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Ich bin ein E-Book, befreit mich & bringt mich raus!

1 Feb 2012 1 Kommentar

Viele moderne Klassiker haben eins gemeinsam: sie sind noch nicht als E-Book lieferbar. Bestes Beispiel war bis vor kurzem etwa Ray Bradburys „Fahrenheit 451“. Eine neue US-Plattform namens Unglue.it will nun für digitale Ausgaben solcher Werke sorgen – und zwar via Crowdfunding. Massenspenden sollen den jeweiligen Rechteinhaber dazu bewegen, ein Werk unter Creative Commons (CC-) Lizenz kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Analog zum „Street Performer Protocol“ wird eine Mindestschwelle gesetzt, die für die „Befreiung“ eines Titels erreicht werden muss. Sobald die Summe von Unglue.it gesammelt wurde, erscheint eine DRM-freie CC-Version des E-Books. Die weitere Verwertung wird dadurch nicht gestört. Die nicht-exklusiven Creative Commons-Lizenzen schließen kommerzielle Varianten eines Werkes nicht aus.

„What book would you give to the world?“

Bisher läuft Unglue-it in der Alpha-Phase. Spendenkampagnen sind noch nicht gestartet, es werden aber bereits Vorschläge gesammelt, welche Titel befreit werden sollen. Auf der Hitliste ganz oben stehen Bücher wie Stephen Hawkings „Kurze Geschichte der Zeit“, Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder William Goldings „Herr der Fliegen“. Die jeweilige Zahl der Befreiungs-Wünsche entscheidet, welche Klassiker für eine Spendenkampagne in Betracht kommen. Zugleich soll das solchermaßen bekundete öffentliche Interesse der Plattform Unglue.it helfen, die Rechteinhaber zu überzeugen, den Schritt in die Creative-Commons-Welt zu wagen. Profitieren könnten vom Unglue-it-Modell vor allem auch öffentliche Bibliotheken, die immer mehr Geld in E-Book-Lizenzen stecken müssen. Oder ganz außen vor bleiben. In den USA weigern sich nämlich viele Verlage bereits, E-Books überhaupt noch für den Verleih zu lizensieren.

Street-Performer-Protocol bereits erprobt

Erprobt wurde das „Street Performer Protocol“ bisher vor allem im Musikbereich. Die Crowdfunding-Plattform SellYourRights etwa hat unter dem Motto „Befreie deine Musik“ mit Hilfe von Spenden aus der Web-Community bereits einige Tracks in Gemeingüter verwandelt. Die Ausdehnung des Modells in Richtung Hörbuch scheiterte allerdings – für die Befreiung der Audio-Version von Cory Doctorows „Little Brother“ kamen nicht genügend Geld zusammen. Der kanadische Boing-Boing-Blogger und Sci-Fi-Autor Doctorow ist selbst das beste Beispiel dafür, wie gut man CC-Lizenzen für das Marketing aktueller Literatur einsetzen kann: die Print-Ausgaben seiner cc-lizensierten Romane verkaufen sich hervorragend. Die Macher von Unglue-it rechnen selbst nicht damit, vom Start weg gleich prominente Autoren bzw. Rechteinhaber von Blockbustern ins Boot holen zu können: “We’re expecting to start out with small and less valuable works,” so der Gründer Eric Hellman gegenüber dem Branchenportal PaidContent. “Rights holders are hesitant to offer things without seeing the model succeed for other works, and so we’ll have to build up some successes first.”

(via PaidContent.org & Unglue.it)

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