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Goodreads & Mendeley: Vom Social Reading zum Corporate Reading

11 Apr 2013 Ansgar Warner 1 Kommentar

Social Reading- bzw. Social Referencing-Plattformen à la Goodreads oder Mendeley waren nie wirklich “sozial” – denn hinter dem Service für kluge Köpfe stecken private Investoren, nicht die Community. Bisher konnten solche Angebote immerhin als unabhängig gelten, doch das hat sich in den letzten Tagen geändert. Goodreads wurde durch Amazon erworben, die auf das Arbeiten mit wissenschaftlichen Texten spezialisierte Plattform Mendeley ging an den Fachbuchverlag Elsevier. Angetreten als eine Art “Last.fm” für die Wissenschaft, versammelt Mendeley knapp 2 Millionen aktive Geistesarbeiter, während sich auf Goodreads schon mehr als 16 Millionen Leser tummeln.

“Unsere Empfehlungen sind besser als die von Amazon”

Dabei wird es nicht bleiben: “Mit der Reichweite und den Ressourcen von Amazon kann Goodreads seiner lebendigen Community von Buchliebhabern mehr Leser hinzufügen und den Mitgliedern eine noch bessere Leistung bieten”, freut sich Goodreads’ CEO und Mitgründer Otis Chandler bei der Bekanntgabe des großen Deals. Insbesondere die Integration der von Goodreads bereitgestellten Social Reading-Funktionen in das Kindle-Universum dürfte die Größe der Leser-Community explodieren lassen. Schon bisher verdient Goodreads einen Teil des Geldes mit cleveren Leseempfehlungen, die auf Buchhandelsportale verlinkt waren. “Unsere Buchempfehlungen sind besser als die von Amazon”, kokettierte Chandler noch vor kurzem. In Zukunft sind es die Buchempfehlungen VON Amazon, FÜR Amazon.

Angst vor dem Shelfari-Effekt

Während sich einige Nutzer auf die Kindle-Integration von Goodreads freuen, kam die Nachricht vom Amazon-Deal für andere wie ein Schock. Manche befürchten den Shelfari-Effekt: diese Social-Reading-Plattform wurde bereits in der Vergangenheit von Amazon aufgekauft, dann jedoch in punkto Entwicklung eher stiefkindlich behandelt. Meldet man sich neu dort an, muss man ein Amazon-Account besitzen, oder neu anlegen. Vielen Goodreads-Nutzern ist aber offenbar schon die Vorstellung ein Gräuel, in Zukunft quasi für Amazon zu arbeiten. In den Diskussionsforen zirkulieren zahlreiche Vorschläge für Goodreads-Alternativen, wie etwa Booklamp, Anobii (beide kostenlos) oder LibraryThing (gebührenpflichtig).

“Change the way we do research”

Ähnlich schlecht beleumundet ist in der Scientific Community der neue Mendeley-Besitzer Elsevier, wenn auch aus anderen Gründen. Denn bisher fördern viele Features der von der Literaturverwaltung zum veritablen Wissenschaftler-Netzwerk avancierten Plattform den freien Austausch von Forschungsergebnissen. Motto: “It’s time to change the way we do research.” Der Großverlag Elsevier dagegen hat in der Vergangenheit stark gegen OpenAccess-Konzepte lobbyiert und voll auf Zugangsbeschränkungen und Paid Content gesetzt, selbst wenn es nur um bibliografische Metadaten ging. Schon wieder “Time to change”? Immerhin dürfte der freie Wettbewerb der strategischen Neuausrichtung von Mendeley Grenzen setzen – denn wie bei Goodreads gibt’s auch in diesem Fall alternative Communities und Dienstleister, etwa ResearchGate oder Zotero.

Abb.: flickr/CollegeDegrees360 (cc)

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