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Gemüse, Serverparks, E-Lesen: Kindle-Sparte nur Amazons drittwertvollster Unternehmensteil

13 Aug 2013

Für alle, die Amazon immer noch für einen Buchhändler halten, dürfte diese Schätzung besonders überraschend sein: dem Morgan Stanley-Analysten Scott Devitt zufolge beruht der potentielle Wert des Unternehmens vor allem auf dem Bereich „Retail“, spricht: Amazons Online-Gemischwarenladen von Gemüse und Windeln bis zu Kühlschränken und (neuerdings) Kunstwerken. Satte 108 Milliarden Dollar schwer sei dieser Unternehmensbereich, gegenüber geschätzten 25 Milliarden Dollar für den IT-Dienstleistungsbereich AWS („Amazon Webservices“) und 23 Milliarden Dollar für die Kindle-Sparte. Kein Wunder, denn wenn es Amazon gelingt, zum neuen Walmart des Internets aufzusteigen, gibt’s weitaus mehr Geld zu verdienen als „nur“ mit Büchern. Auch wenn die Disintermediation des gesamten Einzelhandels durch den Online-Giganten bisher bei uns kein Thema sein mag – das Potential ist vorhanden.

Umsatzrendite von AWS liegt bei 10 Prozent

Mindestens ebensoviel Potential misst Scott Devitt aber dem Bereich AWS bei – Amazons rasch wachsende Serverparks und die darauf aufbauenden Cloud-Services für Startups, aber auch große Player könnten das Unternehmen in die Top 5 der weltweiten Anbieter katapultieren, meint der Analyst. Die Umsatzrendite stellt jedenfalls den Online-Handel mit physischen Waren offenbar schon jetzt deutlich in den Schatten – sie soll bei 10 Prozent liegen. Geht die Disintermediation auch in diesem Bereich weiter – d.h. die Auslagerung von IT-Dienstleistungen vor allem in Amazons Rechnerwolke – könnte AWS sogar zur wertvollsten Säule im Unternehmen werden. Mit anderen Worten: Amazon mag zwar mit dem Online-Handel von (gedruckten) Büchern angefangen haben, weil das Mitte der 1990er Jahren der perfekte Weg zum Einstieg in die beginnende Internet-Ökonomie war. Mittelfristig dürfte aber die altehrwürdige Gutenberg-Galaxis nur einen Trümmerstein darstellen, den den Weg zum weltgrößten „Store for anything“ säumt, zusammen mit Gemüsehändlern, Elektronikfachmärkten, Galerien, ach ja, und vielleicht auch Zeitungskiosken?

(via zdnet)

Abb.: flickr/Kodomut