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Friendly takeover: taz kann jetzt via Browser-Plugin kachingelt werden

3 Mai 2011 Ansgar Warner 2 Kommentare

Mit dem Browser-Plugin „KachingleX“ gelten neue Regeln für das Crowdfunding: wo Spenden gesammelt werden können, entscheiden ab jetzt die Leser. Zu den ersten deutschen Seiten, auf denen KachingleX funktioniert, gehört taz.de, die Web-Plattform der alternativen Tageszeitung aus Berlin. Die Möglichkeit zum „Friendly takeover“ ist Teil eines Relaunches des 2009 gestarteten Crowdfunding-Netzwerks Kachingle. Einfacher geworden ist dank Facebook-Integration nun auch die Anmeldung – außerdem ist die Teilnahme am Netzwerk im ersten Monat kostenlos. E-Book-News hat die neuen Features getestet und sprach mit Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos.

“Die taz zahl ich“ – Crowdfunding ohne Kachingle?

„Die taz zahl ich“ heißt es seit kurzem auf taz.de – neben dem flattr-Button lässt sich eine spezielle Spenden-Konsole aufklappen. Erklärtes Ziel der tazzler ist es, das Webangebot auch zukünftig frei zugänglich zu halten. Paywalls passen nicht zum genossenschaftlichen Konzept der alternativen Tageszeitung. Andererseits steht und fällt das Modell mit dem Engagement der Leser. Genau darauf zielt die „taz zahl ich“-Kampagne, sie soll möglichst viele verschiedene Zahlungsmöglichkeiten anbieten: Kreditkarte, Lastschrift, Handy-Transfer, Paypal und auch Direktüberweisung. Fehlte eigentlich nur noch das Kachingle-Medaillon. Das gleichnamige Crowdfunding-Netzwerk aus den USA ermöglicht damit per Mausklick das Abonnieren teilnehmender Websites. Jeder Besuch wird gezählt, zugleich macht Kachingle aber auch transparent, wer wen fördert. Kachingle setzt damit auf soziale Interaktion: Nach dem Motto „Klick gutes und sprich darüber“ sollen die Crowdfunding-Aktivitäten des Users Teil seiner „Online-Persönlichkeit“ werden.

Die Zahl der KachingleX-Seiten wächst täglich

Bisher musste dazu allerdings der jeweilige Website-Betreiber selbst den ersten Schritt machen. KachingleX behebt diesen Mangel: das Browser-Plugin (erhältlich für Firefox, Chrome, Safari und IE) blendet im oberen Bereich des Browserfensters eine virtuelle Spendenleiste ein. Auf welchen Seiten das funktioniert, entscheiden die Leser selbst – sie können bei Kachingle Vorschläge machen. Die Seiten werden innerhalb weniger Stunden vom Kachingle-Team überprüft und aktiviert. Teil des Aktivierungsvorgangs ist dabei auch eine Benachrichtigung des Seiteninhabers. In der Seitenübersicht des Kachingle-Netzwerks sind solche „virtuellen“ Teilnehmer dann an einem kleinen „KX“-Logo zu erkennen. Zu den via KachingleX bereits neu aufgenommenen Seiten gehören neben taz.de auch etwa saschalobo.com, Netzpolitik.org und Spreeblick.

Kachingle zielt jetzt auf die Masse der normalen User

Für Kachingle ist das neue Browserplugin zentraler Bestandteil einer neuen Strategie: „Wir waren die letzten sechs Monate damit beschäftigt, neue Features zu schaffen, mit denen sich unser Fokus von Seitenbetreibern auf die normalen User verschieben wird“, so Cynthia Typaldos gegenüber E-Book-News. Denn nach knapp eineinhalb Jahren Kachingle-Betrieb gibt es zwar ein paar Hundert teilnehmende Websites, allerdings nur wenige Nutzer, die nicht gleichzeitig auch Seitenbetreiber sind. „Wir denken dass KachingleX die entscheidende Zutat ist, um den normalen Web-Usern Kachingle schmackhaft zu machen“, so Typaldos. Bevor man KachingleX nutzen kann, muss man natürlich Mitglied bei Kachingle werden. Doch auch das ist jetzt einfacher geworden – über eine Facebook-Integration kann man zur Anmeldung bei Kachingle ganz einfach die Login-Daten des sozialen Netzwerkes nutzen. Im ersten Monat ist die Nutzung kostenlos – danach zahlt man eine monatliche Mitgliedsgebühr von 5 Dollar (umgerechnet etwa 3,38 Euro).

Nur die New York Times wollte keine Spenden

E-Book-News hat sich die neuen Funktionen vom Kachingle-Team live via Webmeeting vorführen lassen und das Browser-Plugin installiert. Als neues KachingleX-Mitglied haben wir dann gleich mal die taz vorgeschlagen. Neben der URL und einer E-Mail-Adresse des Seitenbetreibers kann man im Browser-Formular auch eine Begründung angeben – unsere war natürlich klar: die taz ist eine tolle Zeitung, die wir längst schon geflattert haben, jetzt aber endlich auch kachingeln möchten. Eine Stunde später kam per E-Mail die Rückmeldung: „Your recommendation has been implemented and we have created a Kachingle KX Medallion for the site.“ Kurz darauf zeigte der Blick in den Browser schon zwei Kachinglers, deren Besuche bei taz.de gezählt werden. Um die gesammelten Spenden zu kassieren, muss der Seitenbetreiber irgendwann Kachingle-Mitglied werden. Meistens dürfte die Höhe der gesammelten Beträge dafür das beste Argument sein. Beschwert hat sich über KachingleX-Spenden bisher niemand – abgesehen von der New York Times. Die drohte Kachingle bei einem ersten Test von KachingleX im Herbst 2010 sogar mit juristischen Konsequenzen – das „friendly takeover“ der kalifornischen Crowdfunder wurde als Angriff auf die geplante Paywall verstanden.

2 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    Friendly takeover: taz kann jetzt via Browser-Plugin kachingelt werden…

  • Netzpresse: Asoziales Social Payment schrieb:

    [...] | taz.deThe Strange Case of Kachingle v. The NYT19.08.2010 | Columbia Journalism ReportFriendly takeover: taz kann jetzt via Browser-Plugin kachingelt werden04.05.2011 | E-Book-NewsWeitere Artikel"Kultur der Fairness": Die taz sucht zahlende Leser auf [...]