Home » Crowdfunding, E-Newspaper

Friendly Takeover bei der New York Times: Kachingle sammelt Spenden, um Paywall zu verhindern – ohne zu fragen

13 Okt 2010 Ansgar Warner 3 Kommentare

kachinglex-new-york-times-crowdfunding-pluginKann Kachingle die Paywall der New York Times stoppen? Zumindest für die beim Publikum beliebten NYT-Blogs von David Pogue oder Paul Krugman gibt es jetzt eine Alternative. Mit einem Browser-Plugin namens KachingleX sammelt das Crowdfunding-Netzwerk unter den regelmäßigen Lesern Spenden, die an die Blogger weitergeleitet werden. Die Aktion ist eine Art “freundliche Übernahme” – denn die NYT wurde nicht gefragt. Wer mitmachen will, braucht Firefox oder Chrome als Browser.

KachingleX zeigt der NYT, dass Crowdfunding funktioniert

Bei der New York Times tickt die Uhr – ab 2011 will das finanziell klamme Blatt eine Paywall errichten. Eine bestimmte Anzahl an Artikeln wird man zwar auch im nächsten Jahr noch umsonst lesen können, doch wer mehr will, wird zur Kasse gebeten. Vorbild beim sogenannten „metered access“ ist die in London erscheinende Financial Times – dort können Leser maximal zehn Online-Artikel jeden Monat unentgeltlich konsumieren. Auch die beliebten Blogs der New York Times sollen hinter dieser abgestuften Bezahlschranke verschwinden. Die neuesten Postings von Star-Kolumnist Paul Krugman, David Pogues legendäre Technologie-Kritiken oder den Freakonomics-Blog von Levitt & Dubner gäbe es dann nur noch gegen Cash. Das Team um Kachingle-Gründerin Cyntha Typaldos will sich damit aber nicht abfinden – schließlich gibt es mit ihrem Crowdfunding-Netzwerk eine bereits funktionierende Alternative zu Paid Content. Das wollen sie mit Hilfe der Kachingle-Community nun der New York Times beweisen, und zwar ganz ungefragt: „A strong set of supporters like you will show the NYTimes executives that readers who appreciate these bloggers will voluntarily pay to support their effort, without having to put them behind a paywall and removing them from the social web“, heißt es in einem online verbreiteten Aufruf.

kachinglex-crowdfunding-nyt-krugman-blog1

Das eingesammelte Geld geht via PayPal an die Blogger

Mittel zum Zweck ist KachingleX, ein spezielles Browser-Plugin, das man auf der Kachingle-Website herunterladen kann. Völlig unabhängig vom Webserver der New York Times registriert KachingleX, ob man Kachingle-Mitglied ist und zu den Unterstützern des jeweiligen NYT-Blogs gehört. Wie beim Crowdfunding-Netzwerk üblich, wird dann jeder Besuch gezählt, um am Ende des Monats bei der Ausschüttung berücksichtigt zu werden (Der monatliche Kachingle-Beitrag beträgt zur Zeit 5 Dollar). Auf einer extra eingerichteten Kampagnenseite kann man das bisherige Ergebnis bewundern: Paul Krugmans Blog hat aus dem Stand heraus bereits 20 Kachingler als Unterstützer gewonnen, danach folgen der BitsBlog sowie Freakonomics mit 16 bzw. 10 Kachinglern. Gefragt wurden die Blogger übrigens vor dem Start der Aktion genauso wenig wie die NYT-Redaktion, eine E-Mail-Benachrichtigung gab es aber nach Angaben von Kachingle schon. Die eingesammelten Gelder sollen über PayPal weitergereicht werden – dabei wird offenbar die offizielle NYT-Mail-Adresse der Blogger genutzt. Für Kachingle selbst dürfte sich das Friendly Takeover der New York Times-Blogs auf jeden Fall lohnen. Die Aktion bringt nicht nur das Anliegen der Crowdfunding-Bewegung in die Medien, sondern könnte auch viele Online-Lesern der NYT zum kachingeln ermuntern.

3 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    Friendly Takeover bei New York Times: Kachingle sammelt Spenden, um Paywall zu verhindern – ungefragt…

  • Elke schrieb:

    So ganz verstehe ich das Prinzip Kachingle eigentlich nicht. Blogger verteilen 5 $ auf andere Blogger, die ebenfalls 5 $ umverteilen. Es bleibt also immer die gleiche Menge Geld in Umlauf (minus der Kachingle-Gebühren). Geschaffen wird also ein Ranking – wer bekommt viel, wer wenig. Nicht selten folgen solche Ökonomien dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Also: Blogs, die bereits ein hohes Maß an Wahrnehmung bekommen, werden sicher mehr Kachingle-Freunde verbuchen können als Blogs, die eher unbekannt sind. Vielleicht verstehe ich das Prinzip aber auch falsch. Insofern ist dies nur ein vorsichtiger skeptischer Einwand.
    Herzliche Grüße
    Elke

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Nein, liebe Elke: es geht nicht nur um die Blogger, sondern theoretisch um alle Netznutzer, deswegen nennt sich die ganze Sache ja auch Crowdfunding, mit der Crowd sind nicht ein paar Happy few, sondern veritable Massen gemeint, die Millionen bis Milliarden Surfer im weltweiten Web. Das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Content-Anbietern und den “Spendern” kann man sich dann im Idealfall vielleicht eher so vorstellen wie das zwischen Zeitungslesern und Journalisten. Kachingle steckt allerdings noch in der Anfangsphase, von den etwa 500 Teilnehmern sind viele tatsächlich beides, Blogger und Unterstützer. Was ja auch daran liegt, dass es vor allem die Blogger sind, die das Thema Crowdfunding als “Early Adopters” ausprobieren und nach und nach in die breitere Öffentlichkeit tragen.

    Bei Flattr dagegen sieht es schon etwas anders aus, von den mehr als 30.000 derzeitigen Teilnehmern sind die meisten bereits reine Leser, die mit ihren Klicks Blogs, Online-Zeitungen und andere Seiten unterstützen. Damit sich Crowdfunding auch für kleinere Blogs lohnt, braucht man allerdings noch größere Zahlen, selbst die taz hat ja über Flattr zuletzt “nur” so um 1000 Euro pro Monat eingenommen. Viele Special-Interest-Blogs haben vielleicht zwischen 10.000 bis 20.000 Seitenaufrufe pro Monat (E-Book-News eingeschlossen), wenn davon dann irgendwann mal sagen wir zehn oder zwanzig Prozent von Crowdfunding-Aktivisten stammen und etwa nach dem Vorbild von Kachingle gezählt und vergütet würden, könnte ein erkleckliches Sümmchen zusammenkommen.

    Hast du nur 500 Blogger im Topf, bleibt das ganze natürlich eine Art Pyramiden-Spiel, oder wie unsere ehemaligen amerikanischen Freunde sagen, ein “Ponzi-Scheme”. Die Frage ist immer, ob die kritische Masse erreicht wird – bei “Freemium”-Modellen ist das ja schon lange erprobt, wenn du Millionen “Kunden” bzw. Nutzer für ein digitales Produkt hast (denke z.B. mal an deine Anti-Virensoftware!), reichen fünf oder zehn Prozent aus, die für Premium-Content oder zusätzliche Funktionen einer Software wirklich etwas bezahlen.

    Beste Grüße,

    Ansgar