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Geteilte News ist gute News: Facebook-App von Guardian.co.uk hat bereits 6 Mio User

Facebook ist längst zum Internet im Internet geworden – was bei vielen News-Portalen Stirnrunzeln verursacht. In den USA verbringen die Leser pro Monat nur noch durchschnittlich 25 Minuten auf den Websiten von Zeitungsverlagen, dagegen aber acht Stunden auf dem inzwischen börsennotierten sozialen Netzwerk. Auf der Jagd nach mehr „Eyeballs“ von jüngeren Netznutzern setzen deswegen immer mehr Blätter auf Facebook-Apps. Neben dem Wall-Street-Journal ging Ende 2011 die Guardian-App an den Start. Mit Erfolg: Anfang Februar zählte die Facebook-App des linksliberalen britischen Traditionsblattes bereits mehr als 6 Millionen Nutzer, die meisten davon jünger als 25 Jahre.

Dabei profitiert der Guardian von den allerneuesten viralen Effekten innerhalb von Facebook. Denn dank „frictionless sharing“ (auch „automagisches Teilen“ genannt) weiß der eigene Freundeskreis sofort, welche Artikel man via Guardian-App gerade gelesen hat. Wer einem Artikel-Link folgen will, bekommt zunächst einmal die Installation der App angeboten. Allerdings scheint die Strategie des Guardian nicht zur Selbsteinmauerung im sozialen Netzwerk zu führen. Denn ein genügend großer Teil des Traffics geht offenbar auch in Richtung der normalen Website des Guardian. Dort findet dann die eigentliche Ad-Monetarisierung statt, denn die Erlöse für rund die um die App herum platzierten Anzeigen gehen an Facebook.

Immerhin ist das Modell Facebook-App im Ökosystem des Guardian durchaus schlüssig, denn der Content innerhalb der App ist kostenlos zugänglich, die Website Guardian.co.uk ebenfalls. Etwas komplexer ist die Strategie des Wall Street Journal, deren Web-Portal seit Jahr und Tag auf eine strikte Paywall setzt. Die WSJ Social App auf Facebook dagegen macht ausgewählte Inhalte nun wiederum frei verfügbar, denn sonst würde das Empfehlen einzelner Artikel ja nur unter Abonnenten funktionieren. Anders als beim Guardian ist das Ganze insgesamt eher ein begrenzter Feldversuch mit „kuratierten“ Nachrichten innerhalb sozialer Netzwerke. Außerdem betont das WSJ, die Nutzung der App sei nur „vorläufig“ kostenlos.

Vergleichbare Facebook-Apps deutscher Verlage lassen bisher auf sich warten. Statt dessen werden die normalen Facebook-Profile der großen Blätter dafür genutzt, mit den Lesern ins Gespräch zu kommen und natürlich Traffic auf die überwiegend frei zugänglichen Webpräsenzen zu leiten. Facebook als digitalen Zeitungskiosk dagegen gibt es schon – dafür sorgt die Copyclick-App der Hamburger picturesafe GmbH. Zu den prominentesten Kunden gehört die Wochenzeitung DIE ZEIT – für 3,99 Euro kann man das E-Paper der aktuellen Ausgabe nicht nur innerhalb von Facebook erwerben, sondern auch im eingebetteten Viewer lesen. Viele Facebook-Freunde kann man sich bei einer solch abgeschotteten Lektüre allerdings nicht machen.

(via digiday.com & GigaOM)

Über Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".