Illegale Preisabsprachen bei E-Books: US-Regierung verklagt Apple & Verlage

Rosige Zeiten für Verschwörungstheoretiker? In den USA ist das Wort „conspiracy“ mal wieder in aller Munde. Doch diesmal stehen nicht Regierungsbehörden unter Verdacht, sondern Apple und zahlreiche Big Names der Buchbranche. Bei der „Verschwörung“ geht’s in diesem Fall aber eher um eine unerlaubte Preisabsprache. Haben Steve Jobs und die Chefs von Macmillan, HarperCollins, Simon&Schuster und Co. vor zwei Jahren – also kurz vor dem Start von iPad plus iBooks – geheime Verabredungen getroffen, um die E-Book-Preise künstlich hoch zu halten? Generalstaatsanwalt Eric Holder scheint jedenfalls davon auszugehen: „As a result of this alleged conspiracy, we believe that consumers paid millions of dollars more for some of the most popular titles“, heißt es in einer offiziellen Verlautbarung. Wie immer bei Kartellbildungen leiden am Ende die Verbraucher – in diesem Fall die Leser.

Amazon versus Apple, „Agency“ versus „Wholesale“

Tatsächlich hatte Apple damals kurz vor dem Tablet-Launch mit einer aggressiven Strategie die großen Verlage ins Boot geholt, um mit Amazons Kindle-Imperium konkurrieren zu können – das Unternehmen überließ den jeweiligen Anbietern die Preisfindung, wenn sie im Gegenzug pro E-Book-Verkauf eine Provision von 30 Prozent garantierten. Dieses Vertriebsmodell wurde unter dem Namen „Agency“-Modell bekannt. Amazon reizte dagegen bis dahin das in den USA bei Büchern durchaus übliche „Wholesale“-Modell aus. Sprich: Der Online-Riese bestimmte den Preis von E-Books selbst, was in diesem Fall bedeutete: möglichst niedrig. Tatsächlich trugen elektronische Bestseller für 9,99 Dollar entscheidend dazu bei, den Kindle-Reader in wenigen Jahren zur erfolgreichsten Leseplattform zu machen. Dabei griff Amazon sogar tief in die Tasche, denn entstehende Verluste der Verlage gegenüber dem normalen Verkaufspreis wurden erstattet.

Steve Jobs und die Strategie des Round-House-Kicks

Doch mit Apples großem E-Book-Deal war dieses Modell Geschichte – denn zu den Bedingungen der iPad-Erfinder gehörte, dass die Verlage ihre E-Books bei anderen Portalen nicht günstiger anbieten durften als im iBook-Store. Steve Jobs sprach seinem Biografen Walter Isaacson zufolge in diesem Zusammenhang von einem „Aikido-Move“. Doch von der Wirkung her war es wohl eher ein Roundhouse-Kick im Stil von Chuck Norris. Und zwar einer, der am Ende das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte. Denn die Anti-Trust-Gesetzgebung der USA stützt das Recht von Online-Portale, den Preis angebotener Waren selbst bestimmen zu dürfen. In Deutschland ist das grundsätzlich auch so. Ausgerechnet bei Büchern allerdings wird der freie Wettbewerb per Gesetz ausgehebelt. Das nennt sich bekanntlich Buchpreisbindung. In diesem Fall reicht die Branchen-Verschwörung bis in das 19. Jahrhundert zurück. Eingeschränkt war sie nur einmal – als Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg von Uncle Sam & Co. regiert wurde.

Abb.: Flickr/Donkey Hotey

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".