wörter. Es ist eine Art Experiment für mich. Die Art und Weise, wie ich schreibe, ist vielleicht ein wenig ungewöhnlich, weil ich mir vorher kaum Gedanken zur Story mache, sondern einfach alles passieren lasse. Die Arbeit am Blogroman zwingt mich dazu, mir vorher Gedanken zu machen, weil ich den Anfang nicht mehr ändern kann, wenn mir später was anderes einfällt.

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„Englische Buch-Titel sind prägnanter“


Und dann gibt es auch noch ein Bad Boys Magazin. Was ist denn das und wozu ist das gut?

Als meine Reihe zu Ende war, habe ich jede Menge Zuschriften bekommen von Leser*innen, die darum gebeten haben, die Reihe fortzusetzen und zu erzählen, was mit meinen Protagonisten weiter passiert. Daher habe ich drei Bonuskapitel geschrieben, die ich kostenlos auf meinem Blog veröffentlicht habe. Für den dritten Teil (der zu Weihnachten herauskam) habe ich mir als besonderes Geschenk überlegt, dass ich ihn in Magazinform rausbringe. Es ist nicht nur das letzte Bonuskapitel enthalten, sondern auch ein Interview, Szenen aus Sicht der männlichen Protagonisten, Rezepte, die im Buch vorkamen von Laura Griese, einer Köchin aus Hannover, und ein Bericht zur Bareröffnung, die im Buch nicht mehr vorkommt, aber angedeutet wird.

Bei dir fällt auf, dass nicht nur dein Pseudonym englisch ist, sondern auch deine ganzen Buchtitel. Wie bist du darauf gekommen, deutsche Bücher mit englischen Titeln zu versehen?

Die Protagonistin meines ersten Buches, Emma, ist Autorin und hat ein Tattoo mit dem Spruch Writing her own story. Ich hätte es nicht passend gefunden, einen deutschen Spruch zu nehmen, weil die Geschichte in den USA spielt. Außerdem finde ich, dass Englisch manchmal prägnanter ist. Auf Deutsch hätte der Titel komisch geklungen: Ihre eigene Geschichte schreiben. Und dann hat Thea, die Protagonistin meiner Reihe, auch ein Tattoo She flies with her own wings. Ein bisschen unbeabsichtigt ergab sich da ein Muster. Daher habe ich die englischen Titel beibehalten.

Es ist nicht leicht, in die Top 100 aufzusteigen. Welche Faktoren siehst du als die wichtigsten an, die deinen Erfolg getragen haben?

Ich glaube, es sind drei Dinge. Erstens hat eine Facebookseite mit 30.000 Fans mein Buch empfohlen, zweitens ist das Thema meiner Serie kontrovers. Es geht um Polyamorie, um eine Frau und drei Männer. Ein Thema, das zu Diskussion anregt und die Leser*innen verleitet, sich ein eigenes Bild machen zu wollen, ist hilfreich. Drittens hilft es, auf sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Damit meine ich nicht, in jeder Gruppe sein Buch anzupreisen, sondern einfach nett zu sein, Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen.

Du hast es sogar bis auf Platz 1 bei Amazon geschafft. Was hat sich in deinem Leben durch das Schreiben/deinen Erfolg verändert?

Im Grunde hat sich alles und nichts geändert. Ich habe schon relativ früh meinen Job gekündigt und mich dem Schreiben gewidmet. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich zwei Wochen nach Erscheinen des zweiten Buches gekündigt, das war vier Wochen nach Veröffentlichung des ersten Buches. Seit Juni (mein erstes Buch ist Mitte März erschienen) bin ich Vollzeit als Autorin tätig. Positiv ist, dass ich jetzt nur noch das tue, was ich wirklich mag, ich kann mir meinen Tag einteilen, wie ich möchte. Negativ ist, dass ich alleine in meiner Wohnung sitze und es tausend Sachen gibt, die ich auch tun könnte. Fenster putzen oder Wäsche bügeln. Oder so. Manchmal fällt es schwer, sich selbst zu motivieren, aber so lange ich meine selbstgesteckten Deadlines einhalte, ist alles okay. Natürlich kann ich jetzt im Nachthemd arbeiten, was mir sehr entgegen kommt.
Was sich wirklich geändert hat, ist die Tatsache, dass ich endlich viel reisen kann, denn schreiben kann man überall. Das ist großartig!


„Auch negatives Feedback ist hilfreich für mich“


Was hat dir geholfen, im Schreiben besser zu werden?

Ich würde mich nicht als besonders gute Autorin bezeichnen, aber was mir hilft, sind Anregungen von Leser*innen, vor allem negatives Feedback. Ich würde zwar nie eine schon veröffentlichte Geschichte ändern (abgesehen von Rechtschreibfehlern etc.), aber ich nehme Anregungen für kommende Romane auf. Ansonsten lese ich sehr viel und ich glaube, dass es jeder Autor*in nur gut tut, wenn sie sich Anregungen in „Best practice“-Beispielen sucht. Kurse und Co. habe ich bisher nicht besucht, aber im Grunde bin ich ja auch erst am Anfang meines Autorendaseins. Diese Möglichkeiten stehen mir ja immer noch offen.

