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Immer Ärger im App Store: Illustrierte Stern muss iPhone-App zensieren

27 Nov 2009

Stern iphone App Store Apple.jpgApple greift hart durch: die Illustrierte Stern musste ihre iPhone-App kurzfristig aus dem App Store zurückziehen, da Apple einige Abbildungen für anstössig hielt. Nun ist die App zwar wieder da – aber in redaktionell überarbeiteter, also zensierter Fassung. Genervt von zu viel Kontrollen wenden sich derzeit immer mehr Entwickler anderen mobilen Content-Plattformen wie Googles Android zu.

Erfolg spielt keine Rolle – wer im App Store gegen den Jugendschutz verstößt, fliegt raus


Wenn es um den App Store geht, versteht Apple keinen Spaß: Inhalte für iPhone oder iPod Touch, die gegen den Jugendschutz verstoßen, werden nicht zugelassen oder wieder entfernt. Vor einiger Zeit traf es sogar ein Wörterbuch der englischen Sprache, dass wie bei Dictionarys üblich auch gängige Schimpfworte enthielt. Am Ende mussten sich die Verfasser beugen – erst als die Lemmata gesperrt wurden, bekam die App eine Zulassung. Nun traf es die Illustrierte Stern – mit deren iPhone-App seit Februar 2009 ein direkter Zugriff auf den Content der Web-Seite möglich ist. Dabei war allerdings auch eine Fotostrecke mit leicht bekleideten Dessous-Modellen. Apple reagierte wie üblich – die App flog raus. Es habe einen „Dissenz um die Erotik-Galerie“ gegeben, so Kurt Otto, Pressesprecher des Hamburger Verlags Gruner+Jahr gegenüber SPOL. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass bereits mehr als 380.000 Downloads erfolgt waren. Allerdings war es eine Gratis-App – bei allen Kauf-Apps streicht das Unternehmen dreißig Prozent des Verkaufspreises als Provision ein. Nun ist die App wieder da – „Die Software läuft nicht nur noch flüssiger, ihr wurden auch eine Reihe neuer Features spendiert“, heißt es auf stern.de, von der Zensurmaßnahme ist keine Rede.

Apple hat Probleme: Einen Content-Filter für iPhone & iPod gibt es noch nicht


Stern Magazin iPhone App Store Apple.jpgTatsächlich kann Apple bei problematischen Inhalten auf die Regularien des App Stores verweisen: “Einsendungen dürfen keinen obszönen, pornographischen oder beleidigenden Inhalt enthalten (Texte, Zeichnungen, Bilder, Fotografien, etc.) oder sonstigen Inhalt der nach Einschätzung von Apple von Benutzern des iPhones oder iPod Touch als anstößig empfunden werden könnte.” Das hat gar nicht so viel mit amerikanischer Prüderie zu tun, sondern mit einem technischen Problem: es gibt nämlich bisher keine Möglichkeit, für jugendliche iPhone und iPod-Nutzer solche Inhalte zuverlässig aus dem Angebot im App Store heraus zu filtern. Gleichzeitig sind Minderjährige jedoch ein wichtiger Kundenstamm, den Steve Jobs lieber nicht durch eine entsprechendes XXX-Rating seiner Inhalte verlieren möchte.

Ist Googles Android eine bessere Alternative für App-Entwickler?


Doch mittlerweile sind viele Software-Entwickler zunehmend genervt von Apples rigider Content-Politik – und kritisieren lauthals das intransparente Zulassungsverfahren der „App Review“. Wie heise online berichtet, erwägen einige nun auch den Umzug zu anderen Plattformen: „Bei Googles Android oder Palms WebOS wird nämlich nicht auf ‚Unangemessenheit‘ geprüft, sondern nahezu alles durchgewinkt, auch wenn das potenziell schlecht für die Sicherheit sein könnte.“ Bei Gruner+Jahr ist man ohnehin schon so weit – denn parallel zur iPhone-App ist auch eine Anwendung für Android-Smartphones gestartet worden.
Dem iPhone bleibt man trotzdem weiter verbunden – demnächst auch mit Apps für Titel wie Gala, FTD und Brigitte: „Der Kanal Mobile entwickelt sich leise zum Standard“, so Oliver von Wersch, der Leiter Mobile bei G+J Electronic Media Sales, gegenüber dem Branchendienst kress.