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Gewinneinbruch um 73 Prozent: Kindle-Offensive kommt Amazon teuer zu stehen

26 Okt 2011

„It was the best of times, it was the worst of times“: so lässt sich Amazons aktuelle Situation wohl am besten beschreiben. Im dritten Quartal brachen die Gewinne im Vergleich zum Vorjahr um 73 Prozent auf 79 Millionen Dollar ein, meldete das Unternehmen. Für das Weihnachtsgeschäft im vierten Quartal erwartet Jeff Bezos sogar einen operativen Verlust im Rahmen von 200 bis 250 Millionen Dollar. Angesichts der Gewinn-Warnung brach die Amazon-Aktie um 14 Prozent ein. Schuld an den hohen Verlusten dürfte u.a. die Investition in das Tablet-Projekt Kindle Fire sein – das neue Gadget wird knapp über dem Herstellungspreis verkauft. Viel Geld hat Amazon zudem in den Launch der neuen Kindle-Modelle mit E-Ink-Display gesteckt. Doch auch beim Content-Lizenzen dürfte der Online-Riese tief in die Kriegskasse gegriffen haben – immerhin stehen den Amazon Prime-Kunden in den USA für 79 Dollar mehr als 10.000 Streaming-Videos zur Verfügung.

Neue Kindle Modelle verkaufen sich gut

Fast trotzig wurden zusammen mit den eher düsteren Quartalszahlen aber auch strategische Erfolge vermeldet: „Am 28. September erlebten das Kindle den bestellstärksten Tag aller Zeiten, selbst im Vergleich mit Spitzenwerten früherer Weihnachtssaisons“. An diesem Tag startete in den USA die Vorbestellung für das Kindle Fire, und die neuen Kindle-Modelle wurden vorgestellt. „In den drei Wochen darauf waren die Bestellungen für die E-Ink-Kindles drei mal so hoch wie bei vorherigen Launch-Terminen.“ Zudem habe man angesichts zahlreicher Vorbestellungen für das Kindle Fire die Produktionskapazitäten um mehrer Millionen Einheiten ausgeweitet. Der verstärkte E-Reader-Absatz zeigt sich nicht zuletzt beim Umsatz – hier legte Amazon im dritten Quartal um 44 Prozent auf 10,8 Mrd. Dollar zu. Der Umsatz mit Medien machte knapp 4 Mrd. Dollar aus, elektronische Geräte und sonstige Handelsware aus Amazons Online-Gemischtwarenladen erzielten dagegen bereits 6,3 Mrd. Dollar. Wenn die Kunden via Kindle Fire demnächst noch mehr Hardware ordern, könnte 2012 wieder die Gewinnzone in Sicht kommen.