Google Contributor, oder: werbefreie Content-Flatrate nach Crowdfunding-Art

Vorsicht, keine Satire: Wenn Leser in Zukunft die Website von „The Onion“ ansteuern, bekommen sie keine Google-Anzeigen mehr zu sehen. Statt dessen erscheint ein Dankeschön-Banner – denn sie zahlen für ihren Besuch automatisch einen kleinen Betrag an das Satire-Magazin, abzüglich einer Provision für Google (Höhe bisher unbekannt). Ähnlich läuft es auf einem knappen Dutzend anderer Portale, darunter Mashable oder Science Daily. „Google Contributor“ nennt sich das neue Programm, das deutliche Anleihen bei existierenden Abo-Modellen wie auch Crowdfunding-Konzepten macht.

In der Beta-Probephase ist nicht nur die Zahl der teilnehmenden Websites beschränkt, sondern auch die Zahl der Nutzer – Interessenten können sich aber auf eine Warteliste für „Invites“ setzen lassen. Wer einen Zugang erhält, darf zwischen 1 und 3 Dollar pro Monat investieren, die über das jeweilige Google-Account und die dort registrierte Zahlungsweise abgebucht werden. Vorteil bei diesem Programm: auf den Websites ist dann überhaupt keine Werbung mehr zu sehen, denn mitmachen dürfen nur Portale, die ihre Bannerplätze ausschließlich via Google verwerten.

Neu ist diese Idee natürlich nicht. Das Crowdfunding-Netzwerk Kachingle etwa hat exakt auf diese Weise schon seit 2010 versucht, vor allem kleineren Blogs regelmäßige Einnahmen zu garantieren, in dem ein monatlicher Betrag gemessen an der Zahl der jeweiligen Seitenaufrufe pro Nutzer ausgeschüttet wurde. Und auch die Logik hinter dem Flattr-System ist ganz ähnlich. Google selbst hat auch bereits mit Schwarmspenden experimentiert: auf dem zum Suchmaschinen-Riesen gehörenden Youtube dürfen Kreative via „Fan Funding“-Programm neuerdings eine virtuelle Kaffekasse aktivieren, die man mit Beträgen zwischen 1 und 1.500 Dollar auffüllen kann.

Anders als die Crowdfunding-Startups hat Google auch kein Problem mit dem Erreichen der „kritischen Masse“, potentielle Nutzer mit Google Account gibt’s millionenfach. Ist das nun gut oder schlecht? Das bleibt wohl Ansichtssache: Klassisches Crowdfunding hatte immer schon sehr viel mit dem Streben der Publisher nach Unabhängigkeit und finanzieller Dezentralisierung zu tun. Ähnlich wie beim exklusiven Anzeigengeschäft via Google steht jedoch immer noch Google als Vermittler zwischen Crowd und Content. Dabei eröffnet sich eine bisher unerwartete Perspektive: Crowdfunding mutiert zu einer Disintermediations-Strategie, bei der nur noch der Internet-Konzern und die Inhalteanbieter übrigbleiben. Werbetreibende müssen draußen bleiben.

(via GigaOM)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".