Hemingwrite: „Kindle-Schreibmaschine“ kombiniert E-Ink-Display & mechanische Tastatur

Tipp, tipp, tipp, Bing! Steinbeck schwörte auf die Hermes Baby, Orwell liebte die Remington Home, Hemingway hatte im Regal immer seine Royal Quiet De Luxe griffbereit. Besonders leicht waren all diese „portablen“ Schreibmaschinen nicht, eins aber hatten sie den Laptops, Netbooks und Tablets unserer Tage voraus: sie waren als Mono-Funktionsgeräte absolut ablenkungsfrei. Man konnte weder Angry Birds mit ihnen spielen noch E-Mails oder den Facebook-Status checken.

Retro-Look à la Speicherschreibmaschine

Adam Leeb und Patrick Paul möchten mit ihrer Konzeptstudie „Hemingwrite“ nun an diese Tradition anknüpfen – gemeinsam haben der Designer und der Software-Entwickler einen Schreibcomputer entworfen, dessen Retro-Optik stark an die mit Display ausgestatteten Speicherschreibmaschinen der frühen Neunziger Jahre erinnert. Als Display dient in diesem Fall allerdings ein 6-Zoll-E-Ink-Bildschirm im Querformat, fast so, als hätte man statt Papier ein Kindle in die Schreibmaschine eingespannt.

Die wichtigsten Funktionen lassen sich mit großen Schalthebeln einstellen. Beim Keyboard setzen Leeb und Paul auf großzügig bemessene, klassische Tastenmodule aus dem Hause Cherry mit fühlbarer Kontaktrückmeldung. Der solchermaßen eingetippte Text landet entweder auf dem integrierten Speicher, läßt sich aber auch via WiFi-Schnittstelle auch direkt bei Google Docs oder Evernote zwischenparken. Das Chassis besteht aus einer Aluminium-Gußform und hat ganz traditionell auch einen ausklappbaren Tragegriff.

Probates Mittel gegen Schreibblockaden?

Wer möche, kann das 1,8 Kilogramm schwere Gadget dank sechs Wochen Akkupower auch à la Thoreau mit in die einsame Waldhütte nehmen, um dort in Ruhe ein Buch zu schreiben oder eine längere Reportage zu Papier zu bringen. Okay, zu elektronischem Paper, nicht zu Papier – was dem Konzept im Vergleich zu Klassikern wie der Brother LW-20 (meine persönliche Fallback-Lösung für Schreibkrisen) fehlt, sind Typenrad, Farbband und Walze. Dafür kann man die Texte auf der LW-20 nur auf 3,5-Zoll-Disketten speichern, auch nicht wirklich komfortabel.

Zielgruppe des konzentrationsfördernden Schreibcomputers von Leeb und Paul sind neben etablierten Edelfedern die „neuen“ Autoren des Internetzeitalters, etwa Blogger und Self-Publisher, die aber ebenfalls oft mit Schreibblockaden zu kämpfen haben: „The maturation of blogging and the ability to self-publish with greater ease than ever before has put writing on the minds of many non-writers. More and more people are discovering that writing is the outlet they have been looking for but can’t seem to find the way to get words on the page“.

Vom Prototypen zum fertigen Produkt

Die ersten Schritte von der Konzeptstudie zum Produkt hat „Hemingwrite“ schon hinter sich – das Medienecho (The Verge, Cult of Mac, Gizmodo) war groß, ein Prototyp war kürzlich auf der Engagdget Expand NY Conference zu sehen, die Seite hemingwrite.com hatte innerhalb von 2 Wochen mehr als 50.000 Besucher. „At this point, both Patrick and I are convinced that there is a market for the Hemingwrite“, heißt es auf dem Projektblog. Nächste Station: Kickstarter?

(via t3n.com)

Abb.: hemingwrite.com

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „Hemingwrite: „Kindle-Schreibmaschine“ kombiniert E-Ink-Display & mechanische Tastatur“

  1. Oh, das ist aber wirklich nur ein Spielzeug für Retro-Begeisterte, die ein Faible für die alten Designs und Apparate haben – genau wie neulich dieses Smartphone als unhandlicher Hundeknochen wie in den Achtziger Jahren. Ich habe als Kind auch noch auf einer alten Schreibmaschine rumgehackt, später hatte ich dann eine schicke Elektrische von Brother, die sogar noch funktionieren dürfte, aber wegen PC und Labtop nicht mehr gebraucht wird. Naja, die Hemingwrite wird kein Produkt für die Massen werden. Aber einen Vorteil hat sie gegenüber allen nicht-digitalen Schreibmaschinen: Man muss sich nicht mit Farbbändern und Tippex rumquälen.
    Grüße
    Abel

    1. Naja, es geht doch nichts über ein ratterndes Typenrad, das eine Seite komplett auf’s Papier hackt, während man zuschaut… Fand ich immer das Beste an der Brother LW-20 ;-)

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