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Frisch gedruckt aus der Buchhandlung: Barnes & Noble testet Espresso Book Machine

3 Sep 2014

„Kommt ein Self-Publisher in die Buchhandlung, geht an den Digitaldrucker, und druckt sich sein eigenes Buch aus“: was wie ein bisschen wie ein Witz klingt, beschreibt zugleich ziemlich exakt die Realität in einigen US-Buchhandlungen. Dort stehen nämlich „Espresso Book Machines“ von On Demand Books, die auf Knopfdruck ein komplettes Paperback binnen Minuten ausspucken. Neben der Buchkette „Books a Million“ will nun auch Barnes & Noble auf Print On Demand vor Ort setzen – zunächst wird das Angebot an drei Standorten ausprobiert, darunter im Flagship-Store am New Yorker Union Square.

Einem Unternehmenssprecher zufolge sollen Kunden auf diese Weise ein ansonsten nicht direkt lieferbares Buch, einen Public Domain-Titel oder ihre eigenes Self-Publishing-Buch ausdrucken können. „Sinn und Zweck des Testlaufs ist es, bei den Konsumenten Interesse zu wecken“, wird der namentlich nicht genannte Sprecher bei publishersweekly zitiert.

Für On Demand Books ist das Teil einer breiter angelegten Strategie, um mehr Geräte in Umlauf zu bringen, nicht nur im unabhängigen Buchhandel, sondern eben auch bei den großen Ketten. Bis Ende des Jahres sollen bis zu 100 Espresso Book Machines in Buch- und anderen Läden stehen. Das wäre schon einer kleiner großer Sprung nach vor: Inklusive Bibliotheken sind derzeit weltweit knapp 70 der flinken Digitaldruckmaschinen im Einsatz, die meisten in den USA (siehe Karte).

Kurzzeitig waren es sogar ein paar mehr – doch seit Mitte 2013 sind die Zahlen leicht rückläufig. So haben etwa einige Indies aus kleineren Städten ihre Maschinen aber auch wieder zurückgegeben, denn die Nachfrage war dort einfach nicht groß genug, die Kosten zu hoch. An manchen Orten wird der Ad-Hoc-Druck aber durchaus häufig genutzt – so werden etwa am Standort Harvard Book Store in Cambridge, Mass. monatlich zwischen 1.000 und 1.500 Titel produziert, etwa die Hälfte davon sind gemeinfreie Bücher aus der Google-Bibliothek.

Die Anschaffungskosten für eine Espresso Book Machine sind immer noch ziemlich schmerzhaft – derzeit werden 85.000 Dollar fällig, beim Start des Programms im Jahr 2007 waren es sogar noch 185.000 Dollar. Auch die Leasingraten sind offenbar nicht unbedeutend. Kein Wunder, dass sich der hyperlokale POD-Sektor noch nicht als der erhoffte Buchbranchen-Disruptor erwiesen hat. Auch ein sehr spannendes Joint-Venture zwischen Books On Demand und Kodak ist offenbar nicht zu Stande gekommen – es hätte die Espresso Book Machines mit dem Kodak Picture Kiosk kombiniert.

(via Publishers Weekly & The Digital Reader)

Abb.: Waag Society/Flickr (cc-by-2.0)
Das Bild zeigt eine Espresso Book Machine in Amsterdam – neben Den Haag derzeit der einzige Standort auf dem westeuropäischen Kontinent.