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„Abhängig nur vom Leser“: Krautreporter pitcht crowdfinanziertes Online-Magazin

13 Mai 2014 1 Kommentar

Native Advertising? Stiftungsfinanzierung? Staatliche Subventionen? „Auch die klügsten Thesen können nichts daran ändern, dass niemand tatsächlich die Zukunft des Journalismus kennt“, schrieb die in Seattle lebende Bloggerin und Journalistin Ulrike Langer gerade auf Meedia. Doch eins sei wohl klar: eine gemeinsame Zukunft für die Medienbranche werde es ohnehin nicht geben – stattdessen müsse man sich diesseits und jenseits des Atlantiks auf eine bunte Mischung „aus einigen wenigen alten und vielen neuen Formen und Geschäftsmodellen“ einstellen. Wird in der deutschen Medienlandschaft Crowdpublishing zu den angebotenen Geschmacksrichtungen gehören? Manches spricht dafür – nicht zuletzt der bisherige Erfolg von Krautreporter.de …

„Für die Geschichten hinter den Nachrichten“

Denn damit online mehr herauskommt als Verblendungszusammenhänge von Bild.de bis Buzzfeed, setzt Krautreporter.de schon seit Anfang 2013 auf Krautfunding – fast 200.000 Euro kamen dort bereits für engagierte journalistische Projekte zusammen (E-Book-News berichtete). Und zugleich reifte damit die Erkenntnis: allem Gerede über “Kostenloskultur” zum trotz sind LeserInnen durchaus bereit, für guten Online-Journalismus Geld auszugeben. Das hat die Krautreporter-Gründer Sebastian Esser, Philipp Schwörbel und Alexander von Streit nun ermutigt, den großen Sprung zu wagen: aus der Krautfunding-Plattform soll ein „tägliches Magazin für die Geschichten hinter den Nachrichten“ werden, und zwar werbefrei – also weder mit Bannern verbaut noch mit Suchmaschinen-Ranking im Kopf geschrieben.

Kernmannschaft aus 25 JournalistInnen

Helfen soll dabei natürlich die Crowd – gesucht sind 15.000 UnterstützerInnen, die bereit sind, ein Jahr lang 5 Euro pro Monat zu geben, genauer gesagt, 60 Euro für die Gründung vorzustrecken. „Es ist eine große Chance, sich nur von einem abhängig zu machen – dem Leser“, so Stefan Niggemeier im Pitch-Video (siehe auch Niggemeiers aktuellen Blog-Artikel). Der prominente Online-Journalist gehört zum Autoren-Team, genauso wie 24 weitere KollegInnen – allen gemeinsam ist: sie möchten „nicht mehr darauf warten, dass die großen Medienunternehmen sich endlich trauen, echten Journalismus im Netz zu ermöglichen.“ Wer ab Herbst gut recherchierte Stories von Stefan Niggemeier, Theresia Enzensberger, Hans Hütt, Jens Weinreich, Andrea Hünniger und anderen lesen möchte, muss sich bis 15. Juni entscheiden, dann endet die Krautfunding-Kampagne.

Prinzip Offenheit: Keine Pay-Wall geplant

Vergleichbare leserfinanzierte Plattformen wie „mediapart“ in Frankfreich oder „De Correspondent“ in den Niederlanden haben bereits mehr als 50.000 bzw. 30.000 Abonnenten und schreiben schwarze Zahlen. Im Unterschied zu diesen wird man das Krautreporting-Magazin aber auch lesen können, wenn man nicht zu den zahlenden Kunden gehört. Das macht durchaus Sinn, denn je größer die Reichweite, desto größer auch die Zahl potentieller Crowdfunder, die auf den Geschmack kommen können. Ähnlich macht es ja seit einigen Jahren die Online-Ausgabe der alternativen Tageszeitung taz, die statt Pay-Wall auf die freiwillige „Pay-Wahl“ setzt und dafür ein barrierfreies Vollprogramm bietet. Die Krautreporter wollen immerhin täglich drei bis vier Geschichten posten…

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