In Toronto geht’s auch ohne App: E-Mail-Tabloid „Twelve Thirty Six“ als Erfolgsmodell

1236-newsletterWarum viel Geld für eine Tablet-App ausgeben, wenn man die Leser auch viel einfacher erreichen kann, zum Beispiel per E-Mail? „Wenn du meinst, du hast eine gute Idee, dann darf man auch ruhig mal klein und ein bisschen schäbig anfangen“, so David Topping, Digital-Stratege für den kanadischen Presseverlag St. Joseph Communications. „Und genau das haben wir getan — als wir Twelve Thirty Six gestartet haben.“ Der Name ist Programm: jeden Mittag von Montag bis Freitag pünktlich um 12 Uhr 36 bekommen mehr als 7.000 Abonnenten das schlanke „E-Mail-Tabloid“ in ihren Posteingangskorb geliefert — und lesen los.

60 Prozent Öffnungsrate

Die Öffnungsrate liegt bei sensationellen 55 bis 60Prozent. Was eben daran liegt, dass es sich um ein Standalone-Produkt handelt, eine Miniatur-Lokalzeitung im E-Mail-Format, die informative Kurztexte enthält, nicht nur Teaser, die auf andere Plattformen wie „Toronto Life“ oder „Torontoist“ verweisen (siehe die Browser-Version der Ausgabe vom Freitag, den 13. Januar). Toronto Life-Herausgeber Ken Hunt beschreibt Twelve Thirty Six als „tägliches Lunchtime-Tabloid mit einem eklektischen Story-Mix, immer mit einem Fokus auf Toronto.“

Hohe Nachfrage bei Anzeigenkunden

Gestartet ist das Projekt im Sommer 2015, anfangs noch als anzeigenloses Digital-Experiment, doch das hat sich längst geändert. Inzwischen mutiert das Email-Tabloid zur veritablen Cash Cow des Verlags: Werbekunden zahlen bis zu 300 Dollar pro Tag, damit ihre Anzeigen in Twelve Thirty Six gefeaturet werden. „Man kann E-Mail Newsletter als die erfolgreichere, kostengünstigere Alternative zu Tablet Apps betrachten“, fasst Marc Weisblott, Nachrichtenchef beiSt. Joseph Communications, die bisherigen Erfahrungen zusammen.

„Die Leute verstehen das Produkt“

Auch Digital-Stratege Hunt spricht sieht eine Renaissance des E-Mail-Newsletters gekommen: “Die Leute haben das Produkt verstanden, sie schenken ihm Beachtung, sie schauen jeden Tag hinein — offensichtlich bietet es ihnen realen Mehrwert.“ Der Verlag plant nun, das Geschäftsmodell weiter auszubauen.

(via pubiz.de & niemanlab.org)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".