Gegen die Barberei des Black Friday: Britische Buchhhändler blasen zum „Civilised Saturday“

civilised-saturdayBlack Friday ist Schnäppchentag, nicht nur in den USA: mittlerweile tobt die traditionelle Rabattschlacht am Tag nach „Thanksgiving“ auch in Deutschland, und zwar vor Ort wie online — siehe die blackfridaysale.de-Initatiative, die von vielen großen Marken unterstützt wird. Mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz erwartet der Handel alleine hierzulande am „schwarzen Freitag“ (zum Vergleich: Großbritannien 3 Mrd. Euro, USA 7 Mrd. Euro).

Shopping-Kultur importiert von Amazon

Der eigentliche Anstifter dieser importierten „Tradition“ war, wie könnte es anders sein, Online-Gigant Amazon. Die wiederkehrende Schnäppchen-Aktion, ausgeweitet zur Cyber-Monday-Woche, wurde von Amazon.de erstmals 2010 zelebriert, und verspricht in diesem Jahr über 10.000 Blitz- und 24-Stunden-Angeboten mit bis zu 50 Prozent Rabattierung (tatsächlich oft aber deutlich weniger Rabatt).

Britische Buchhändler „not amused“

Doch nicht alle freuen sich über das Hochfest des Deal-süchtigen Homo Oeconomicus — die britische „Booksellers Association“ zum Beispiel ruft in diesem Jahr zum zweiten Mal zum „Civilised Saturday“ auf. Diese Alternativ-Aktion setzt nicht auf den schnellen Kick per Kauf-Klick, sondern hofiert das Lese-Publikum mit Entschleunigung, Wellness, Prosecco, Koch-Kultur oder anderen Offline-Annehmlichkeiten.

„Civilised Saturday“ zu snobby?

Der etwas hochnäsige Name der Kampagne stieß jedoch zugleich auf Kritik — so fragte etwa Nick Coveney von Bonnier: „Ist es wirklich sinnvoll, wenn eine Branche, die ohnehin für kulturellem Snobismus steht, den ‚Civilised Saturday‘ als Markenzeichen wählt?“ Ein bisschen Etikettenschwindel ist auch so schon dabei, letztlich geht es bei der Aktion ja — genau beim „unzivilisierten“ Black Friday — um das Produkt-Marketing, hier: von Büchern.

(Spannende Frage in diesem Zusammenhang wäre natürlich auch: welche Rolle spielt der Black Friday eigentlich in punkto E-Books & E-Reader? Darüber hat sich Chris Meadows auf Teleread ein paar sehr interessante Gedanken gemacht…)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".