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Hallo Arschloch, hallo Schatz: Seelen-Leaks, oder: Die Deutschen & ihre Passwörter

sicheres-passwort„Schreiben Sie auch?“ — Diese Frage können zumindest alle online-affinen Deutschen getrost bejahen, schließlich hacken sie täglich Passwörter in ihre analogen oder virtuellen Keyboards, um Zugang zu PCs oder Smartphones, zum Web-Mailportal oder ihren Social Media-Profilen zu erhalten. Damit die Sesam-öffne-dichs sicher sind, sollten sie möglichst kreativ sein, und idealerweise auch Zahlen und Sonderzeichen enthalten. Gut merken können muss man sie sich natürlich auch. Eine Chance für so eine Art spontanistische Krypto-Poesie des Alltags? Leider weit gefehlt.

Einblicke in das triste Seelenleben der Nation

Denn falls die vom Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik jetzt veröffentlichte Liste der häufigsten Passwörter deutscher User einen Blick in das Seelenleben der Nation darstellen, muss man ganz einfach sagen: da ist nicht viel los. „Hallo“ auf Platz Eins. Hallo!? „Passwort“ auf Platz zwei. Immerhin eine gewisse ironische Selbstreferenz. Auf Tabellen-Platz vier finden wir vielleicht nicht ganz zufällig „Schalke 04“. Fussball isst unser Leben, mit dem Gehirn fängt’s an. Auf Platz sechs „qwertz“. Kein Scherz!? Warum nicht „jklö“!? Zu viele Linkshänder? Bedenklich fast schon: „Arschloch“ erreicht Platz sieben, „Schatz“ nur Platz acht. Richtig zur Sache geht’s dann auf Platz zehn: „Ficken“.

Die Top Ten der deutschen Passwörter (laut HPI-Studie)

1. hallo
2. passwort
3. hallo123
4. schalke04
5. passwort1
6. qwertz
7. arschloch
8. schatz
9. hallo1
10. arschloch

…und leider ziemlich repräsentativ

Die Daten stammen aus 31 im Internet veröffentlichten Datenleaks unterschiedlichster Bereiche, insgesamt werteten die Potsdamer Forscher Passwörter von rund 30 Millionen deutschen Nutzerkonten aus. Dabei stellte sich zudem heraus: jedes fünfte Passwort wird mehrfach genutzt, in leicht abgewandelter Form passiert das sogar noch öfter. Kein Wunder, das HPI-Direktor Christoph Meinel dazu aufruft: „Wer sein Passwort auf dieser Liste entdeckt, sollte es schnellstmöglich ändern.“ Er empfehle allen Internetnutzern, Passwörter nicht für mehrere Accounts zu nutzen, diese regelmäßig zu wechseln und sie möglichst generieren zu lassen.

„Du musst dein Passwort ändern.“

Ein Passwort-Generator hat den entscheidenden Vorteil: das Passwort ist seeehr sicher. „kihedicotigu“!? „hiniaixipeme“? „meaimanexaka“? Da braucht man zum Knacken locker 131 Jahrhunderte. Entscheidender Nachteil: solch ein alphanumerischer Zeichensalat ist schwer zu merken. Bevor man wieder rückfällig wird und „Hallo123“ nutzt, sollte man da lieber den Akronym-Trick einspannen. Dazu wird ein sinnvoller Satz als Ausgangspunkt gewählt, und auf Anfangsbuchstaben und Satzzeichen komprimiert. So wird zum Beispiel aus aus der Gedichtzeile: „Denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.“ die Abfolge: „DdikS,ddns.DmdLä.“ Oder aus dem Romanfang: „Es war ein strahlender, kalter Tag im April, und die Uhren schlugen Dreizehn.“ der kryptische String: „Ewes,kTiAudUsD.“ Geht doch…

Abb.: See-Ming Lee (cc-by-sa-3.0)

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".