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Illegale E-Book-Downloads: Börsenverein setzt auf Überwachen & Strafen

1 Sep 2011

Die meisten E-Books werden in Deutschland nicht im E-Store gekauft, sondern illegal erworben: 14 Millionen elektronische Bücher wurden 2010 bei Filehostern heruntergeladen – das entspricht bei 23 Millionen E-Books insgesamt knapp 60 Prozent aller Downloads. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur digitalen Content-Nutzung (DCN), die Anfang der Woche gemeinsam von Buchhandel, Musikindustrie und dem Lobby-Verband GVU vorgestellt wurde. Zugleich konnte die Studie mit Absatzzahlen aufwarten. So wurden 2010 hierzulande ungefähr 2 Millionen E-Books gekauft, was 0,5 Prozent Marktanteil bedeutet. Die weitaus größere Zahl illegaler Downloads gefährdet die kulturelle Vielfalt, glaubt der Börsenverein des deutschen Buchhandels – und ruft die Politik zum Handeln auf.

„Ohne Sanktionen funktioniert E-Book Markt nicht“

„Auch eine gute Ange­botsstruktur schützt vor illegalem Download nicht“, betonte bei der Vorstellung der DCN-Studie Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Die Zahlen seien „für den jungen E-Book-Markt erschreckend“. Zu den Auswirkungen von hohen Preisen und hartem Kopierschutz auf das abweichende Nutzerverhalten äußerte sich Skipis nicht. Eine Lösung des Problems sieht der Börsenverein dagegen in verstärkter staatlicher Überwachung der Internetkommunikation sowie von Zwangsmaßnahmen, die in anderen Ländern von Verwarnungen bis hin zu lebenslangen Netzsperren reichen: „Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniert der E-Book-Markt auf Dauer nicht“, so Skipis.

Rapidshare bei Lesern besonders beliebt

Wenn E-Books und Hörbücher über Filesharing heruntergeladen werden, überwiegt die Nutzung von One-Click-Sharehostern wie Rapidshare. 42 Prozent aller E-Book-Downloader haben 2010 durchschnittlich 18 E-Books aus dem Netz illegal heruntergeladen. Beliebt ist der Studie zufolge aber – anders als im Musikbereich – auch der Austausch von E-Book-Dateien via E-Mail. Etwas geringer ist die Filesharing-Praxis beim Hörbuch/Hörspiel: hier haben 23 Prozent aller Hörbuch-Downloader durchschnittlich 9 Exemplare  illegal heruntergeladen, das entspricht 6 Millionen Stück. Überraschend gering ist dabei die Schnittmenge derjenigen, die sowohl legale als auch illegale Angebote nutzen: bei E-Book Downloadern liegt sie bei 6 Prozent, bei Hörbuch-Downloadern bei 5 Prozent.

Nutzer glauben an Wirksamkeit von Verwarnungen

Vergleichbare Untersuchungen der französischen Netzüberwachungs-Behörde Hadopi zeigten allerdings vor kurzem auch, dass gerade die Gruppe der stärksten Filesharing-Nutzer auch am meisten Geld für Bezahl-Inhalte ausgibt. Doch egal ob gute Kunden oder nicht – in Frankfreich wurden bereits Millionen Verwarnungen an das digitale Lese- und Hörpublikum verschickt. Schützenhilfe für entsprechende Maßnahmen durch die Bundesregierung holen sich unsere um traditionelle Geschäftsmodelle fürchtenden Content-Verwerter ironischerweise bei den delinquenten Massen selbst. Befragt zur Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen, glaubten 57 Prozent, dass Personen, die illegal Medieninhalte anbieten oder herunterladen, ihr Handeln nach einer Verwarnung einstellen würden. Bei den aktiven Usern von Filesharing-Diensten gingen sogar 81 Prozent davon aus, dass ein Warnmodell das illegale Anbieten und Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte verhindern könnte.

Digitale Immigranten aus der Gutenberg-Galaxis

Der Schulterschluss zwischen dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Bundesverband Musikindustrie kommt zumindest terminlich nicht überraschend – schließlich beginnt in dieser Woche die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin. Hier spielen im Konzert der digitalen Medien auch E-Books und E-Reader neuerdings eine wachsende Rolle. Strukturell kann man beide Branchen allerdings kaum vergleichen. Schon alleine von der Masse her nicht: 14 Millionen illegalen Buch-Downloads standen im vergangenen Jahr 185 Millionen geraubte Musikdateien gegenüber, von mehr als 80 Millionen ruchlos konsumierten Kino-Filmen und TV-Serien mal ganz zu schweigen. Außerdem hat die Musik-Branche längst aus dem ungleichen Kampf gegen Otto Normalkopierer gelernt – was sich etwa am Verzicht auf Kopierschutz und niedrigen Preisen bis hin zu Flatrate-Angeboten zeigt. Die digitalen Immigranten aus der Gutenberg-Galaxis dagegen setzen immer noch auf kompliziertes Digital Rights Management, das viele Leser nachhaltig vergrault. Uneingeschränkt benutzerfreundliche E-Books gibt’s bisher leider nicht bei Libri, Thalia oder Amazon, sondern nur beim Filehoster.