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Großdruck-on-Demand statt Display-Zoom? XL-Buch setzt auf Low-Vision-Sparte

15 Mai 2017 0 Kommentare

xl-books-on-demandMoment mal: aus E-Book-Dateien im epub-Format automatisiert ein Print-Layout erstellen, um daraus on demand dann Großdruck-Bücher für Leser mit Sehbehinderungen zu produzieren? Klingt auf den ersten Blick reichlich abseitig, was Markus Hartmann mit seinem Startup XL-Books da als Geschäftsidee vorschwebt. Schließlich ist doch der Schrift-Zoom und der hohe Kontrast gerade die Stärke von E-Reading-Apps auf Readern und Tablets. Außerdem gibts ja zur Lektüre von Print-Büchern zahlreiche Hilfstechniken – siehe z.B. das Angebot des Spezial-Herstellers Schweizer Optik, das von Low-Vision-Leuchten und smartphone-ähnlichen LED-Lupen bis zu kompletten Bildschirm-Lesegeräten reicht.

Lektüre ohne technische Hilfsmittel

Aber all das sind eben — Hilfsmittel. Denkt man noch mal darüber nach, hat Hartmann recht mit seiner nicht nur rhetorisch gemeinten Frage: „Warum sollen Senioren mit Makula-Degeneration nicht aktuelle Sachbücher lesen können, und sich dabei wichtige Stellen mit dem Bleistift unterstreichen? Oder Teenager mit Sehbehinderung Eselsohren in einen spannenden neuen Pageturner knicken?“

Verschiedene Zoomstufen im Angebot

Die per Print-On-Demand hergestellten Großdruckbücher von XL Books würden genau das möglich machen — zu einem Preis, der nur wenig über dem regulären Preis der „Kleindruck“-Version liegt. „Jeder soll lesen können wie er oder sie will“, sagt Hartmann, das sei „praktische Inklusion“. Dabei werden die Leser sich ihre „Zoomstufe“ auf Papier selbst aussuchen können. Los geht’s bei 15 Punkt-Schrift in leicht vergrößertem Buchformat, als nächstes folgt 20 Punkt und Din A4-Format.

Buchhandel & Verlage mit im Boot

Größte Zielgruppe sind natürlich die Senioren. 17 Millionen Menschen über 65 Jahre gebe es in Deutschland, rechnet Hartmann vor, davon litten 2 Millionen unter altersbedingter Makula-Degeneration. Zugleich seien Senioren besonders aktive Printbuch-Käufer und Verschenker. Das XXL-Geschäftsmodell will dabei alle klassischen Sektoren mit ins Boot holen, also Verlage, Buchhändler wie auch Bibliotheken — die ersten Reaktionen waren äußerst positiv. Sobald technische und rechtliche Fragen geklärt sind, sollen die ersten Titel verfügbar sein, möglicherweise schon zur Weihnachtssaison.

(via boersenblatt.net)

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