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Gesetz der Serie: Plympton, ein „Studio für Literatur“, produziert Serials für Kindle & Co.

10 Sep 2012 0 Kommentare

Angespornt vom Erfolg des Kindle Single-Formats experimentiert Amazon mit einem neuen alten Genre: dem Fortsetzungsroman. Ähnlich wie bei den Kurzstreckentexten sind die „Kindle Serials“ äußerst günstig – sie kosten nur 1,99 Dollar. Das Versprechen lautet in diesem Fall aber „Buy once, get all“. Denn die „Serials“ werden in mehreren Folgen geliefert, die jeweils bis zu 25.000 Worte enthalten. Frag sich nur: wer produziert eigentlich serienreife Literatur? Zum Beispiel Plympton, ein Startup von Jennifer „8“ Lee, einer Ex-Reporterin der New York Times, sowie der Schriftstellerin Yael Goldstein Love. Die beiden Gründerinnen sehen sich nicht als klassischen Verlag, sondern eher als ein Literatur-Studio, vergleichbar mit Hollywoods Filmstudios.

„Wir nutzen gerne die Analogie zur Fernsehserie: man muss sich eine einzelne Textlieferung als Folge vorstellen, und einen Band als eine Staffel. Wenn eine Serie gut läuft, kann sie auf mehrere Staffeln ausgedehnt werden, wobei jede Staffel auf die vorherige Bezug nimmt und alle zusammen ein größeres Ganzes bilden“, so Lee und Goldstein auf dem Profil ihrer aktuellen Kickstarter-Kampagne, die nicht nur zur Akquise von 30.000 Dollar Startkapital dienen soll, sondern auch als Promotion-Massnahme fungiert.

Für den Anfang steuert Plympton drei von insgesamt acht Kindle Series bei: „Hacker Mom“ (Austen Rachlis), „The many Lives of Lilith Lane“ (E. V. Anderson) sowie „Love is strong as death“ (Carolyn Nash). Die exklusiv via Kindle bzw. Kindle-App veröffentlichten Folgen haben jeweils zwischen 7.000 und 25.000 Worte und werden im Zwei-Wochen-Takt bzw. monatlich erscheinen. Jede Staffel umfasst vier bis sechs Teile.

Völlig neu ist das Konzept natürlich nicht. Denn der Zeitungs- und Zeitschriftenroman florierte bereits im 19. Jahrhundert. Die Frage bleibt natürlich: wie lässt sich das Gesetz der Serie ins E-Book-Format übersetzen? „Der Fortsetzungsroman war einmal ein wichtiger Bestandteil unsere Kultur. Die Leute haben mit Hochspannung auf neue Teile von Madame Bovary, Sherlock Holmes oder Heart of Darkness gewartet, so ähnlich, wie wir heute auf neue Folgen unserer Lieblings-Fernsehserien warten. Die Geschwindigkeit und ökonomische Effizienz digitaler Plattformen macht es uns nun möglich, solche ebenso altehrwürdigen wie unterhaltsamen Formen neu zu beleben“, hoffen Lee und Goldstein.

Das haben natürlich auch schon andere versucht. Schon vor drei, vier Jahren etwa brachte das französische Verlagshaus SmartNovel Fortsetzungsromane auf die Displays von Mobiltelefonen, abonniert wurde per SMS. Der deutsche Groschenheft-Riese Bastei Lübbe ging unter dem Motto „digital first“ 2012 erstmals mit digitalen Serienromanen an den Start, die exklusiv als App, E-Book, Audio-Download oder Read-and-Listen-Version vermarktet werden. Die Folgen einer Staffel des Vatikan-Thrillers „Apocalypsis“ beispielsweise kosteteten allerdings insgesamt so viel wie ein normales Taschenbuch.

Bei Plympton will man dagegen die Spielregeln der digitalen Ökonomie weitestgehend nach unten ausreizen – gerade das Gesetz der Serie erlaubt aggressivere Kalkulationen (auch wenn das nicht allen gefällt): „Verkaufsstatistiken von iTunes und App Stores zeigen, dass der optimale Preis für digitalen Content zwischen 99 Cent und 2,99 Dollar rangiert. Nachhaltige Umsätze gibt es also nur, wenn das Publikum immer wieder zurückkommt. Und genau deswegen scheinen Fortsetzungsromane die beste Möglichkeit zu bieten, digitale Literatur profitabel zu machen.“

Abb.: Plympton.com, Amazon.com

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