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Wenn die Braut den Bräutigam klaut: Holly Birglund, Last Minute Man [Leseprobe]

28 Dez 2017

intro-last-minute-manSchlimmer geht’s nimmer? Von wegen: Gerade hat Radiomoderatorin Mia Roberts ganz New York ihre bevorstehende Hochzeit live on the air verkündet. Nur wenige Stunden später erfährt sie, dass ihr Verlobter ein Kind bekommt – mit einer anderen Frau. Als wäre das nicht schon genug, wird diese Botschaft auch noch von Chris überbracht, dem besten Freund des vermeintlichen Gatten in Spe. Dabei ist gegenseitige Abneigung das Einzige, was die chaotische Moderatorin und diesen zynischen Womanizer verbindet. Mia wird klar: ein neuer Bräutigam muss her, will sie nicht zum Gespött der ganzen Stadt werden. Doch woher nehmen, wenn nicht … in letzter Minute stehlen? Nicht umsonst heißt Holly Birglunds neuer Roman „Last Minute Man“: Kurzentschlossen wird Chris samt seinem Angeber-Porsche von Mia „gekidnapt“. Eine abenteuerliche Reise auf den Spuren ihrer Vergangenheit beginnt – und mir nichts dir nichts steht Mia vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens. Unsere Leseprobe führt direkt ins erste Kapitel…


Holly Birglund: Last Minute Man

Prolog


22. August, 19.37 Uhr, Sonnenuntergang,
Aktionärs-Versammlung der Construction Enterprises Corporation,
Sky-Lounge, 69. Stock, Hillside-Tower, Manhattan

