HADOPI-Studie gibt zu: „Piraten sind die besten Kunden“

Eine verblüffende Erkenntnis zum Thema Internet-Piracy kommt ausgerechnet von der französischen Kontrollbehörde HADOPI: der Kampf gegen Filesharing ist nicht nur schlecht für das Geschäft, er trifft am Ende ausgerechnet die besten Kunden. Denn Heavy User sind gleichzeitig auch heavy shopper – knapp zwei Drittel derjenigen, die durchschnittlich 100 Euro und mehr pro Monat für digitale Güter ausgeben, tummeln sich erklärtermaßen auch auf Downloadforen.

Bei jenen, die zwischen 31 und 99 Euro monatlich online ausgeben, liegt die Rate der Filesharing-Nutzer immerhin noch bei 57 Prozent. Überwiegend legal verhalten sich lediglich Nutzer, die im Internet die Hand auf dem Portemonnaie halten, also wenig bis gar nichts kaufen. Nachzulesen ist diese Tatsache etwas versteckt in einer Studie mit dem Titel „Hadopi, Kulturgüter und Internetnutzung“ (Hadopi, biens culturels et usages d’internet), für die das Verhalten und die Selbsteinschätzung der französischen Internetnutzer empirisch untersucht wurde.

Nach der berüchtigten „Three Strikes“-Regel verschickt die HADOPI-Behörde zuerst Warnungen an überführte Filesharer, am Ende droht die Netzsperre. Zu den Hauptargumenten für den rigiden Kurs gegen Urheberrechtsverletzungen gehörten bisher die damit in Verbindung gebrachten Einnahmeverluste der Musik- und Filmindustrie. Nach und nach scheint sich diese Politik aber selbst zu zerlegen. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass die HADOPI mit automatischen Meldungen wegen Copyright-Vergehen regelrecht überschwemmt wird: 18 Millionen solcher Fälle führten in kurzer Zeit zu fast 500.000 ersten Verwarnungen an französische „Internautes“.

Alleine schon aus technischen Gründen scheint sich die zweite Stufe der Sanktionen zu verlangsamen. Insgesamt könnten von den HADOPI-Maßnahmen bis zu einem Drittel aller Netznutzer in Frankreich betroffen sein, wie vergleichbare Zahlen der GfK für den E-Book-Sektor zeigen (siehe den E-Book-News-Artikel „Jeder dritte Franzose ist ein E-Book-Pirat“). Die HADOPI-Studie zum Nutzerverhalten zeigt nun auch die ökonomische Absurdität des eigenen Vorgehens. Die oben genannten Heavy User mit Online-Ausgaben von mindesten 31 Euro pro Monat machen satte 25 Prozent der gesamten Kundschaft aus, und dürften damit den Löwenanteil der Umsätze generieren. Ausgerechnet die will man nun also vergraulen? Ein tragbares Geschäftsmodell sieht da doch wohl etwas anders aus.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".