Harry Potter als E-Book: Steht dem elektronischen Buchhandel eine Revolution bevor?

potter-harry-e-bookAlle sieben Harry-Potter-Romane als E-Book – das wäre wahrlich ein magischer Moment für das Elektronische Lesen. Ein Artikel in der schottischen Tageszeitung „The Scotsman“ gab nun der Hoffnung neue Nahrung, J K Rowlings Fantasy-Serie um die Zauberschüler Harry, Ron und Hermione könnte bald auch auf die Displays von Kindle & Co. kommen. Rowlings Literaturagent habe bestätigt, die Autorin würde nun aktiv die Planung einer E-Book-Ausgabe erwägen. („confirmed that the author was now actively considering plans for e-book versions“).

Verkaufte Printauflage: 400 Millionen plus

Bereits die Printausgaben der sieben Bände haben sich als Megaseller erwiesen – weltweit wurden sie mehr als 400 Millionen mal verkauft. Sehr erfolgreich bei den Potter-Fans sind zugleich auch die Hörbuchversionen. Ökonomisch besonders angefeuert wurde die 1997 mit „Harry Potter und der Stein der Weisen“ gestarteten Serie aber vor allem durch die sukzessive Verfilmung. Im Juli 2011 kommt nun endlich das große Finale in die Kinos – genauer gesagt der zweite Teil der Film-Version von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Verkaufsstrategisch wäre es also passend, parallel dazu oder in der Zeit danach mit dem Start der E-Book-Serie zu beginnen. Liz Thomsen vom britischen Branchenportal BookBrunch schätzt den Wert der E-Book-Rechte an Harry Potter auf mehr als 100 Millionen Euro. Nicht zu unterschätzen wären auch die Auswirkungen auf den Buchhandel insgesamt: „Experten glauben, das dieser Schritt den elektronischen Buchhandel revolutionieren und zu Rekordabsätzen von E-Readern wie Kindle oder iPad führen könnte.“

Hat sich J K Rowlings Meinung zu E-Books geändert?

In ähnlicher Weise hatte Harry Potter ja schon dem krisengeschüttelten Papierbuchhandel unter die Arme gegriffen. Natürlich könnte Harry Potter als E-Book auch den Servern der Filesharing-Dienste neue Traffic-Rekorde bescheren. Schon jetzt kursieren dort zahlreiche illegale Versionen eingescannter Potter-Ware. Doch was auch immer die Motive für die bisherige Publikationspolitik sind – eins verspürt J K Rowling in der Digitalisierungs-Frage auf jeden Fall nicht: Zeitdruck. Ihr Vermögen wird schon jetzt auf mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Wenn man genau hinschaut, hat sich die offizielle Position in punkto E-Books ohnehin kaum verändert. Denn schon Anfang 2010 ließ J K Rowlings Literaturagent verlauten, man würde im Moment “alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die sich auf diesem Gebiet entwickeln” und sei “aktiv auf der Suche” nach geeigneten elektronischen Formaten. Mehr als die Suche nach einer geeigneten E-Book-Strategie wird ja auch in den aktuellen Äußerungen nicht bestätigt. Auf weitere Neuigkeiten im Sommer (oder vielleicht im Vorfeld des Weihnachtsgeschäfts) darf man aber wohl trotzdem gespannt sein.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".