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Gutenbergs Rache? Kaum ein Bestseller in Deutschland als E-Book erhältlich

28 Mai 2009

E-Books sind in Deutschland in aller Munde. Doch wer einen Bestseller in digitaler Form lesen möchten, stellt oft fest: es gibt nur die Print-Version. Unter den Top Ten der Spiegel-Bestsellerliste Belletristik finden sich nur zwei Titel, die auch im epub-Format erhältlich sind: Bis(s) zum Ende der Nacht und Bis(s) zum Abendrot . Somit ist zwar der digitale Tinten-Durst der LeserInnen von Stephenie Meyers Vampir-Romanen gestillt. Doch wer Sarah Kuttners Mängelexemplar, Charlotte Roches Feuchtgebiete oder Judith Hermanns Erzählungsband Alice ganz spontan downloaden möchte, dem bleibt nur das Hörbuch. Denn praktisch jeden Bestseller-Roman gibt es nicht nur als CD, sondern auch online als MP3. Magere Ergebnisse in Sachen elektronischer Bücher dagegen auch bei der Focus-Sachbuchliste. Nur zwei Titel sind als E-Book erschienen: Wer bin ich, und wenn ja, wie viele? von Richard Precht sowie Außer Dienst von Altkanzler Helmut Schmidt. Woran liegts?

Verderben E-Books das Geschäft mit den Hardcover-Neuerscheinungen?

Ein Grund dürfte sein, dass manche Verlage offenbar noch mit der Konvertierung ihres Angebots Probleme haben. Denkbar ist jedoch auch ein anderes Motiv: man möchte sich bei Neuerscheinungen das Geschäft mit den relativ teuren Hardcover-Ausgaben nicht verderben. Doch lautet die Devise tatsächlich: Erst Hardcover, dann Taschenbuch und E-Book? Die Taschenbuch-Charts zeigen im Moment etwas ganz anderes: denn auch hier ist das Ergebnis äußerst mager. Außer Stephenie Meyer und Stieg Larsson („Verblendung“) ist aus der aktuellen Spiegel-Bestseller-Liste kein Roman für den E-Reader lieferbar. Bei den Sachbüchern ist die Print-Only-Quote sogar 100 Prozent.

Die Nation ist reif für das E-Book, zumindest ihre Leserinnen und Leser…

„Ist die Nation reif für diese Technik?“, fragte eine Rundfunkjournalistin des Deutschlandradios anlässlich der Leipziger Buchmesse. Für die Leser gilt sicherlich: ja. Doch für den Buchhandel? Vielleicht ist alles aber auch nur eine Frage der Zeit. Der Barsortimenter und Logistikdienstleister Libri versprach etwa im März dieses Jahres: „Zukünftig sollen Kunden bereits am Erscheinungstag eines Buches die Wahl haben: gedrucktes Exemplar oder eBook zum sofortigen Download.“ Bleibt zu hoffen, dass auch die Verlage erkennen: der parallele Start von Print und Digital kann die Nachfrage insgesamt deutlich fördern. Denn genau das zeigen die rasant steigenden Verkaufszahlen in Ländern wie Japan, England oder den USA, wo das elektronische Lesen sich längst etabliert hat.

PS: E-Book-News liefert einen aktuellen Überblick zur digitalen Quote der Spiegel- und Focus-Liste sowie zu den E-Book-Charts von Buch.de und Libri.