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GfK-Studie „Digitale Content-Nutzung“: E-Books vom perfekten Angebot noch weit entfernt

Bemerkenswerte Zahlen präsentiert die GfK-Studie zur „Digitalen Contentnutzung 2012“, erhoben im Auftrag von Börsenverein, Musikindustrie und Urheberrechts-Lobby: Fast drei Viertel der Deutschen halten demnach das digitale Angebot von Musik, Filmen und E-Books grundsätzlich für ausreichend, knapp die Hälfte fühlt sich persönlich jedoch nicht perfekt bedient. Zugleich belegt die Studie, dass nur ein Drittel der Befragten im letzten Jahr tatsächlich Medieninhalte online genutzt oder heruntergeladen hat. Von den Downloadern haben dabei knapp 80 Prozent ausschließlich legale Inhalte genutzt oder aber „Mischnutzung“ betrieben. Nur zwanzig Prozent der Daten-Sauger wollten partout kein Geld ausgeben und wählten ausschließlich problematische Quellen. Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich bei den Nutzern von Streaming-Angeboten, wobei es sich vor allem um Videos handelte: lediglich knapp 15 Prozent nutzten als illegale angesehene Portale wie movie2k, die meisten dagegen Youtube und die Mediatheken von Fernsehsendern.

Streitfall Streaming: Illegal oder nicht?

Immer wichtiger wird der direkte Zugriff auf den Content – Streaming und Download halten sich hierzulande mittlerweile fast die Waage. Doch gerade deshalb sind die Daten der GfK-Studie mit Vorsicht zu genießen. Börsenverein, Musikindustrie und Abmahn-Lobbyisten gehen in ihrer Studie ganz einfach davon aus, Streaming sei aus Sicht des Nutzers in bestimmten Fällen automatisch mit illegalen Downloads gleichzusetzen. Das ist jedoch momentan überhaupt nicht klar, so etwa irights.info-Redakteur David Pachali: „Vieles spricht dafür, dass das bloße Anschauen per Streaming selbst dann erlaubt ist, wenn der Anbieter nicht alle Rechte eingeholt hat. Zwar vertreten die Rechteinhaber die Position, beim Streaming mache der Nutzer eine unerlaubte Kopie, allerdings werden ‚flüchtige‘ Kopien – die bei einem Neustart des Browsers oder Computers wieder verschwunden sind – durch eine Sonderregel im Urheberrechtsgesetz ausdrücklich erlaubt. Auch Streaming lässt sich darunter einordnen.“

Gerade jüngere Leser mit E-Book-Angebot unzufrieden

Besonders häufig strömen in Deutschland TV-Serien, Filme und Musik durch das Netz, erst an vierter Stelle kommen Hörbücher. Doch auch beim Audiobook-Streaming gibt es zweistellige Zuwachsraten. Insgesamt scheint sich bei Streaming wie auch Downloads die Zugänglichkeit legaler Quellen verbessert zu haben, vor allem in punkto Musik. Bei Filmen, aber auch bei E-Books vermisst jedoch noch jeder zweite Deutsche ein perfekt auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmtes Angebot, bei den Zwanzig- bis Dreißigjährigen sind sogar zwei Drittel der Befragten unzufrieden. Die Nutzung illegaler Quellen gerade bei TV-Serien und Kinofilmen ist insofern gerade in Deutschland wohl auf mangelnde legale Alternativen zurückzuführen. E-Books dagegen scheinen trotz alledem einen Sonderstatus im medialen Spektrum zu behaupten: bei ihnen ist mit jeweils knapp vierzig Prozent nicht nur der Anteil bezahlter Downloads, sondern auch der Anteil von kostenlosen (legalen) Downloads am höchsten. Hier macht sich offenbar nicht nur der Einfluss von Public-Domain-Lektüre bemerkbar, sondern auch das temporäre Gratis-Marketing bei aktuellen E-Book-Titeln.

Börsenverein will „Warnhinweise“, Politik winkt ab

Dessen ungeachtet fühlt sich Börsenvereins-Vorsteher Alexander Skipis durch die DNC-Studie erneut in seiner Forderung nach „Warnhinweisen“ bei illegalen Downloads bestätigt. Damit könne man angeblich „individuell und zielgerichteter tätig werden, statt eine ganze Gesellschaft zu kriminalisieren“. Angesichts aktueller Äußerungen aus dem Bundesministerium für Justiz scheint aber gerade diese Argumentation nicht besonders fundiert zu sein. Ein Warnhinweis-Modell werde es „aus rechtlichen und politischen Gründen nicht geben“, bekräftigte nämlich Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger erst diese Woche. „Warnhinweise sind bekanntlich ohne Überwachung des Internets nicht möglich – das muss jedem klar sein“, so die Freidemokratin. Das kann man natürlich auch so formulieren: Kriminalisiert würde bei einer solchen Maßnahme von vorneherein die gesamte Internet-Bevölkerung, nicht nur der am Ende tatsächlich verwarnte Nutzer.

Abb.: Yinghai/Flickr

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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