Geschickt gendern: Online-Wörterbuch gibt Tipps für gendergerechte Sprache

geschickt-gendernDie Akteure werden zu Agierenden, die Alkoholiker zu Alkoholsüchtigen, Anfänger zu Unerfahrenen. Was ist hier passiert? Richtig, hier wurde jeweils eine Pluralform „geschickt gegendert“. Sprich: in eine Form gebracht, die beiden Geschlechtern gerecht wird und zugleich besser lesbar ist als leidige Hilfskonstruktionen wie: Akteure und Akteurinnen, AkteurInnen, Akteur/ -innen, Akteur_innen, etc. Auch im Singular funktioniert das: der Fachmann wird zur „Fachkraft“, der Freund zum „Herzensmensch“, die Forschergemeinde zur „Forschungsgemeinde“. Alles klar!? Damit das im Text-Alltag besser funktioniert, hat die Kieler Kommunikationstrainerin und Diversity-Expertin Johanna Müller die Seite „Geschickt-Gendern.de“ gestartet.

Hacker harren noch auf Gender-Update

In diesem sehr nützlichen Online-Genderwörterbuch gibt man einfach das gesuchte Wort ein oder klickt den Anfangsbuchstaben an — ist der betreffende Begriff schon vorhanden, macht das Wörterbuch verschiedene Vorschläge, wie es sich geschickt gendern lässt. „Benutzerfreundlich“ wird zu „benutzungsfreundlich“, die Blogger (Pl.) zu „Personen, die einen Blog schreiben“ (naja, das ginge vielleicht auch noch besser…) und die „Besucher“ zu „Gästen“ oder zum „Publikum“. Manchmal steht da aber auch: „Noch kein passender Begriff gefunden; senden Sie mir Ihren Vorschlag über das Kontaktformular“. So harren etwa der Hacker, der Rezipient oder der Verkehrssünder noch auf die praktisch verwendbare Gender-Änderung.

„Frauen nicht nur mitmeinen…“

Natürlich darf gefragt werden: Muss das sein!? Wozu brauchen wir eine gendergerechte Sprache? Johanna Müller hat gute Gründe parat: Sprache beeinflusst schließlich unser Denken — „Werden nur Männer genannt, spiegelt sich das in unseren gedanklichen Vorstellungen wider“. Um stereotype Rollenbilder aufzuheben, sollten wir im Alltag deswegen Frauen „nicht nur mitmeinen“, sondern ausdrücklich nennen — erst dann würden sie sich auch wirklich angesprochen fühlen. Letztlich sei das auch demokratischer: „Gendergerechte Sprache zeigt Wertschätzung gegenüber allen Menschen, unabhängig ihres Geschlechts“. Gerade vielen Web-Texten würde das sicher gut tun…

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

4 Gedanken zu „Geschickt gendern: Online-Wörterbuch gibt Tipps für gendergerechte Sprache“

  1. Besucher werden also zu Gästen? Was ist denn die EInzahl von Gäste? DER Gast. Da muss wohl auch noch die Gästin her. Oder sie werden alle zu Besuchenden.

    1. Auch wieder wahr ;-) Aber grundsätzlich finde ich die neutralen Pluralformen wirklich am elegantesten, zumindest so lange wie man es schafft, ohne den dann wieder problematischen Singular auszukommen…

  2. Ein anderer Ansatz ist Dänemark: dort sind seit Ende des 2. Weltkriegs grundsätzlich alle Berufsbezeichnungen männlich – weil kürzer.
    Das hat nicht zur Folge, daß Frauen diskriminiert werden, im Gegenteil. Da die männliche Form grundsätzlich gilt sagt sie über das Geschlecht gar nichts mehr aus.
    Für Berufsbezeichnungen und andere derartige Anwendungen halte ich das für deutlich sinnvoller als immer explizit darauf achten zu müssen wie etwas geschrieben ist. Denn auch wenn man das Genderwörterbuch verinnerlicht werden Fehler, Abweichungen passieren die dann umso schwerer wiegen.
    Das „mitmeinen“ gilt für beide Seiten, wenn ich von einem Arzt rede meine ich den Berufsstand. Es gibt da natürlich auch Zweige bei denen das Geschlecht des Arztes für einige Menschen relevant ist aber im Normalfall ist das eine geschlechtsneutrale Bezeichnung.
    Das Genderwörterbuch erinnert mich eher an das Neusprech von 1984, Sprache ist lebendig und entwickelt sich. Hier wird es in eine Form gespresst und es suggeriert auch erst, daß es einen Unterschied gibt wenn nicht explizit beide Geschlechter angesprochen oder neutral formuliert wurde.
    Es schafft IMHO genauso viele Probleme wie es zu lösen versucht.

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