Google-Report: „Bestes Mittel gegen Piraterie sind mehr & bessere legale Angebote“

Google ist für die Content-Industrie Segen und Fluch zugleich – denn wer sucht, der findet, und manche Suchergebnisse verweisen auf illegale Kopien von E-Books, MP3s und Filmen. Allerdings sind die Ergebnisse mittlerweile stark gefiltert, so werden etwa Piraterie-spezifische Begriffe bei der „Auto-Complete“-Funktion unterdrückt, und verdächtige Seiten vom Suchalgorithmus auf die hinteren Plätze verwiesen. Außerdem löscht Google auf Anfrage vor allem von Verbänden der Musik- und Filmindustrie immer mehr Einträge komplett aus der Datenbank. Torrentfreak zufolge wurden im Jahr 2013 als Reaktion auf solche „Takedown Requests“ sage und schreibe 200 Millionen Links entfernt – gesetzliche Grundlage ist in den USA dafür der „Digital Millenium Copyright Act (DMCA)“.

„Preis, Komfort & Angebot müssen stimmen“

Der Contentindustrie geht das immer noch nicht weit genug, sie fordert nach wie vor, dass Google alle verdächtigen Links selbst aufspüren und umgehend entfernen soll. Damit würde man natürlich auch sehr elegant das Problem der „False Positives“ umschiffen – denn schon bisher wird mindestens 1 Prozent der „Takedown Requests“ von Google abgelehnt, weil es sich etwa um Versuche handelt, legale Inhalte zu zensieren, legale Wettbewerber aus dem Rennen zu werfen oder ganz einfach abzukassieren (Stichwort: „Copyfraud“). Kein Wunder, dass Google lieber am bisherigen System festhalten möchte – und stattdessen auf mehr Effizienz bei den technischen Verfahren setzt. Doch nicht nur das: im aktuellen Report „How Google Fights Piracy“ wird die Content-Industrie auch recht unverblümt aufgefordert, gefälligst vor der eigenen Tür zu kehren.

Punkt Eins von Googles „Anti-Piraterie-Prinzipien“ lautet schlicht: schafft mehr und bessere legale Angebote. „Piraterie entsteht oft, wenn die Nachfrage auf Konsumentenseite nicht von einem legalen Angebot bedient wird“, heißt es im Report. Und weiter: „Wie Services von Netflix über Spotify bis zu iTunes gezeigt haben, bekämpft man Piraterie am besten mit verbesserten und komfortableren Dienstleistungen. Die richtige Kombination von Preis, Komfort und Angebotsspektrum wird weitaus mehr zur Reduzierung von Piraterie beitragen als Zwangsmaßnahmen.“

Phonoindustrie: Erstmals steigen die Umsätze wieder…

Dabei kann Google auf entsprechende Studien verweisen, die für verschiedene Länder einen direkten Zusammenhang zwischen der Einführung von Flatrate- & Streaming-Angeboten und einem starken Rückgang an illegalen Downloads belegen. Wirtschaftlich scheint die Rechnung inzwischen ebenfalls aufzugehen, wenn das Angebot stimmt: so verzeichnete der Weltverband der Phonoindustrie 2012 mit einem Ergebnis von 16,5 Milliarden Dollar erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein leichtes Umsatzwachstum, wobei das Digitalgeschäft bereits 35 Prozent dazu beitrug.

Letztlich ist Google an diesem Boom direkt beteiligt – und das nicht nur über eine Plattform wie Youtube. Schließlich laden Android-Nutzer populäre Streaming-Apps aus dem Google Play Store. Das gilt nicht nur für Netflix oder Spotify, sondern z.B. in Deutschland auch für E-Book-Apps à la Skoobe, Onleihe & Co. Dass sich die meisten Nutzer ohnehin nicht auf Piraten-Plattformen verirren, sondern von den Suchmaschinen gleich auf legalen Content geleitet werden, könnte übrigens auch einen ganz banalen Grund haben: Google zufolge wird zumeist nur der Name eines Künstlers oder ein Titel in die Suchmaske eingegeben, die Kombination mit Begriffen wie „free“ oder „download“ kommt weitaus seltener vor.

Abb.: Flickr/courosa (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

Ein Gedanke zu „Google-Report: „Bestes Mittel gegen Piraterie sind mehr & bessere legale Angebote““

  1. In Hinsicht auf die besseren und legalen Angebote stimme ich voll und ganz zu. Vor allem sollten meiner Ansicht nach auch ältere – nicht gemeinfreie – Werke digitalisiert und angeboten werden, denn viele Leser mögen auch diese.

    Vor allen Dingen aber sollte – wie bereits in der Musikindustrie geschehen – dieses elende DRM abgeschafft werden. Viele Nutzer von eBook-Readern haben keine Ahnung von außerirdischen Helfern und ärgern sich unnötig mit damit herum. Das muss nun wirklich nicht sein. Und gegen Piraterie ist DRM in etwa so wirksam wie ein Aspirin gegen Krebs.

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