Hauruck-Murakami-Methode: Exklusiv-Deals zwischen Buchhandels-Ketten & Verlagen als Anti-Amazon-Strategie?

murakami-exklusiv-dealBei Exklusiv-Deals denkt man mittlerweile sofort an E-Books und an Amazon. In Japan, einem von Amazons wichtigsten Auslandsmärkten, läuft es aber ganz anders: bereits vor ein paar Wochen machte die Buchhandels-Kette Kinokuniya Schlagzeilen mit einem gigantischen Hamsterkauf – das Unternehmen sicherte sich 90.000 Exemplare, und somit 90 Prozent der ersten Auflage von „Novelist as a Vocation“, dem neuen Buch von Bestseller-Autor Haruki Murakami.

Nur 5 Prozent der Erstauflage an Amazon

„Für stationäre Buchhandlungen wird es immer schwieriger, an Exemplare von erstklassigen Neuerscheinungen zu kommen. Um gegen die Online-Konkurrenz etwas ausrichten zu können, müssen die Buchhändler hierzulande an einem Strang ziehen, um die traditionellen Distributionskanäle wieder zu stärken“, erklärte Ende August ein Sprecher der Kette gegenüber der japanischen Tageszeitung Asahi Shimbun. Amazon ging dabei zwar nicht leer aus, musste sich aber dem Vernehmen nach mit 5.000 Exemplaren der Startauflage begnügen.

„Kalkuliertes Risiko als Business-Strategie“

Schon damals sprach man bei Kinokuniya nicht von einem Experiment: das kalkulierte Risiko solcher Großkäufe sei zukünftig Teil der Business-Strategie. Potential scheint es zu geben. Nach dem Deal mit Murakamis Hausverlag Switch Publishing haben mittlerweile offenbar auch andere Publisher Interesse bekundet, ihre Top-Seller auf diesem Weg unter Umgehung von Online-Händlern wie Amazon direkt zu vermarkten. Um die Massenkäufe noch zu erleichtern, wurde eigens ein Joint-Venture mit anderen großen Buchhandelsketten gegründet.

Und was wollen die Leser?

Fragt sich natürlich, wie wirkungsvoll diese Strategie am Ende des Tages sein kann. Denn der ersten Print-Auflage kann natürlich auch eine zweite und eine dritte folgen, die ganz normal in den Vertrieb gelangt. Außerdem ist der E-Book-Verkauf nicht betroffen, in diesem Bereich bleibt Amazon in Japan eine mächtige Plattform. Nicht zuletzt gehen solche Exklusiv-deals natürlich immer zu Lasten der Leser, denen bestimmte Bezugskanäle versperrt bleiben – wohl auch ein Grund dafür, dass es von Murakami kein offizielles (Pro-)Statement zu dieser Aktion gibt.

(via The Digital Reader)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".