Hackerbrause für die Buchbranche: AKEP13 denkt Verlage als Startups

„Arbeitskreis elektronisches Publizieren“, das klingt immer noch ein bisschen so, als wäre der digitale Wandel ein obskures Problem aus der fernen Zukunft, dem der Börsenverein des deutschen Buchhandels kaum Aufmerksamkeit schenkt. Doch die 13. AKEP-Jahrestagung in Berlin beweist etwas anderes – es gibt in der Branche genügend Leute, die das System Buchhandel hacken wollen, und zwar am besten sofort. Nicht umsonst lautet das diesjährige Motto „Dinge anders denken – Verlage als Startups“, und Startups, das machte Mit-Moderator Leander Wattig zum AKEP13-Auftakt gleich mal klar, sollte man als „Suchmaschinen für neue Geschäftsmodelle“ verstehen.

Brause 2.0: „Reingehen, anschauen, ändern“

So beschäftigt man sich im bcc am Alexanderplatz zwar vordergründig mit trendigen Begriffen wie „Gamification“, „Discoverability“ oder „Usability“. Und twittert den Zwischenstand – motiviert durch Moderatorin und Social-Media-Guru Wibke Ladwig – eifrig unter dem hashtag #akep13 ins Web. Doch dahinter steht vor allem eine Frage: wie zum Kuckuck hackt man das 500 Jahre alte Betriebssystem der Gutenberg-Galaxis? Folgt man Gastreferent Uwe Lübbermann von PremiumCola, geht das ganz einfach: „Reingehen, anschauen wie’s funktioniert, ändern“. Ideale Voraussetzung sei dabei, so der Referent gegenüber dem verblüfften Publikum des bcc-Kuppelsaals, dass man von der Branche möglichst wenig Ahnung hat. Der Hamburger Lübbermann hat auf diese Weise „aus Versehen eine Colamarke gegründet“. Und das nicht als klassischer Startup-Entrepreneur, sondern als Moderator eines auf Konsensbasis organisierten Kollektivs aus Zulieferern, Kunden und Kneipenwirten – nicht gewinnorientiert, mit Anti-Mengenrabatt für Kleinabnehmer, und mündlichen Verträgen.

„Marken sind die Summe aller Gespräche über sie“

Für die Buchbranche perlte da ein doppelter Lerneffekt aus der Flasche. Auslöser für PremiumCola war nämlich die Änderung der klassischen Afri-Cola-Rezeptur Ende der 90er Jahre, die vom Hersteller vorab überhaupt nicht kommuniziert worden war. Viele Kunden reagierten verärgert, über das Internet organisierte sich Protest – am Ende kam dabei ein Konkurrenzprodukt nach Original-Rezept heraus. Lübbermann destillierte eine wichtige Erkenntnis heraus: Marken sind die Summe aller Gespräche, die über sie geführt werden. Diese Gespräche kann man nicht verhindern, und man sollte sie auch nicht einfach ignorieren. Denn im Webzeitalter können unzufriedene Kunden zur Not eine alternative Marke gründen. Das gilt nicht nur für Getränke: Vom Self-Brewing zum Self-Publishing ist es nicht weit, von unabhängigen „kleinen, geilen Verlagen“ mal ganz abgesehen…

„Gemeinnütziges Betriebssystem für Literaturbetrieb“

Bisher wird die Branche allerdings eher von transnationalen Großunternehmen wie Amazon gehackt. Es könnte jedoch auch ganz anders kommen. Lübbermann selbst fördert die Verbreitung seines alternativen „PremiumBetriebssystem“ (dessen Struktur unter cc-Lizenz steht) in möglichst viele Bereiche der Wirtschaft – und manche „Buchmacher“, wie etwa Volker Oppmann, scheinen schon einen kräftigen Schluck Hackerbrause zu sich genommen haben. Der Gründer des Onkel & Onkel-Verlags aus Berlin-Friedrichshain rührt auf der AKEP die Werbetrommel für das Projekt log.os – hinter diesem Namen verbirgt sich nichts anderes als ein „gemeinnütziges Betriebs-System für den Literaturbetrieb“. Es geht also nicht um das legendäre „deutsche iTunes für Bücher“, sondern um eine außerhalb des Kapitalmarkts angelegte Plattform, eine Art elektroliterarische Allmende.

AKEP13 als Suchmaschine für neue Geschäftsmodelle

Wird die Buchbranche nach dem Amazon-Schock nun also auch noch durch eine Grassroot-Revolution von unten revolutioniert? Gerade unabhängige Verlage wie auch Indie-Buchhändler sollten besser nicht darauf warten, dass die Crowd es für sie richtet, sondern die Gründung der log.os-Stiftung unterstützen und/oder sich so schnell wie möglich selbst hacken. Die AKEP13 gibt auch dafür eine Menge Denkanstöße – von der Kunst der Vernetzung im Social Web über Mobile App Publishing bis hin zur besseren Nutzung von Metadaten, um die Sichtbarkeit von Content für den Kunden zu verbessern. Für Hacker-Nachwuchs ist auf jeden Fall gesorgt: Als Suchmaschine für neue Geschäftsmodelle erzeugt die AKEP inzwischen soviel Traffic, das der große Kuppelsaal des bcc locker gefüllt werden kann.

Abb.: PremiumCola

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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