„Mia, lassen die Türsteher denn heute jeden hier rein? Was ist bloß aus der guten, alten Gesichtskontrolle geworden?“
Ich fuhr herum, als ich die spöttische Männerstimme in meinem Rücken hörte. Dabei schwappte mein Glas über und unter meinem schockierten Blick verteilte sich die Hälfte des überteuerten Champagners auf meinem neuen Cocktailkleid, für das ich gestern drei verschiedene Kreditkarten belastet hatte. Gleichzeitig spürte ich, dass sich durch die ruckartige Bewegung meine komplizierte Hochsteckfrisur selbständig gemacht hatte.
„Chris“, brachte ich hervor und versuchte mit meiner freien Hand, die nun unnütze Spange zu befreien, die sich in meinen Haaren verheddert hatte.
„Mit was für einer Taube hast du denn gekämpft?“ Chris betrachtete erst meine zerstörte Frisur, dann den Himmel über uns. „Das arme Tier hat bestimmt den Schock seines Lebens.“
Ich stellte mein Glas auf einem der hohen Tische ab und wollte die Haarspange in meiner Handtasche verstauen, doch dabei drehte sich das Täschchen versehentlich um und der Inhalt verteilte sich auf den golden schimmernden Bodenfliesen. Ich hockte mich hin, um unter Chris feixenden Blicken meine Geldbörse, mein Handy, zwei Bonbons, eine Tüte Lakritz-Schnecken, ein U-Bahn-Ticket und eine Hello Kitty-Haarbürste zusammenzuklauben.
Es war wie verhext. Eben war ich noch die Eleganz in Person gewesen – ganz die coole New Yorkerin. Aber sobald Chris Jaspers auf der Bildfläche erschien, verwandelte ich mich jedes Mal in die dumme, kleine Praktikantin aus der Provinz, die mit dreißig Jahren immer noch keinen richtigen Job gefunden hatte. „Wo ist denn deine Eskorte?“, fragte ich bissig, um von meiner Ungeschicklichkeit abzulenken.
Chris hob fragend die Augenbraue. „Meine was?“
„Die Blondinen, die du sonst immer im Schlepptau hast, damit jemand über deine schlechten Witze lacht“, erklärte ich mit zuckersüßer Stimme.
„Die stehen da hinten und warten auf mich“, gab er zurück und winkte Richtung Bar. Zu meinem Entsetzen erwiderten gleich zwei Blondinen sein Winken. Bah!
Ich musterte Chris unauffällig. Er sah schon wieder so nervig gut aus, dass ich noch wütender wurde. Perfekt symmetrische Gesichtszüge, leicht zerzauste, dunkle Haare und nicht zu vergessen das stylisch unrasierte Kinn. Unter seinem Designeranzug trug er nur ein weißes Shirt, obwohl das hier ein offizielles Businessevent war. Er war ja so rebellisch.
Sein zufriedenes Lachen holte mich in die Gegenwart zurück und ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden. „Brauchst du vielleicht ein Foto von mir?“, erkundigte er sich. „Damit du mich jederzeit anhimmeln kannst?“
Ich unterdrückte ein wütendes Schnauben. „Musst du nicht langsam mal weiter und dich bei irgendwelchen wichtigen Leuten einschleimen?“
„Mache ich doch gerade.“ Er ließ sich einfach nicht aus der Ruhe bringen. „Wer könnte wichtiger sein als die Freundin meines besten Freundes?“ Sein Grinsen wurde breiter. „Du siehst aus, als könntest du bei so einem formellen Anlass jede Unterstützung brauchen, die du bekommen kannst.“
So ein verdammter Mistkerl! Jetzt fühlte ich mich endgültig fehl am Platz. Dabei war ich heute Abend mit voller Berechtigung hier – schließlich war ich die Freundin von Scott Silverman, CEO von Construction Enterprises. Als Geschäftsführer war er der Gastgeber des Events, das die Firma veranstaltete, um sich im Glanze ihres Erfolges zu sonnen.
Chris musterte abschätzig mein neues Kleid. „Du siehst heute Abend übrigens…“, er tat, als müsse er nach den passenden Worten suchen, „… interessant aus.“
Ich kniff genervt die Augen zusammen, sagte aber nichts. Wozu auch? Er würde mir ja doch nur jedes Wort im Mund herumdrehen. Hilfesuchend blickte ich mich nach meinem Freund Scott um, aber er war gerade in ein Gespräch mit einem älteren Anzugträger vertieft. Chris dagegen schien neben mir festgewachsen zu sein.
Ich wischte unauffällig an den Champagnerflecken herum und atmete tief durch. Bis jetzt war der Abend doch absolut perfekt gewesen. Es war das erste Mal, dass ich in der berühmten Sky Lounge war – einer exklusiven Dachterrassen-Bar mitten in Manhattan. Der Ausblick war spektakulär: der spätsommerliche Sonnenuntergang über den Dächern von New York, das Ganze unter freiem Himmel in schwindelerregender Höhe – so etwas hatte ich bis jetzt noch nie erlebt. Und das würde ich mir von Chris Jaspers blöden Kommentaren auch nicht kaputt machen lassen.
Gelassenheit, ermahnte ich mich streng.
Das hatte ich mir als Mantra verordnet, wenn Chris in meine Nähe kam. Er hatte es sich nun mal zum Ziel gesetzt, mich zu beleidigen und meine Beziehung zu seinem Freund Scott zu sabotieren – weiß der Teufel, warum. An besseren Tagen dachte ich, es ginge ihm dabei um eine grundsätzliche Abneigung gegen Liebesaffären, die länger als eine Nacht dauerten. An Tagen, an denen ich am Vorabend eine Pizza und einen Becher Strawberry Cheesecake-Eiscreme verputzt und einen Blick auf mein Bankkonto geworfen hatte, sah ich die Dinge leider klarer: es war ziemlich deutlich, dass Chris mich für unwürdig hielt, in ihre elitäre Upper-West-Side-Clique aufgenommen zu werden.

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Autorin & Copyright: Holly Birglund

Last Minute Man_cover
Holly Birglund, Last Minute Man
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