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Foul Play beim iPad: Apple schützt E-Books mit exklusivem “Fair Play”-DRM

18 Feb 2010 Ansgar Warner 1 Kommentar

fair-play-foul-play-bei-apple-exklusiver-drm-schutz-e-books-auf-dem-ipad.gifApple wird für den neuen iPad kopiergeschützte E-Books im epub-Format anbieten – doch die Verkaufsplattform iBooks verzichtet auf Adobes Digital Edition. Stattdessen setzt Steve Jobs auf “Fair Play” – Apples hauseigene DRM-Technik. Sie kam bisher schon für MP3- und Videodateien zur Anwendung, die via iTunes verkauft wurden. Musikdateien werden allerdings seit 2009 von Apple grundsätzlich DRM-frei ausgeliefert.

Adobe hat sich bereits auf Apples DRM-Alleingang eingestellt


Bei der Etablierung von iBooks geht Apple ganz eigene Wege – nicht nur bei der Preisgestaltung. Um den Verlagen entgegenzukommen, bietet Steve Jobs offenbar auch an, die E-Books mit Digital Rights Management (DRM) auszustatten – setzt dabei allerdings nicht auf Adobes Digital Editions, sondern auf das hauseigene “Fair Play”. Das berichtet jedenfalls die LA Times unter Berufung auf Branchenkenner. Auch bei Adobe scheint man sich auf Apples Alleingang einzustellen: “Apple has not licensed Adobe Content Server for their iBookstore. They appear to be doing something else”, äußerte sich Adobe-Manager Nick Bogaty gegenüber Computerworld.

“Fair Play” oder “Foul Play”? Schon bei iTunes war DRM äußerst unbeliebt


Apples “Fair Play” fand bereits bei Produkten wie iPod, iPhone und natürlich im iTunes Store Verwendung. Die Nutzungsbedingungen erinnern jedoch stark an Adobe: Eine mit FairPlay geschützte Mediendatei kann nur auf fünf Computern gleichzeitig wiedergegeben werden, dazu muss jedes Gerät einzeln autorisiert werden. Allerdings ging Apples Version im Vergleich zur E-Reader-Welt noch etwas weiter – denn Musikdateien ließen sich mobil nur auf iPods abspielen. Das führte nicht nur zu Protesten der Nutzer, sondern brachte Apple auch zahlreiche Klagen wegen Wettbewerbsverletzungen ein. Seit Anfang 2009 sind alle Musikstücke im iTunes Store kopierschutzfrei, allerdings wurde zur selben Zeit auch eine neue Preisstruktur eingeführt.

Nach Amazons Kindle-Store kommt mit iBooks nun das zweite große Closed-Shop-System


Unklar ist bisher noch, ob Verlage auch die Option haben werden, auf “Fair Play” zu verzichten. so ist etwa O’Reilly dafür bekannt geworden, seine E-Books ohne Kopierschutz anzubieten – was in diesem Fall zu deutlich höherem Umsatz geführt hatte. Zudem stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit von “i-Books”: Wenn iPad-Besitzer ihre mit FairPlay verschlüsselten Bücher nur auf Apples Tablet lesen könnten, würde das die Nutzung stark einschränken. Neben Amazon gäbe es dann möglicherweise ein zweites Closed-Shop-System – und dass ironischerweise, obwohl Apple anders als Amazon beim E-Book-Format selbst auf den Branchenstandard epub setzt.

Das neue iPad – benutzerfreundlich oder “Defective by Design”?


Die Reaktionen bei Bloggern und Open Source-Aktivisten fielen dementsprechend kritisch aus: “[FairPlay] is another in a varied number of DRM schemes that will ultimately confuse the consumer and harm e-book adoption,” schreibt etwa Teleread-Herausgeber Paul Biba. John Sullivan von der Free Software Foundation (FSF) sieht Apples DRM-Pläne im Zusammenhang der bisherigen Firmenpolitik und fordert: “If Jobs and Apple are actually committed to creativity, freedom, and individuality, they should prove it by eliminating the restrictions that make creativity and freedom illegal.” Im Rahmen der “Defective by Design”-Kampagne hat die FSF übrigens eine Online-Petition gestartet, Überschrift: “iPad DRM endangers our rights”. Sobald – bzw. jedesmal wenn – 5000 Unterschriften zusammengekommen sind, bekommt Steve Jobs eine großformatige Postkarte im 1984-Design geschickt.

Ein Kommentar »

  • Rob schrieb:

    So löblich die “Defective by Design”-Kampagne sein mag, hat sie doch einen grossen Fehler in ihrer Forderung dazu, dass Apple das DRM von all den Dateien auf iTunes entfernt. Apple kann weiterhin darauf pochen, dass es ja nur ein Vermittler ist, und das Bestehen auf DRM ja nur von den Kunden kommt, in diesem Fall die Filmindustrie und neuerdings die Verlagsbranche. So sehr sie auch dagegen sein könnten, als Firma können sie sich nicht ihr Content-Lieferanten vergrätzen.

    Persönlich finde ich natürlich ein weiteres DRM System auf ePub schlimm. Als Endkunde blickt man mit der Zeit gar nicht mehr durch und die Marktentwicklung wird dadurch nur gehemmt.