Home » Lesen & Schreiben, Smartphone&Tablet

„Gemeinsame Plattform mit Verlagen“: ARD-User Service Engine als Google plus Facebook plus Netflix-Ersatz?

12 Jan 2018 1 Kommentar

ard-logo-altAch ja, Texte im Internet. Den einen (private Verlage) ist es erlaubt, ins Web zu schreiben, den anderen (öffentlich-rechtliche Sendeanstalten) nicht? Oder nur im Telegrammstil? Wie beim Videotext? Aua, touché, schlechtes Beispiel. Denn damit fing der Streit ja in den frühen 1980er Jahren an, lange vor dem World Wide Web. Worte auf dem Bildschirm, mit Rundfunk-Gebühren und weiteren öffentlichen Zuschüssen bezahlt, das war den Zeitungsmachern damals schon ein Dorn im Auge.

Heute streitet man sich eher über den Wortanteil der Tagesschau-App, oder auf tagesschau.de, wobei ja eigentlich klar ist: ohne Worte geht es gar nicht. „Text in einem bestimmten Umfang ist notwendig, um gefunden zu werden“, so betonte BR-Intendant und derzeitiger ARD-Vorsitzender Ulrich Wilhelm jetzt in einem öffentlichen Pressegespräch. Denn alle Content-Anbieter seien vom Traffic der Suchmaschinen und Social Media-Netzwerke abhängig, und damit von deren Algorithmen.

Um dann einen großen Wurf zu formulieren (siehe das wörtliche Transkript bei daniel-bouhs.de): sollte es nicht besser „zu einer gemeinsamen Plattform für die Inhalte der unterschiedlichsten Qualitätsanbieter“ kommen, um von Google, Facebook & Co. unabhängig zu werden? Also einer „massiven Mediathek auch mit Text-Content der Verlage“, wie gleich mal vom Moderator kritisch nachgefragt wurde? Antwort: Im Prinzip schon, in der Zukunft, mit entsprechenden Gesetzesänderungen, und entsprechenden Kooperationsvereinbarungen, weil beide Seiten „schützenswerte Inhalte“ produzieren.

Die technischen Grundlagen dafür werden gerade gelegt, nämlich im Rahmen der ARD-User Service Engine (ARD USE), deren Ziel eine „für alle ARD-Angebote gemeinsame technische Infrastruktur mit einem personalisierten Nutzerzugang“ ist, die „intelligente Empfehlungs- und Suchfunktionen“ bietet. Startpunkt soll die bestehende (Video-)Mediathek sein, die in der Folge mit einer Audiothek und einer Mediathek speziell für Kinder-Inhalte ergänzt wird.

Kommt dann am Ende auch der News-Content der Zeitungsverlage dazu? Und zu welchen Bedingungen? Soll die Plattform dann etwa auch noch als ein eigentständiges soziales Netzwerk funktionieren? Ist das wirklich realistisch? Trotz der Konkurrenz nicht nur durch Facebook, sondern auch Amazon, Netflix, etc? Klar ist bisher nur eins: die Rundfunkbeiträge werden ab 2021 steigen, denn die Anstalten haben drei Milliarden Euro „Mehrbedarf“ pro Jahr angemeldet.

Ein Kommentar »

  • _Flin_ schrieb:

    Nachdem der öffentliche Rundfunk seine Abonennten im Regen stehen hat lassen, deren Geld in die Tasche steckt aber die von ihm bezahlten Inhalte depubliziert und nur nach eigenem Ermessen sendet, soll jetzt also mit denen, die die Depublikation erpresst haben, gemeinsame Sache gemacht werden.

    Unverschämtheit, Skandal oder Stockholm Syndrom, man weiss es nicht. Das einzige was man weiss ist, dass ganz Deutschland Rundfunkgebühren zahlen muss, um dann das zwangsbeglückte Seniorenfernsehen in den Archiven verrotten zu lassen.

    Vor 20 Jahren wurde im Rundfunk schon über Longtails und Next Generation Networks geredet, aber statt Deutschem Youtube (oder besser: ITV Player), Netflix, modernen Entlohungssystemen und Zukunft gibt es Jammern und Hinterherlaufen, weil man in Deutscher Zukunftsfeindlichkeit und Neuland Jammerei geschafft hat, die Zukunft grossmasstäblich zu verkacken.

    Aber Hauptsache Dieter Gorny macht digitale Ökonomie im Wirtschaftsministerium. Der sollte bei den Gesprächen unbedingt dabei sein, damit wir noch mehr 1980 im Internet haben.

Hier ist Platz für Kommentare!

Wir freuen uns auch über Trackbacks von anderen Seiten. Die Kommentare mitverfolgen kann man übrigens auch via RSS.

Ansonsten gilt: "Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam."

Folgende Meta-Tags sind bei Kommentaren erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Dieser Blog unterstützt Gravatare. Den persönlichen Gravatar für das gesamte Web gibt's auf der Gravatar-Website.

Newsletter abonnieren (1x pro Woche)