Dein wichtigster Tipp für Autorenkollegen:

Tu alles dafür, dass du ein sehr gutes Produkt hast. Und dann spring und hoffe, dass es funktioniert. Ich denke, uns allen fehlt manchmal der Glaube an uns selbst, ob wir das erste Buch veröffentlichen oder das zehnte. Aber manchmal muss man mutig sein und seine Ängste überwinden.

Du arbeitest zusammen mit epubli. Kannst du uns kurz erklären, was epubli für dich tut und warum du dich für diese Zusammenarbeit entschieden hast.

Ich habe mich damals für epubli entschieden, weil sie für mich sowohl das beste Angebot hatten, als auch der Kontakt von Anfang an super war. Weil es sich ganz gut verkauft hat, hat sich epubli mit mir in Verbindung gesetzt, um gemeinsame Marketingmaßnahmen zu besprechen. Ich hab Leonie Langer und epubli in Berlin besucht, wir standen das ganze letzte Jahr in Kontakt, wenn ich Fragen habe, habe ich eine kompetente Ansprechpartnerin. Als erstes ist daraus ein Podiumsgespräch auf der Leipziger Buchmesse entstanden und in der Folge viele weitere Termine. Epubli hat mir Türen geöffnet, die für mich alleine immer geschlossen wären.


„Indie-Autoren müssen sich gegenseitig unterstützen“


Wenn du drei Wünsche frei hättest, was das Schreiben betrifft, was würdest du dir wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mich die Muse immer küsst, sodass ich auch die kommenden Jahre noch Ideen für Bücher habe und das Durchhaltevermögen, diese auch zu schreiben. Das war mein egoistischer Wunsch. Darüber hinaus würde ich mir wünschen, dass wir Indie-Autoren es schaffen, unseren Ruf immer weiter zu verbessern, sodass uns der Buchmarkt nicht mehr belächelt, sondern ernstnimmt. Es sind gewiss schon erste Schritte gemacht, aber ich denke, da liegt noch ein langer Weg vor uns. Als drittes würde ich mir wünschen, dass wir einander stärker unterstützen, uns als Kolleg*innen sehen und nicht so sehr als Konkurrent*innen. Denn Bücher sind ja keine Autos. Eines reicht nicht für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Wenn dich ein neuer Leser kennen lernen möchte, welches deiner Bücher würdest du ihm als Start in deine Bücherwelt empfehlen?

Ich würde Writing her own story empfehlen. Mir liegt diese Geschichte besonders am Herzen, einfach weil es mein erstes Baby ist, aber ich glaube auch, dass sie ganz gut zeigt, was ich schreibe.

Deine bisherigen Leser warten schon auf Nachschub. Worauf können sie sich freuen? Was ist dein nächstes Projekt?

Ende Mai startet meine neue Serie. Es werden jeweils in sich abgeschlossene Romane
über einen Freundeskreis sein. Der erste Teil handelt von Jace und Chrissa. Erste Einblicke gebe ich auf meinem Blog.

Zum Schluss: Du hast 100 Worte frei zu deiner Verfügung. Was möchtest du deinen Lesern sagen?

Oh, 100 Worte … Ich gehöre ja zu denjenigen, die immer zu viel schreiben. Meine Masterarbeit hatte beinahe doppelt so viele Seiten wie erlaubt, aber ich gebe mein Bestes: Ich danke euch. Viele von euch sind schon beinahe Freund*innen geworden, und das ist das Schönste, was passieren konnte. All die großartigen Menschen, die ich im letzten Jahr getroffen habe, sind das Beste, das mir durch das Schreiben passiert ist. Ich würde keinen von euch missen wollen. Meine Mutter hat immer gesagt, wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Je mehr ich von mir preisgebe, desto mehr öffnet ihr euer Leben und eure Herzen für mich. Und ich kann mir nichts Schöneres vorstellen. Danke für euer Vertrauen und danke, dass ihr mir ermöglicht, meinen Traum zu leben.
Na gut, 101 Worte ;-)

Annie, herzlichen Dank für deine Antworten. Ich wünsche dir auch, dass dich die Muse noch heftig küsst, und das ist sicher ein Wunsch, den jede Menge deiner Leser und Leserinnen teilen, denn dann kannst du ihnen noch viele Stunden entspannende Unterhaltung schenken.

Wer mehr über Annie wissen möchte, kann sie gerne auf ihrem Blog besuchen und dort eine Menge Interessantes zum Lesen entdecken: http://anniestoneblog.com/

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