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iBooks Author erntet Kritik: Greift Apple nach totaler Content-Kontrolle?

23 Jan 2012 Ansgar Warner 0 Kommentare

Kaum war Apples neues Self-Publishing-Tool namens iBooks Author gestartet, da hagelte es auch schon harsche Kritik: die neue App sei nicht vollständig epub-konform, sie laufe nur mit dem neuesten Apple-Betriebssystem Lion, und vor allem würden die Autoren bei den Verwertungsrechten über den Tisch gezogen. Denn iBooks Author mag zwar kostenlos sein, doch die Nutzung hat trotzdem ihren Preis. Autoren binden sich automatisch an Apple als ausschließlichen Vertragspartner, das Unternehmen kann sogar entscheiden, ob ein E-Book überhaupt veröffentlich wird. Beobachter sprechen bereits von der „dunklen Seite von Apples Schulbuch-Utopia“ (venturebeat.com) oder schlicht von „Apple at its worst“ (daringfireball.net). Am deutlichsten wurde Sascha Pallenberg von Netbooknews: Die „ehemalige IT-Blumenkinder-Kommune“ sei zu einem „Moloch“ herangewachsen ist, der nur ein Ziel verfolge: „Totale Kontrolle“. Es gibt jedoch auch Gegenstimmen. „Apple’s iBooks Author ist nur ein Angebot“, schreibt etwa CultOfMac. „Nimm es oder lass’ es. Niemand wird gezwungen.“

Exklusivität: Apple als Gatekeeper

Im Zentrum der Kritik stehen zwei Passagen in der Endnutzer-Lizenzvereinbarung (EULA) für iBooks Author. Zum einen heißt es dort: „Wenn das Werk gegen eine Gebühr ausgeliefert wird, darf es nur über Apple vertrieben werden.“ („If your Work is provided for a fee (…) you may only distribute the Work through Apple“). Möglich ist nämlich auch der Export eines E-Books im PDF-Format. Die vollständige, multimedial erweiterte Version kann zur Zeit aus technischen Gründen ohnehin nur über den iBookStore verkauft werden. Denn die eingesetzten Effekte funktionieren nur innerhalb der E-Reader-App iBooks2, die auf iPads bzw. iPhones läuft. Der Verkauf eines medial abgespeckten E-Books wäre aber theoretisch auch anderswo möglich. Ähnlich wie Amazon möchte Apple aber offenbar in Zukunft eine Gatekeeper-Funktion im E-Book-Business ausüben.

Haftungsausschluss: Apple als Zensor

Dazu passt eine weitere Regelung, die besondere Empörung auslöst. Denn Apple entscheidet auch, ob ein enhanced-E-Book, das mit iBooks Author hergestellt wurde, überhaupt im iBookStore verkauft werden darf. Die EULA enthält dazu einen allgemeinen Haftungssausschluss mit dem Zusatz: „einschließlich der uneingeschränkten Tatsache, dass Ihr Werk nicht für den Vertrieb über Apple ausgewählt werden kann“ („including without limitation the fact that your Work may not be selected for distribution by Apple“). Mit anderen Worten: man hat absolut kein Recht auf die Veröffentlichung. Einerseits ermöglicht solch ein Passus eine Art formaler Qualitätskontrolle, wie man sie bereits vom App-Store kennt. Zugleich tritt Apple dabei aber auch erneut als inhaltlicher Zensor auf. Denn die Ablehnung von Inhalten geschieht ohne Begründung – man hat nicht einmal ein Recht darauf, irgendwelche Gründe zu erfahren („for any reason and in its [=Apple's] sole discretion“).

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