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Autoren-Plattform Qindie: Self-Publishing als Qualitätsmerkmal

29 Okt 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Self-Publishing als Qualitätsmerkmal? Das klingt gewagt – doch die Anfang 2013 gestartete Autorenplattform Qindie hat es gewagt. Das Q in Qindie steht nämlich tatsächlich für Qualität, und bürgt dafür auch als markenrechtlich geschütztes Logo auf dem Cover von bereits mehr als 200 Self-Publishing-Titeln. “Ziel ist es, langfristig eine starke Marke zu schaffen, die einem Verlag in nichts nachsteht”, so das Mission Statement. Ein “Verlag der Autoren 2.0″ will Qindie allerdings nicht sein, man versteht sich als ein Autoren-Netzwerk, das unabhängigen Skribenten mit Rat und Tat zur Seite steht – vorausgesetzt, sie bringen schon ein Mindestmaß an Kompetenzen mit.

“Wir wollen einen Mindeststandard an Qualität”

„Wir sind keine Scharfrichter“, beteuert Qindie-Gründerin Susanne Gerdom, selbst schon seit mehr als zehn Jahren als professionelle Sci-Fi- und Fantasy-Autorin unterwegs. „Aber wir wollen einen Mindeststandard an Qualität, für uns Autorinnen und Autoren und für die LeserInnen.” Zu den Qindies der ersten Stunde gehören mehr oder weniger prominente Indie-AutorInnen wie Stefanie Maucher, Ruprecht Frieling oder Birgit Kluger, mittlerweile ist auch Multitalent Matthias Matting mit dabei (siehe die letzte Folge der Indie-Lounge). Zur Zeit umfasst das Qindie-Netzwerk insgesamt etwa 50 Autorinnen und 30 Autoren.

Die Self-Publishing-Szene organisiert sich

Qindie macht zwar Werbung für die eigenen Mitglieder, betreibt ein Forum, organisiert Leser-Votings oder Autoren-Interviews, doch letztlich arbeitet jeder Indie-Schreiber auf eigene Rechnung, die einzige konvertible Währung der Plattform selbst heißt Engagement: „Unser Angebot ist für LeserInnen und AutorInnen völlig kostenlos. Wir investieren unsere Zeit und unser Know-how in das Qindie-Siegel“, betont Susanne Gerdom. Qindie darf man als ein deutliches Zeichen dafür werten, dass die deutsche Self-Publishing-Szene sich nicht nur professionalisiert, sondern auch organisiert – und zwar jenseits etablierter Strukturen, was auch nur konsequent ist. Kooperationen mit der Verlagsbranche sind trotzdem nicht ausgeschlossen, zu den Partnern von Qindie gehört so z.B. auch die von Droemer Knaur betriebene Self-Publishing-Plattform Neobooks.

Qindies setzten auf populäre Genre-Literatur

Die bisher bei Qindie aktiven AutorInnen bewegen sich überwiegend im Bereich populärer Genre-Literatur von Sci-Fi und Thriller bis zu Fantasy und Herzschmerz – doch gerade das kann natürlich auch bedeuten: die Qindies meinen es ernst, sie wollen mit ihrer Literatur Geld verdienen, und zielen nicht auf den subventionierten Sektor der Highbrow-Literatur. Und zugleich sind sie mit Feuer und Flamme bei der Sache: “Was für einen bekannten Discounter sein Grünzeug ist, sind für uns Bücher. Wir lieben Bücher!”, verkünden die Qindies auf ihrer Webseite. Interessanterweise erinnert ja auch das Qindie-Markenzeichen an die Siegel-Kampagnen der Lebensmittelbranche – ähnlich wie “Bio” oder “Fair” schafft Qindie Orientierung beim Lebensmittel Literatur, wobei der qualitative “Qindie-Test” nicht nur die Autoren zu Rate zieht, sondern über das an die Plattform angeschlossene Forum auch die Leser abstimmen lässt. Weitere Informationen zum Bewerbungsverfahren findet man in den Qindie-FAQs.

Abb.: Qindie-Logo (Startseite), Qindie-Cover für September 2013

2 Kommentare »

  • Petra schrieb:

    Da die Verlage immer mehr auf Nummer sicher gehen und nur noch Mainstream veröffentlichen, lese ich seit zwei, drei Jahren viel mehr aus dem KDP-Programm bei Amazon. Da findet man einige Perlen, muss es aber auch hinnehmen, relativ häufig handwerklich gruselig schlechtes Zeug zu erwischen. Kain Problem an sich, kann man zurückgeben, aber verlorene Lebenszeit und somit ein Ärgernis ist es allemal. Nun habe ich mir aufgrund dieses Artikels hier Qindie angeschaut und bin begeistert! Leider ist der Bestand noch klein (so 200 oder 300 Bücher), aber er scheint ja kräftig zu wachsen. Als ich begriff, dass dieses Projekt von Susanne Gerdom gestartet wurde, wusste ich auch sofort, das hat Hand und Fuß, denn ihre eigenen Bücher sind von weit überdurchschnittlicher Qualität. Danke für den guten Tipp!

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Aber gerne ;-) Bei den Covern der Qindies sind allerdings schon gewisse Unterschiede spürbar, meine ich – man merkt, welche Autoren Profis sind (wie etwa Matthias Matting) bzw. die Covergestaltung an Profis delegiert haben. Das hat ja nicht nur mit formaler Gestaltung zu tun, sondern oft allein schon mit der Bildauswahl.