„Handelsspanne: dünn bis nicht-existent“: Blick hinter die Kulissen von Amazon Prime

amazon-prime-dayNicht nur Amazon.com selbst feiert einen runden Geburtstag: auch Amazon Prime nullt – das Premium-Programm gibt’s nämlich auch schon seit 2005, also seit zehn Jahren. Forbes hat das zum Anlass genommen, am heutigen „Amazon Prime Day“ mal ein wenig hinter die Kulissen der anfangs oft belächelten Kundenbindungs-Strategie zu schauen, für die sich Amazon kräftig in Unkosten stürzt.

Jeder dritte Online-Käufer in den USA bei Prime

Amazon Prime soll das Unternehmen dem erklärten Ziel näherbringen, die Nummer eins im globalen E-Commerce zu werden. Auf dem Weg zum „world’s biggest everything store“ist eine treu ergebene Kundschaft unverzichtbar: „Amazon weiß, dass Premium-Kunden loyaler sind, mehr Geld auf der Plattform ausgeben und auch eine größere Bandbreite von Produkten kaufen“ , zitiert Forbes den Analysten Mark Mahaney.

Wie erfolgreich Amazon Prime bisher war, verrät das Unternehmen allerdings nicht so genau. „Tens of Millions“ betrage die Mitgliederzahl, behauptet Amazon-Gründer und CEO Jeff Bezos. Forbes gegenüber schätzt Mahaney, dass weltweit 50 bis 70 Millionen Prime-Kunden existieren, die kostenlosen Probe-Mitgliedschaften mit eingerechnet. Bei Forrester Research glaubt man dagegen: mehr als 25 Millionen Prime-Kunden konnte Amazon bisher nicht gewinnen. Etwa 30 Prozent der Online-Käufer in den USA seien bei Prime angemeldet (manche Konsumenten sind übrigens auch aus Überzeugung gerade NICHT dabei…).

Wer hat auf Dauer den längsten Atem?

Die Handelsspanne, so Forbes, sei „dünn bis nicht existierend“. Alleine der kostenlose Express-Versand an US-Kundenadressen koste Amazon ein bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr extra, von den Kosten für das Gratis-Videostreaming und ähnlichen Bonus-Leistungen mal ganz abgesehen. Allerdings habe Prime die Konsum-Kultur in den USA ingesamt verändert. Einer Schätzung von ComScore zufolge würden mittlerweile zwei Drittel aller Online-Einkäufe in den USA versandkostenfrei geliefert: um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Konkurrenten also auch Geld aus dem Fenster werfen.

Manche von ihnen wie Walmart oder Target haben auf den Prime-Day zudem mit ganz ähnlichen Parallelaktionen geantwortet. Genau wie Amazon werden sie bei dieser Rabattschlacht am Ende kräftig draufzahlen – doch darum geht es natürlich nicht. Denn beim großen Spiel, das hier gespielt wird, geht es darum, wer auf Dauer den längeren Atem hat. Und alle scheinen schon jetzt zu ahnen: Es kann nur einen geben…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".