Frischzellenkur für EPUB-Format: Multimedia-Tablets verändern Spielregeln für elektronisches Lesen

epub 2.1 multimedia fuer e-book video flash.gifVideo, Audio, Flash-Animationen: Der Trend zu Multimedia-Tablets verändert die Spielregeln für das elektronische Lesen. Ausgerechnet epub, der Branchenstandard für E-Books, hinkt aber technisch hinterher. Längst geht es nicht mehr nur darum, Buchstaben und Bilder vom Papier auf das Display zu bringen. Das International Digital Publishing Forum diskutiert nun Erweiterungen für das epub-Format: mit der Version 2.1 gibt’s mehr Interaktivität, erweiterte Layout-Optionen für Magazine- & Zeitungen, aber auch die verbesserte Unterstützung asiatischer Sprachen.

Auf dem Multimedia-Tablet könnte epub schon bald zum alten Eisen gehören


Wer heutzutage ein E-Book kauft, bekommt meistens ein Buch im epub-Format geliefert. Denn abgesehen von Amazons Kindle unterstützen mittlerweile alle Lesegeräte diesen offenen Standard, der in seiner jetzigen Form aber auch erst seit 2007 existiert. Offen heißt in diesem Fall nicht nur, das alle technischen Details offengelegt werden. Epub ist vor allem auch nicht das Eigentum eines bestimmten Unternehmens – wie etwa Adobes PDF – und kann somit von allen Interessenten ohne Einschränkungen genutzt werden. Verantwortlich für die Weiterentwicklung von epub ist das International Digital Publishing Forum. Spätestens mit dem Siegeszug der Tablet-PCs und farbigen E-Ink-Displays gibt es einiges zu tun. „Epub ist schnell zum Standardformat für kommerzielle E-Books geworden, jetzt sollte es das Ziel der IDPF sein, dass epub weltweit auch als Standard für Schulbücher, wissenschaftliche Publikationen, digitale Magazine und Zeitungen angenommen wird“, heißt es in einem aktuellen Diskussionspapier des Konsortiums.

Die Verlage wollen E-Books mit Multimedia, und verabschieden sich langsam von epub


So richtig unter Druck gesetzt hat die Hüter des epub-Standards wohl der Hype um Apples iPad. Denn viele Verlage möchten nun die neuen medialen Möglichkeiten auf breiter Front ausnutzen. Penguin-Chef John Makinson legte vor kurzem bei der Vorstellung des neuen Verlags-Konzeptes den Finger auf die Wunde: “We will be embedding audio, video and streaming in to everything we do. The ePub format, which is the standard for e-books at the present, is designed to support traditional narrative text, but not this cool stuff that we’re now talking about. So for the time being at least we’ll be creating a lot of our content as applications, for sale on app stores … rather than in e-books.” Andere Publisher sind bereits seit einiger Zeit auf diesem Weg, etwa die Macher des Vooks – also der Verbindung von E-Book & Video. Vooks werden entweder auf iPhone oder iPod Touch genutzt oder online im Browser. Mit den bisherigen Möglichkeiten von epub wären solche multimedialen Konzepte nicht realiserbar gewesen. Ähnliches gilt natürlich auch für bunte & bewegte journalistische Formate wie BILD-, Welt- oder selbst die Spiegel-App.

Vom Video bis zum Kreuzworträtsel: Am wichtigsten ist die Einbettung von „Rich Media“


In Zukunft könnten epub-Dokumente also selbst bunt, bewegt und interaktiv werden. Das IDPF hat insgesamt 13 Probleme eingekreist, die möglichst rasch gelöst werden müssen. Am wichtigsten scheint die Einbettung von „Rich Media“ zu sein, also Anwendungen vom Videofilm bis hin zum Kreuzworträtsel. „These capabilities are necessary for interactive digital textbooks and digital magazines, and more generally to enable eBooks to evolve into a new medium, rather than simply be digital equivalents of paper books“, so das Diskussionspapier zur 2.1-Version von epub. An zweiter Stelle steht die verbesserte Sprach-Unterstützung für die Region Asien: „There is substantial interest in using EPUB in China, Japan, Korea“. Dort wird zwar die Hardware der meisten Geräte produziert, doch abgesehen vom Siegeszug der Smartphones in Japan sind E-Reader selbst bisher am stärksten in Nordamerika verbreitet. Richtig unter den Nägel zu brennen scheint den epub-Machern aber auch der Zeitungs- und Zeitschriftenmarkt. Der digitale Content bewegt sich momentan aus dem Desktop-Browser direkt auf die Displays von Tablets und Handys. Das Hauptproblem für epub: „The fundamental atomic unit of magazines and newspapers is the article, an entity which is not specifically defined in EPUB“, gibt sich das IDPF selbstkritisch. Außerdem sei es bisher für viele Verlage nicht möglich, das Print-Layout (den „House Style“) ihrer Produkte glaubhaft im epub-Format darzustellen. Doch bei allem Reformeifer – vor 2011 ist mit all den diskutierten Verbesserungen nicht zu rechnen. Wenn alles so klappt wie vorhergesehen, wird die Beta-Version von epub 2.1 gegen Ende dieses Jahres fertig sein, die endgültige Freigabe ist nicht vor Mai 2011 geplant. Bis dahin dürften das iPad und seine Konkurrenzprodukte den Markt für elektronisches Lesen kräftig umgekrempelt haben.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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