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Gratis-Blogger im Focus: deutsche HuffPo startet im Sommer 2013, powered by Burda

29 Apr 2013 Ansgar Warner 2 Kommentare

Das Rätselraten um die deutsche HuffPo hat ein Ende – Arianna Huffingtons überaus erfolgreiche Online-Only-Postille geht im Sommer 2013 nun auch bei uns an den Start. Wer heute vormittag die Webpräsenz des Wochenmagazins Focus ansteuerte, wusste auch sofort, wer der Kooperationspartner sein wird: “Focus Online – Stolzer Partner der Huffington Post in Deutschland”, verkündete ein großes Werbebanner. Ähnlich wie in Frankreich oder Italien, wo mit Le Monde bzw. Espresso/La Repubblica große Presseverlage den Einstieg ins nationale Web erleichterten, soll also hierzulande die zu Burda gehörende TOMORROW FOCUS Media AG Starthilfe leisten. Während die HuffPo ihr “innovatives redaktionelles Konzept” sowie eine “ausgefeilte, hochmoderne Technologie” einbringe, steuere man selbst die “redaktionelle Stärke von FOCUS Online” sowie “das Know-how von einem der größten Onlinevermarkter” bei, so Focus Online in eigener Sache.

“Tausche Content gegen Reichweite”

“Die Deutsche Huffington Post ist nicht irgendein weiteres Nachrichtenportal. Sie ist eine soziale Plattform, bei der sich alle User mit eigenen redaktionellen Beiträgen beteiligen und engagieren können“, so Oliver Eckert, Geschäftsführer von TOMORROW FOCUS Media. Wie bei der HuffPo üblich, setzt man abgesehen von der jetzt zu bildenden deutschsprachigen Skeleton-Crew vor allem auf das Engagement der Blogosphere: auf der US-Seite sorgen mehr als 30.000 Blogger täglich für etwa 1.500 Beiträge, knapp 40 Millionen Unique Visitors pro Monat hinterlassen zudem 8 Millionen Kommentare. Geld verdienen die meisten damit jedoch nicht – im Grundsatz gilt das Motto: Tausche Content gegen Reichweite.

Gerade deshalb konnte die ausschließlich über Werbung finanzierte HuffPo nach ihrer Gründung 2005 aber auch sehr schnell schwarze Zahlen schreiben, und zudem den Online-Riesen AOL auf sich aufmerksam machen. Kaum war Ende 2011 der Buy-Out für 315 Mio. Dollar verkündet, begannen die internationalen Expansionspläne. Zugleich platzte vielen Bloggern die Hutschnur – sie wollten am Profit beteiligt werden. Eine Klage vor US-Gerichten wurde jedoch abgewiesen: niemand habe die Blogger dazu gezwungen, ihre Artikel bei der HuffPo zu veröffentlichen, belehrte der zuständige Richter die elenden Skribenten.

Deutsche HuffPo in zwei Jahren profitabel?

Prinzipiell dürfte das Konzept “Null Cent für deine Gedanken – aber Millionen-Reichweite” auch in Deutschland funktionieren. Vorausgesetzt natürlich, die deutsche HuffPo zieht genügend Leser an. Bei TOMORROW FOCUS gibt man sich ambitioniert. In zwei Jahren soll mit einem werbefinanzierten, paywall-freien Angebot der Break Even-Point erreicht sein, in drei bis vier Jahren rechnet man mit 10 Millionen monatlichen Besuchern. Focus Online hatte damit bisher jedoch so seine Schwierigkeiten: im Vergleich mit Spiegel Online (150 Mio. Unique Visitors pro Monat) liegt die Plattform weit zurück, sie kommt nur auf etwa ein Drittel der Besucher. Klingt nach einem Henne-Ei-Problem. Nur wenn die Reichweite stimmt, werden auch die prominenten Blogger kommen. Ohne Content-Overkill wird man aber Spiegel Online oder Bild.de nicht Paroli bieten können. Apropos: “Wir suchen top ausgebildete Online-Journalisten, die diesen spannenden neuen Weg mit uns gehen wollen”, so TOMORROW FOCUS-Geschäftsführer Oliver Eckert. Freiwillige vor!

2 Kommentare »

  • Irene schrieb:

    Mit den top ausgebildeten Online-Journalisten ist vermutlich ein wie auch immer bezahltes Redaktionsteam gemeint.

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Tja, hoffen wir’s mal…