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Grenzenloses Lesevergnügen – von Kindle Unlimited bis Adobe Unlimited?

15 Okt 2014 0 Kommentare

„Grenzenloses Lesevergnügen“ war in der E-Book-Branche schon immer ein beliebter Claim. Mit „Kindle Unlimited“ – gestartet einen Tag vor Beginn der Frankfurter Buchmesse – führt Amazons Flatrate dieses Versprechen nun sogar direkt im Schilde. Ein weiterer Claim von Amazon weist zugleich auf die Grenzen des unbegrenzten hin: es gebe ein „großes Angebot an englischen Titeln“, hieß es zum Deutschland-Start des neuen Angebots einen Tag vor Beginn der Frankfurter Buchmesse. Nur etwa fünf Prozent der KU-Titel stammen nämlich bisher von deutschen Autoren, zumeist Self-Publishern (siehe – bzw. höre – das Interview, welches dradio Kultur kürzlich mit mir zum Thema geführt hat).

Was natürlich für Amazon-Kunden kein Hindernis bedeuten muss – denn im Kindle Store beherrschen Titel wie „Hinterwäldler zum Verlieben“, „Aprikosenküsse“ oder „Honigtot“ schon seit längerem die vorderen Ränge. Die Auguren der Gutenberg-Galaxis mögen das Startangebot von KU belächeln, doch man sollte nicht vergessen: anders als die bei klassischen Bestsellern besser aufgestellte Konkurrenz von Skoobe bis Readfy (letztere App startete ihren regulären Betrieb ebenfalls zur FBM14) braucht Amazon – ohnehin die am stärksten frequentierte Plattform – die großen Verlage gar nicht so dringend, um erfolgreich zu sein.

Doch auch aus Sicht der traditionellen Player öffnen sich die Grenzen: die Libri-Tochter Books On Demand beliefert nicht nur Skoobe mit elektronischen Self-Publishing-Titeln, sondern hat auch angekündigt, zukünftig gedruckte Bücher von Indie-Autoren in die Buchhandlungen zu bringen. Nun muss man muss eigentlich gar nicht so genial sein, um lokal zu denken, immerhin macht die Buchbranche rein rechnerisch noch mehr als 90 Prozent ihrer Umsätze mit Lesestoff aus Papier. Aber es fehlte bisher offenbar an Konzepten, um das stofflose Netz der Netze stärker mit dem physischen Faserland zu verweben.

Libri ist da vielleicht nicht zufällig auch noch an anderer Stelle mit im Boot – über die neue Plattform genial.lokal sollen Kunden direkt zu ihrem Wunschbuch in der Wunschbuchhandlung geführt werden, Stichwort: Location Based Services. Und wenn der Kunde doch nicht laufen will, liefert der Barsortimenter den Schmöker im Auftrag der Buchhandlung nach Hause. Hinter dem Projekt steckt auf Seiten der Buchhändler die alternative Einkaufsgenossenschaft eBuch, sie versammelt landesweit immerhin knapp 600 Indies.

Manche Grenzüberschreitungen der E-Book-Branche sind aber auch eine Zumutung. Etwa die Praxis von Adobe, über das Digitale Rechtemanagement weltweit intimste Lesedaten von Millionen Kunden in Richtung USA abzuschnorcheln, und das auch noch über völlig ungeschützte Datenkanäle. Dem US-Blogger Nate Hoffelder zufolge kann die Sammelwut auf dem Desktop-PC große Bereiche heimischer Festplatten betreffen, also u.a. auch E-Books, die überhaupt nicht mit Adobes DRM geschützt sind. Adobe Unlimited? Diese Flatrate braucht nun wirklich kein Mensch.

Abb.: Alexandre Duret-Lutz/Flickr (cc-by-sa-2.0)

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