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Gratis-Marketing: „Wer sagt denn, dass Autoren ein Recht auf Bezahlung haben!?“

7 Mrz 2012

Es ist noch gar nicht so lange her, da fällte Seth Godin eine strategische Entscheidung: der Marketing-Guru teilte den mehr als 400.000 Lesern seines Blogs mit, er werde keine Bücher mehr im traditionellen Sinn veröffentlichen. Neben E-Books, Hörbüchern oder Apps sollte es neue Ratgeberliteratur aus Godins Feder lediglich als Print-On-Demand geben. Nun hat Godin den Self-Publishing-Kurs noch einmal verschärft, und zwar in Richtung Gratis-Marketing. Sein neues Buch „Stop Stealing Dreams (What is School for?)“ – ein Debatten-Beitrag zur US-Schulreform – kann via Squidoo kostenlos heruntergeladen werden.

Marketing-Genie trifft Erfolgsautor

Die Kombination Marketing-Genie und Erfolgsautor klingt ja ohnehin bereits nach einer Win-Win-Situation. Tatsächlich hat der Bestseller-Autor aus New York hat in den letzten 15 Jahren knapp ein Dutzend Ratgeber geschrieben, die sich um Online-Geschäftsfelder und virale Strategien drehen. In diesem Fall hat das radikale Pricing erst recht für virusartige Verbreitung gesorgt. Nach nur einer Woche hatte Godin bereits mehr als 500.000 Exemplare unter die Leute gebracht, der Satz „Stop stealing dreams“ bringt es auf 100.000 Google-Einträge.

Godins vorläufige Auswertung klingt so: „Gerade für Autoren, die sich ins Gespräch bringen wollen, sollte sollte das eine Denkanregung sein. Ein Buch erreicht über den normalen Verkauf als landesweiter Bestseller vielleicht 3000 bis 15.000 Leser. Ein kostenloses E-Book dagegen kann sich ohne den ganzen finanziellen und physischen Ballast viel schneller und weiter verbreiten. Es kommt selbst bei denen an, die es normalerweise geflissentlich übersehen würden, denn Zugangshürden oder Kosten sind aus dem Weg geräumt.“

„Wovon sollen wir denn dann leben!?“

Bei vielen Autoren stieß Godins These, man müsse jetzt nicht nur auf Self-Publishing setzen, sondern seine Bücher möglichst für null Cent verschleudern, auf einiges Unverständnis, wenn nicht gar auf Protest. Dahinter stand natürlich die Frage: „Wovon sollen wir denn dann leben!?“ Seth Godin lassen solche Bedenken allerdings kalt. Im Interview mit Digital BookWorld pochte er stattdessen auf das Gesetz von Angebot und Nachfrage: „Wer sagt denn, dass man ein Recht darauf hat, mit dem Schreiben Geld zu verdienen? Ich habe mehr als 4000 Blogposts für umsonst geschrieben. Dichter werden nur selten bezahlt, aber es gibt keinen Mangel an Dichtung. Die Zukunft gehört den Amateuren, und den wirklich talentierten und ausdauernden wird es hervorragend gehen. Doch die Zeiten, in denen man bereits als Anfänger seinen Lebensunterhalt mit Worten bestreiten kann, sind vorbei.“

Was natürlich nicht bedeutet, dass es keine anderen Einnahmequellen geben kann. Auch Godin selbst ist beispielsweise ein gerne gebuchter und gut bezahlter Referent und Podiumsgast. Sogar als Verleger hat sich Godin bereits versucht – ironischerweise erst nach Beginn der Self-Publishing-Karriere. Aber vielleicht sollte man eher von einem Label für Literatur reden. Denn beim „Domino-Project“ ging es um Direktpublishing via Amazon. Auch hier handelte Godin eher als Unternehmer, der mit anderen zusammen ein Joint Venture gründet, und den Mut zum Experiment hat: „Es ist nicht der Job des Marktes, dem Autor zu sagen, wie er sein Werk monetarisieren soll.“