Google One Pass: Neues Abo-Modell für E-Paper richtet sich gegen Apple

One Pass lautet Googles Antwort auf Apples neues Abo-Modell. Zeitungsverlegern dürfte es gefallen, denn anders als bei iTunes beschränkt sich Google auf zehn Prozent Provision, zudem werden die Kunden-Daten vollständig weitergegeben. Auch die Preisgestaltung -- inklusive Gratis-Abos -- überlässt man zu 100 Prozent den Anbietern. Zu den ersten Partnern für Google One Pass in Deutschland gehören Springer, Stern.de und Focus Online.

“Wir machen es anders als andere“

Nur einen Tag nach dem offiziellen Start von Apples „Subscription Service“ im App Store hatte der bisherige Google-CEO Eric Schmidt seinen großen Auftritt: im Rahmen eines Vortrags an der Humboldt-Universität Berlin stellte er gestern das neue Bezahlsystem für Internet-Angebote von Zeitungen und Zeitschriften vor. „Google One Pass“ startet nämlich neben den USA und Kanada auch in zahlreichen europäischen Ländern, darunter Deutschland und Frankreich. Der Name Apple wurde dabei freilich nicht genannt – doch wussten wohl alle Anwesenden bescheid, wenn Sätze fielen wie „Wir machen es anders als andere“. Zehn Prozent statt Dreißig Prozent Provison macht einen gewaltiger Unterschied. Doch Bescheidenheit ist offenbar eine Zier, mit der sich der Suchmaschinen-Riese momentan sehr gerne schmückt: Anders als andere, so Schmidt, wolle man mit dem neuen Abo-Modell keine Geschäfte machen, sondern beschränke sich darauf, kostendeckend zu arbeiten.

Flexible Bezahlschranke dank „metered Access“

Googles Abo-Modell ist browserbasiert – die Anbieter müssen ihrer Website nur eine kurze Codezeile hinzufügen, um ihre Inhalte über One Pass anbieten zu können: „Leser die bei einem One Pass-Publisher einkaufen, können den Content dann auf Tablets, Smartphones und normalen Webseiten lesen – dazu brauchen sie nur E-Mail-Adresse und Passwort“, heißt es dazu auf dem offiziellen Google-Blog. Nutzen lassen sich One Pass-Seiten auch mit einer App, die Webinhalte darstellen kann. Falls Abonnenten bereits ein Print-Abo haben, können die Verlage ihnen Gutschein-Codes ausstellen, um den kostenlosen Zugang zur E-Paper-Version freizuschalten. Im Gegensatz zu Apples App-Angeboten erlaubt Googles Ansatz auch den „metered Access“, bei dem nur regelmäßige Besucher einer Website zur Kasse gebeten werden.

Browserbasiertes Modell ist die komfortablere Lösung

Größter Vorteil für die Leser dürfte der leichtere, weil eben geräteunabhängige Zugang zu sämtlichen abonnierten Inhalten sein – das browserbasierte Modell ist insofern dem App-Modell deutlich überlegen. Die Preisgestaltung könnte in vielen Fällen wohl auch attraktiver ausfallen als im vergleichsweise rigide regulierten App Store. Für viele Leser von Print-Ausgaben werden zudem kostenlose E-Paper-Gutscheine ein wichtiger Anreiz sein, auch mal die digitale Version auszuprobieren. Fraglich bleibt allerdings, wie in Deutschland bezahlt werden soll. Denn das in den USA bei One Pass verwendete Google Checkout wird hierzulande noch nicht angeboten. Wahrscheinlich greift Google wohl der Einfachkeit halber auf PayPal zurück – zum Glück steht hinter diesem Micropayment-Dienst ja nicht Konkurrent Apple, sondern das Internet-Auktionshaus Ebay.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".