Gran Tolino-Allianz zieht Jahres-Bilanz: 35 Prozent Marktanteil, neuer Reader in Sicht

Am 1. März 2013 startete eine ungewöhnliche Allianz: Telekom, Thalia, Weltbild und Co verkündeten, mit dem Tolino-Reader und einer eigenen Cloud-Lösung gemeinsam gegen Amazon anzurennen. Das scheint im Ansatz tatsächlich gelungen zu sein: „Wir haben unsere Ziele erreicht und einen äußerst erfolgreichen Start hingelegt“, bilanziert Thalia-Geschäftsführer Michael Busch das erste Tolino-Jahr. „Während etwa in den USA und Großbritannien der Marktführer Anteile von 80 bis 90 Prozent auf sich vereint, konnten wir diesem Trend im deutschsprachigen Raum etwas entgegensetzen“. Inzwischen beträgt der Marktanteil der Tolino-Allianz laut GfK 35 Prozent, seit dem Launch wurden 15 Millionen E-Book-Downloads verzeichnet.

Tolino Vision als neuer Kindle-Killer

Wieviele Tolinos inzwischen verkauft wurden, verrät die Pressemitteilung zum Tolino-Jubiläum nicht. Bekannt sind aber zwei Dinge: bis Ende letzten Jahres wurde mehr als eine halbe Million der Glimmerlicht-Reader verkauft. Außerdem beginnt das zweite Tolino-Jahr technisch mit einer neuen Reader-Generation: der Tolino-Shine wird abgelöst vom Tolino Vision, einem optisch verschlankten und hardwäremäßig verbesserten Gerät, das ab 5. April in den Handel gelangen soll. Beim E-Ink-Display vollzieht die Tolino-Allianz den Sprung von „Pearl“ zu „Carta“, was für verbesserten Kontrast sorgt, das Touchscreen wird von Infrarot auf kapazitiv umgestellt – das wiederum macht den Bildschirm reaktionsfreudiger.

Kerngeschäft der Tolino-Partner im Sinkflug

Solchermaßen technisch aufgerüstet sehen sich die Gran Tolino-Partner für die kommenden Tage gewappnet: „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen angemessenen Marktanteil für Tolino auch langfristig durchsetzen“, so etwa Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der bis vor kurzem noch mit Weltbild verbandelten Buchhandlung Hugendubel. Inzwischen steht Weltbild jedoch kurz vor der Pleite, der Insolvenzverwalter sucht nach dem rettenden Engel – denn im Kerngeschäft der meisten Tolino-Koalitionäre, also dem Offline-Handel mit gedruckten Büchern, geht es immer noch steil bergab. Hauptkonkurrent Amazon muss eben kein Filialnetz subventionieren. Wie toll der Name Tolino in einem Jahr noch klingt, bleibt somit weiter ungewiß. Ein Standbein ist schon weggebrochen – die Telekom hat gerade ihren E-Store „PagePlace“ abgeschaltet , die Nutzer mussten mitsamt E-Books kurzfristig zu anderen Tolino-Partnern umziehen.

Nolino statt Tolino: Indies gehen eigene Wege

Grandios gescheitert ist auch die strategisch wichtige Ausweiterung der Tolino-Allianz auf den unabhängigen Buchhandel – im Umfeld der letzten Frankfurter Buchmesse wurde das endgültige Aus der monatelangen Verhandlungen bekanntgegeben. Am Ende warfen die Indies einigermaßen genervt das Handtuch, denn trotz vergleichweise hoher Beteiligungskosten wurden ihnen im Gegenzug kaum Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt. Große unabhängige Buchhändler wie die Mayersche oder Osiander setzen nun lieber auf gebrandete Glowlight-Reader wie den Pocketbook Lux, inklusive Cloud-Lösung übrigens. Vielleicht ist das ja für den Buchhandel sogar der beste Grund, um optimistisch in die Zukunft zu schauen: Es geht zur Not auch sehr gut ohne Tolino.

Abb.: tolino.de

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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