[e-comic-review] Hasta la vista auf dem iPod Touch: Terminator als E-Comic


Von wegen „Sand in the Gears“. Der Untertitel des neuen Terminator--E-Comics von IDW trifft zwar die Fiktion, aber nicht die Realität. Das Prequel zum Kinofilm Terminator IV beweist schließlich, wie gut geschmiert das Getriebe der Kulturindustrie läuft. Die Verwertungskette umfasst die Welt von Playstation & Blockbuster-Kino bis hin zum iPhone. Wer die Bildergeschichte auf iPhone oder iPod an sich vorbeiziehen lässt, merkt aber auch die medial bedingten Qualitätsunterschiede. Die Autoren Dara Naraghi (Storyline) und Alan Robinson (Zeichnungen) entwerfen Bilder einer post-apokalyptischen Welt, nicht ganz so aseptisch wie die computergenierten Landschaften des Films. Eher schon wie klassischer Cyber-Punk. Damit gewinnt die vierteilige Serie einiges an Eigenwert. Ohnehin ist die Handlung anders als im Film global angelegt.

Willkommen im post-apokalyptischen Szenario des E-Comics

Am Beginn von Terminator: Salvation Teil 1 zeigen einige „establishing shots“ die in Trümmern liegenden Metropolen der Welt im Jahr 2018. Über den Ruinen von Los Angeles, Peking, Sydney, Paris und dem indischen Agra kreisen die „Hunter Killer“-Fluggeräte der bösen Blechkameraden. „The films are always set in and around Los Angeles, and I wanted to show what was going on in the rest of the world,“ so Autorin Dara Naraghi. Auch wenn auf allen Kontinenten gekämpft wird, der Retter kommt natürlich aus den USA. Serienheld John Connor meldet sich aus L.A. per Funkspruch: „To anyone out here receiving this transmission, I want you to know we CAN beat the machines“. Der „Widerstand“ will mit der Operation „Sand ins Getriebe“ die Logistik der Maschinenwelt treffen. Zu den zentralen Zielen gehört eine ehemalige Autofabrik in Detroit, wo die Terminator-Maschinen hergestellt werden. Michael Moores Forderung, in Detroit besser Solarzellen und Windräder herzustellen, scheinen also in der fiktiven Zukunft leider nicht erhört worden zu sein. Ganz im Gegenteil. Ein weiteres Ziel der Rebellen ist eine Uranmine in Afrika. Die Maschinenwesen beziehen ihre Energie nämlich aus Kernbrennstoffen. Nicht sehr nachhaltig, aber wir befinden uns ja ohnehin in einem postpokalyptischen Szenario.

Guerilla gegen Supermacht: das Szenario des iPhone-Terminators ist äußerst aktuell

Wer sich auf die Suche nach dem Zeitgeist macht, wird nicht lange suchen müssen: eine technisch hochgerüstete Supermacht kämpft in zerstörten Stadtlandschaften gegen eine zu allem entschlossene Guerilla. Wer möchte da nicht an die „asymmetrischen“ Konflikte der Gegenwart denken, etwa die Erfahrungen der USA als Besatzungsmacht im Irak? Populäre Genres eignen sich wie immer sehr gut für Projektionen aller Art, und das Verdrängte kehrt gerne auch mal mit vertauschten Rollen zurück. Man könnte sich lediglich fragen, wie es der Terminator-Stoff geschafft hat, die Neunziger Jahre, also die Zeit unmittelbar nach dem Ende des Kalten Krieges zu überleben. Seit Nine Eleven sind apokalyptische Szenarien aber zweifelsohne wieder aktuell. Seit der Wirtschaftskrise umso mehr. So kann es nicht überraschen, dass der Terminator-Stoff inzwischen sogar als Fernsehserie wiedergekehrt ist: die erste Staffel der „Sarah Connor Chronicles“ lief Anfang 2009 sogar im deutschen Free-TV.

Wie bei Star Trek dient der E-Comic als Marketing-Verstärker

terminator-als-e-comic-auf-dem-ipodWarum also nicht auch als Comic? Terminator-Stories als bunte Bildergeschichten gab es schon seit Ende der 80er Jahre. Die aktuellen E-Comics im App Store wurden vom Verlag IDW parallel zum Filmstart in den USA Mitte Mai herausgebracht. Die Marketing-Strategie ist klar: ähnlich wie bei Star Trek: Countdown soll mit einem gezeichneten Prequel zusätzliche Promotion betrieben werden. Auch bei Spock&Co. nutzte man bereits die die Möglichkeiten des digitalen Marketings: die erste Folge des Star Trek-Comics gibt es im App Store als Appetizer sogar gratis. Diesmal gibt’s zwar nichts umsonst, aber 79 Cent pro Folge sind natürlich ein guter Einstiegspreis. Das gesamte Terminator-Comic-Paket gibt es für 2,99. Dafür ist dann auch der fünfte Teil dabei: die gezeichnete Version der ersten Filmszenen. Wie erfolgreich die Strategie Kino-Blockbuster plus Comic-Prequel ist, zeigt ein Blick auf die Bestseller-Liste der New York Times: dort rangieren die Sprechblasen-Versionen von Star Trek und Terminator seit mehreren Wochen auf prominenten Plätzen. Wo wir gerade bei Erfolgsgeschichten sind: nicht vergessen darf natürlich das Terminator-Videospiel für iPhone und iPod Touch, dass sich nach Angaben des Herstellers Gameloft ebenfalls sehr gut verkauft.

Die Terminator-App kommt mit einem aufwendigen Menü

Comics lesen auf dem iPod Touch ist komfortabel. Mit dem Daumen lassen sich die einzelnen Panels vorwärts oder rückwärts schieben. Wer es ganz lässig mag, kann auch per „Wrist Flip“ weiterblättern: schüttelt man den iPod einmal kurz mit dem Handgelenk zur Seite, blättert das Display weiter. Die Gestaltung ist übrigens insgesamt aufwändiger als bei bisherigen E-Comics: es gibt nicht nur eine normale Titelseite, sondern ein richtiges Startmenü. Von dort aus gelangt der Leser u.a. auf eine Inhaltsübersicht, die jeweils sämtliche Panels einer Seite zeigt, wie sie in der Papierversion aussehen würde. Ein weiterer Menüpunkt öffnet via Internet-Verbindung den Video-Trailer zum Film Terminator IV. Die sogenannte „Terminator-Collection“ zeigt eine Übersicht der verfügbaren Folgen. Klickt man auf den „Buy App“-Button, wird man zum Kauf auf eine externe Webseite weitergeleitet. Alles sehr komfortabel, alles vollautomatisch, doch zumindest ein Trost bleibt ja: das Geld wandert in die Taschen von Steve Jobs, und der ist (noch) ein Mensch. Hasta la Vista, Baby!

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".