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Gratis-E-Books für Studenten: Bookboon erfolgreich mit Sponsoring-Modell

31 Mai 2012

E-Books sind in Deutschland viel zu teuer, findet Juli Zeh, und beklagt sich gegenüber der ZEIT über „Abzocke“. Mit diesem Urteil steht die Bestseller-Autorin nicht alleine da. Preise von oft mehr als zwanzig Euro schrecken gerade bei Neuerscheinungen immer noch viele Leser ab, oder führen sie direkt zu Piratebay. Es geht aber auch ganz anders, beweist Bookboon.com, ein dänisches Verlagshaus, das sich auf kostenlose Studien- und Business-Bücher im PDF-Format spezialisiert hat. Alleine in diesem Jahr konnte der deutsche Bookboon-Ableger bereits rund 2 Millionen Downloads verzeichnen. „Wir erwarten dieses Jahr 50 Millionen Downloads weltweit“, so Bookboon-Geschäftsführer Thomas Buus Madsen. „Diese Zahl zeigt, dass die Preispolitik der großen deutschen Verlage, was E-Books angeht, nicht aufgeht.“ Ermöglicht wird das Gratis-Angebot durch Werbeanzeigern, die auf jeder vierten Seite in den Büchern erscheinen.

Bereits mehr als 800 Studienbücher im Angebot

Die Anzeigen werden meist von Recruitment-Firmen geschaltet oder direkt von großen Unternehmen: „Bei uns zahlen die künftigen Arbeitgeber der Studenten für die Bücher. Das ist der Kern unseres Business-Konzepts“, so Madsen. Mehr als 800 Studienbücher hat Bookboon bereits im Angebot, von Biologie & Biochemie über Marketing & Medien bis zu Statistik & Wirtschaftslehre. Viele E-Books sind auf Englisch, gerade in besonders nachgefragten Bereichen wie Jura, BWL oder Marketing gibt es aber bereits zahlreiche deutsche Titel. Zu den Autoren gehören neben Profis mit Berufpraxis auch viele Uni-Profs. „Es ist uns sehr wichtig, dass die Bücher den hohen akademischen Anforderungen der Hochschulen gerecht werden“, so Bookboon-Geschäftsführer Madsen.

Das Layout könnte besser sein…

Gespart wird allerdings beim Layout der kostenlosen E-Books – sie machen eher den Eindruck von einfachen Worddokumenten, die mit Titelseite versehen und in das PDF-Format konvertiert wurden. Gerade die studentische Zielgruppe dürfte solche „Vorlesungsskripte de Luxe“ aber wohl trotzdem goutieren. Denn Fachliteratur ist auch als E-Book oft noch weitaus teurer als normale Sachbücher oder Belletristik. Ein optimierteres Stylesheet mit verringerter Zeilenbreite würde jedoch nicht schaden, gerade bei der Lektüre am Bildschirm. Verfügt man über einen E-Reader mit Reflow-Funktion, lassen sich die PDFs immerhin auch auf dem E-Ink-Display lesen. Wer möchte, kann bei Bookboon eine ganze Kategorie als gezipptes Bündel herunterladen. Bevor der Download startet, gibt man die E-Mail-Adresse an, sowie Studienfach und Studienort. Wer bereits im Berufsleben steht, gibt einfach die Option „Job“ an. Studenten sind nämlich nicht die alleinige Zielgruppe – Bookboon bietet auch Business-Ratgeber und Reiseführer an.

Abb.: Screenshot