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Give-Away auf Zeit: Amazon kündigt Ausleih-Funktion für Kindle-E-Books an

26 Okt 2010

kindle-lending-feature-e-book-ausleihe Amazon legt nach: Kopiergeschützte E-Books ausleihen konnten bisher nur Nutzer des Nook-Readers von Barnes&Noble. In Zukunft sollen auch Kindle-User in den Genuss eines solchen Features kommen. Die Nutzungsbedingungen sind allerdings ähnlich rigide wie bei der Konkurrenz: 14 Tage lang kann der Ausleiher das E-Book lesen, während dieser Zeit ist das E-Book für den Besitzer gesperrt. Ob die Ausleih-Funktion überhaupt aktiviert wird, müssen von Fall zu Fall die jeweiligen Verlage entscheiden.

E-Book-Ausleihe mit Hindernissen: Nur einmal, nur 14 Tage

„Later this year, we will be introducing lending for Kindle“: Es war nur eine kurze Mitteilung des Kindle-Teams im offiziellen Kindle-Forum, doch sie machte schnell die Runde. E-Books auf Amazons Kindle-Reader soll man zukünftig ausleihen können. Entsprechend groß war die Freude unter der Nutzergemeinde. Für Nutzer des Nook-Readers von Barnes&Noble besteht diese Möglichkeit über die sogenannte „LendMe“-Funktion schon lange – allerdings mit den selben formalen Grenzen, die nun auch Amazon setzen wird. Mit Hilfe des Digital Rights Managements (DRM) wird nämlich der Ausleih-Vorgang eines Papierbuchs simuliert. Ähnliche E-Book-Verleihmodelle funktionieren bereits in öffentlichen Bibliotheken. Die Nutzung der privaten E-Book-Bibliothek durch Dritte bleibt jedoch vergleichweise stark eingeschränkt. Während einer Periode von zwei Wochen gehen die Nutzungsrechte auf den „Ausleiher“ über, der ursprüngliche Käufer des E-Books kann während dieser Zeit das E-Book nicht lesen. Jedes Buch kann lediglich einmal ausgeliehen werden, ob das Ausleih-Feature überhaupt aktiviert wird, entscheiden ähnlich wie bei der Vorlese-Funktion („Text-to-Speech“) die jeweiligen Rechteinhaber.

E-Books ohne DRM leiht man nicht aus, man gibt sie weiter

Man kann sich über ein solches Ausleih-Feature zunächst einmal freuen, macht es doch die E-Book-Lektüre nicht nur sozialer – viele Nook-Leser nutzen Foren oder Facebook-Gruppen, um das Feature auszunutzen – sondern gibt dem Käufer einen gewissen Mehrwert. Der „Vorteil“ existiert jedoch bei näherer Betrachtung nur innerhalb der rigiden DRM-Logik. E-Books ohne „harten“ Kopierschutz lassen sich schließlich ganz einfach per Mausklick weitergeben – das Konzept der „Ausleihe“ macht bei digitalen Medien, die endlos dupliziert werden können, eigentlich überhaupt keinen Sinn mehr. Zumal die weitgehenden Einschränkungen auch die zur Rechtfertigung des Lending-Features gerne herangezogene Analogie zum gedruckten Buch ad absurdum führen. Ein gedrucktes Buch kann man schließlich so lange ausleihen, wie man will, und auch so oft, wie man will. Wie weit Barnes&Noble und Amazon dem digitalen Zeitgeist hinterherhinken, zeigt der Vergleich mit
iTunes. Eine Kombination aus hartem Kopierschutz und zeitlich begrenzter Ausleihe von Musiktiteln würde vehement gegen die bereits etablierte Kultur des freien Weitergebens und Austauschens verstoßen – und wäre kommerziell wohl eine Katastrophe.

Auch mit DRM gäbe es sinnvolle Ausleih-Modelle

Allerdings wären auch unter den Bedingungen von DRM sinnvolle Möglichkeiten der Ausleihe denkbar. So könnte man die zeitlich begrenzte Weitergabe von E-Books mit der Möglichkeit verknüpfen, dem „Leihgeber“ eine Provision zu zahlen, wenn der Ausleiher nach dem Probelesen den E-Book-Titel kauft. Um die Reichweite bestimmter Titel über das Lending-Feature in kurzer Zeit effektiv zu erhöhen, müsste man allerdings aufhören, die Analogie zum gedruckten Buch zu bemühen. Warum soll man ein E-Book nicht parallel an fünf Freunde ausleihen? Wenn nur einer davon den Titel am Ende erwerben möchte, würde sich solch ein Modell bereits lohnen. Um E-Book-Nutzer wirklich zu häufigen Ausleihe zu motivieren, sollte man zudem eine Sache so schnell wie möglich abschaffen: die Lesesperre während der Verleihphase. Im Zeitalter der mühelosen digitalen Vervielfältigung erscheint es widersinnig, den Multiplikator einer E-Book-Kopie mit einer Art zeitlich befristeten „Exkommunikation“ zu bestrafen.